Single nur weil man schüchtern ist? Das muss nicht sein ...
Den ganzen Abend auf einer Party gewesen und doch mehr allein als zu zweit. Gott sei Dank taucht der Kollege aus dem Controlling auf, mit dem man den ganzen Abend über das gerade implementierte System sprechen kann.
Nebenbei hält man sich an den Salzstangen fest, erleichternd, dass diese immer wieder von der Gastgeberin aufgefüllt werden. Aus dem Augenwinkel ist die nette Dunkelhaarige schon aufgefallen, aber ansprechen…auf keine Fall! Schon beim Gedanken erhöht sich der Puls, die Zunge wird trocken und man spürt die aufsteigende Röte. "Was mögen die anderen nur denken und was sagen." Ähnliche Symptome stellen sich bereits bei der Vorstellung ein, sie könnte ein Gespräch anfangen. Beste Strategie das zu verhindern: Rücken zuwenden, keinen Blick in die Richtung verschwenden, abweisend wirken…Um Mitternacht allein nach Haus mit Selbstvorwürfen, zum zigsten Mal versagt zu haben, aber auch mit den tröstenden Worten: Ich bin nun mal zu schüchtern…
Wirklicher Grund oder bloße Ausrede? Ich denke, sowohl als auch. Für Menschen, deren Schüchternheit in einem Maß ausgeprägt ist, dass sie zu gehemmt sind, in menschlichen Kontakt einzusteigen, empfinden ihr Verhalten als tatsächliche Qual. Andere erleben es eher als unangenehm, das Risiko auf sich zu nehmen, durch Initiative einen Korb einzufangen. Das kratzt am Selbstwertgefühl. Ist das verunsichert, kann das Zurückfallen in die Schonhaltung der Schüchternheit hilfreich erscheinen.
In vielen Umfragen (gibt auch eine von ElitePartner, Gründe fürs Singledasein) wird Schüchternheit als einer der häufigsten Gründe genannt, ungewollt Single zu sein. Was Schüchterne schmerzt, ist der Konflikt zwischen Annäherung und Vermeidung: Sie möchten gern auf andere zugehen und möchten akzeptiert und geschätzt werden. Aber sie fürchten die Risiken, die damit einhergehen. Schüchternheit ist jedoch keine Krankheit und nur zu einem geringen Teil ein angeborener Charakterzug. Sie ist vielfach eine erlernte Verhaltensweise. Und damit gleich die gute Botschaft: Diese Verhaltensweisen können wieder verlernt und durch Geeignetere ersetzt werden. Schüchterne haben die Kontrolle verinnerlicht, die in der Regel von Eltern, Lehrern, Vorgesetzten ausgeübt wird: Es ist besser, nicht aufzufallen! Sie sehen sich ständig mit den Augen der anderen und sind selbst ihre schärfsten Kritiker. Dieser Hang zur vorauseilenden Selbstbeobachtung wirkt hemmend und nimmt jede Spontaneität im Umgang mit anderen Menschen: Was wird der oder die bloß von mir denken? So nehmen zurückhaltenden Menschen soziale Signale sehr wohl war. Allerdings interpretieren schüchterne Menschen diese meist negativ. Das führt langfristig oft zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung. Da zurückhaltende Menschen nach Außen oft nicht unsicher, sondern desinteressiert oder arrogant wirken, nehmen andere zudem weniger Kontakt mit ihnen auf und der Schüchterne bekommt so – ungewollt – seine Weltsicht bestätigt.
Kaum jemand empfindet seine Hemmungen als etwas Positives: Sie sind eine Belastung, die man gerne los wäre. Schüchternheit lässt sich jedoch überwinden – nicht sofort und nicht so einfach. Es hilft, wenn man ihre Fallen durchschaut und sich immer wieder ins Testgelände des sozialen Lebens begibt. Schüchterne können diesen Teufelskreis an zwei Stellen durchbrechen – bei der Interpretation und ihrem Verhalten: Hilfreich ist, konsequent alle Signale von Menschen einem selbst gegenüber positiv zu werten, denn Realität entsteht nur im Kopf! Letztlich geht es nur darum, anderen überhaupt zu ermöglichen, mit einem in Kontakt zu kommen. Schüchterne Menschen nehmen sich viele Möglichkeiten sich auszuprobieren. Sicherheit erwirbt man durch Praxis. Am besten ist es, gemeinsam mit einer vertrauten Person zu üben, unverbindlich mit Menschen ins Gespräch zu kommen, bis man sich dabei mehr und mehr entspannen kann. Wer diesen Weg nicht alleine schafft, kann auf Angebote wie Persönlichkeitscoaching oder Flirtseminare zurückgreifen.