1. Komplizierte Situation - Umzug ins Ausland oder sicherer Job?

    Hallo zusammen,

    ich stehe gerade vor einer wahnsinnig schweren Entscheidung, zu der ich keine richtige Loesung finde.

    Ich habe meine Freundin vor zwei Jahren in England kennengelernt (sie selber ist aus Suedeuropa). Sie ist die Liebenswuerdigkeit in Person und wir hatten ein Jahr lang eine wunderschoene Beziehung, solange wir in derselben Stadt wohnten, und waren auch zusammen drei Mal im Urlaub und es lief alles Bestens.

    Als wir uns kennenlernten, wusste ich schon, dass ich berufsbedingt umziehen musste (ich bin in der Wissenschaft) und nach einem Jahr war es dann soweit und ich bin jetzt seit einem Jahr in Kanada. Wir haben uns auf Fernbeziehung geeinigt...

    Im Herbst kann ich eine Stelle in Deutschland antreten und die Stelle gefaellt mir auch gut. Sie wuerde mich in der Wissenschaft deutlich weiterbringen. Allerdings bin ich mir noch nicht 100% sicher, ob ich immer in der Wissenschaft bleiben moechte oder sogar kann.

    Meine Freundin ist immer noch in England und relativ ungluecklich, dass ich einen Job in Deutschland bekommen habe. Leider zieht sie es nicht in Betracht nach Deutschland zu mir zu ziehen: Zum Einen, da sie kein deutsch kann, zum anderen weil ihre Schwester auch in England wohnt; und auch weil sie sich in England gerade eingelebt hat, sie kam erst vor zwei Jahren dort an, weil sie in ihrem Heimatland von ihrem Arbeitsmarkt die Nase voll hatte.

    Nun bin ich zerrissen. Ich muesste praktisch einen Job, der mir wirklich gut gefaellt (in vielerlei Hinsicht -- interessant, Chef ist super, das Projekt ist wirklich vielversprechend) nicht nur absagen, sondern auch meine Zeit an der Uni an den Nagel haengen, um mit meiner Freundin zusammen zu sein. Dieser Schritt faellt mir wahnsinnig schwer, da ich praktisch mein ganzes Leben auf die Wissenschaft hingearbeitet habe. Stattdessen muesste ich einen Job in der Industrie finden, was ich zwar nicht einfach aber dennoch als machbar empfinde. Aber ich muss zugeben, dass mir etwas aus meinem Leben wegbrechen wuerde.

    Meine Freundin wuerde mitmachen, wenn ich jeden Monat zwei Wochen bei ihr bin (an der Uni ist das machbar -- sie hat diese Freiheit nicht). Was fuer mich heissen wuerde, dass ich etwa alle zwei Wochen zwischen D und UK pendeln muesste. Nach etwa 1-2 Jahren wuerde ich dann den Job in D abbrechen und versuchen einen Job im UK zu finden, sodass ich wenigstens noch ein bisschen von meinem Wissenschaftstraum verwirklichen koennte...

    Das naechste Problem ist, dass wir beide gerade unter 35 sind und die Kinderuhr fuer sie relativ laut tickt. Sie wollte immer Familie haben. Mein Herzenswunsch war das bisher nicht, aber ich kann es mir vorstellen (und mir wurde schon mehrfach gesagt, dass ich ein guter Vater waere) und wenn ueberhaupt wollte ich Kinder haben bevor ich 40 bin ("alte" Vaeter finde ich "gemein" gegenueber den Kindern).

    Danke schonmal fuers Lesen bis hierher! Ich hoffe ihr koennt mir vielleicht einen Denkanstoss geben.
     
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  3. Was ist genau dein Ziel? Bist du ein Mensch, der die ganze freie Zeit im Labor (oder wo auch immer) verbringt und dort am liebsten auch schlafen würde? Dann muss es dir klar sein, dass solcher Leben nicht mit der Beziehung vereinbar ist und du dich nur auf vorübergehende Liebschaften beschränken kannst. Willst du eine Familie, dann musst du entweder viel Geld verdienen, so dass deine Familie wenigstens in finanzieller Hinsicht versorgt und abgesicherte ist und deine Frau Hilfe holen kann, wenn du öfters weg bist. Oder du suchst ein Arbeitsumfeld, der sich halbwegs mit Familie vereinbaren lässt . Was du nicht erwarten kannst - deinem Wissenschaftstraum fröhnen und sich beruflich austoben und die Freundin trägt finanzielle und erzieherische Hauptlast. Du musst ihr wenigstens in Aussicht stellen können, dass du nach paar Jahren beruflich so etabliert bist, dass du wenn nicht der Haupternäher, so wenigstens ein Partner auf Augenhöhe sein kannst.
     
  4. Ich seh da kein Problem. Ihr führt seit einem Jahr erfolgreich eine Fernbeziehung zwischen Kanada und England. Wenn ihr in Zukunft in Deutschland und England wohnt, seid ihr geografisch viel näher, könnt euch häufiger sehen und habt weniger Zeitzonen Unterschied. Das verbessert eure Situation.

    Ein Kind könnt ihr auch in der Fernbeziehung zeugen und wenn das Kind geboren ist, musst du dir keine Arbeit in der Industrie suchen, sondern kannst Vollzeit-Papa sein.
     
  5. Das ist bei den allermeisten so, die ich kenne, bis sie die erste Dauerstelle haben. Die Entscheidung für oder gegen in der Wissenschaft weitermachen solltest du unabhängig von der Beziehung treffen, weil ihr noch in einer sehr frühen Phase der Beziehung seid. Wenn dir die Beziehung sehr wichtig wäre und der Job nicht so, würdest du nicht so schreiben, es ist dir beides wichtig.

    Die Entscheidung für oder gegen Kinder kommt zu früh. Dass du theoretisch bereit bist, ist gut, damit könnte es passen, aber die Bedingungen jetzt sind nicht gut - nicht aus einer ungefestigten Fernbeziehung heraus Familie planen. Was hast du gegen ältere Väter! Hier ist eher wichtig, ob deine Freundin warten kann.

    Darauf, dass Leute sagen, du würdest ein guter Vater, würde ich an deiner Stelle nichts geben. Wenn du kurzfristig mit Kindern gut kannst, heißt das nicht, dass du auch Krisen mit Kindern meisterst. In dir selbst solltest du wissen, ob du das wirklich willst. Nur um eine Frau zu binden Vater zu werden ist keine gute Idee, auch wenn das oft genug passiert.

    Wenn du die Pendelei zwischen GB und D wirklich gut hinbekommst, schau doch, wie sich alles zwischen euch entwickelt und ob du eine Anschlussstelle in GB bekommen kannst. Aber was heißt abbrechen in D - du willst den Job in D annehmen und unmittelbar ein neues Projekt einwerben? Kannst du dich da auf dein Projekt einlassen?

    Überlegst du deshalb, den Job in D jetzt schon hinzuschmeißen und gleich - ohne den Umweg - nach GB zu gehen? Würde ich nicht machen, denn eure Beziehung ist nicht gefestigt und du musst
    Dazu ist der Chef auch zu gut und das Projekt zu interessant. Du willst schon Wissenschaft machen. Die Garantie, dass das klappt, hast du nicht und gibt dir niemand. Aber die Frau nach altem Modell, die den Rücken freihält und mitreist auch nicht. Du hast aber auch nicht die gefestigte Beziehung, für die man willentlich etwas aus seinem Leben wegbrechen lässt.

    Du kannst und solltest schon dazu stehen, dass dir deine Arbeit wichtig ist. Wenn die Beziehung zwischen euch sein soll, dann wird sie die Fernbeziehungszeit halten. Als Wissenschaftler musst du noch ein paar Jahre Nomade sein und das auch ohne Jobgarantie in Kauf nehmen. Ist hart. Übersteht ihr die Zeit, wachst ihr auch daran. Wachst ihr nicht, hast du auch eine Antwort.
     
  6. Dann mach das einfach nicht, mach das, was für dich richtig ist, deine Freundin macht doch das auch, dein Job hast du immer, deine Freundin nicht unbedingt! Partner kommen und gehen!
     
  7. Du musst Dir endlich über deine Proritätensetzung im Leben klar werden. Im Beruf erste Sahne sein bzw. alles dafür tun wollen oder privates Glück mit Deiner Liebe und Kind. In Deinem Alter solltest du das schon lange wissen und erspüren können und dann danach handeln. Mir tut Deine Freundin Leid, die sich mit knapp 35 mit sowas rum schlagen muss. Ich hoffe, das passiert mir nicht.

    W31
     
    • # 6
    • 07.07.2019
    • Frau
    Heißt das, dieser Job in D dauert von vornherein nur 1-2 Jahre, oder ist das mit der zeitlichen Begrenzung nur deine Überlegung, weil du nicht dauerhaft in D sein willst, während deine Freundin in UK ist?

    Ich würde dir raten, den Job in D erstmal anzutreten und zu pendeln. Immerhin bist du dann schon viel näher an UK, als jetzt von Kanada aus.
    Vielleich ergibt sich ja in den nächsten 2 Jahren auch etwas für dich in UK, was genau so toll ist, wie das jetzt in D. Vor einem Jahr hast du ja sicher auch noch nichts von dem jetzigen tollen Jobangebot in D gewusst.
    Mit Kinderkriegen könnt ihr noch 2 Jahre warten.

    Aber es klingt für mich alles ein wenig, als hättest du ein bisschen Angst, deine Freundin zu verlieren, wenn du jetzt im nächsten Jahr nicht ihren Lebensplänen entsprichst ..


    w54
     
    • # 7
    • 07.07.2019
    • void
    Schwer, dazu was zu sagen. Ich meine, ich hab schon wirklich intelligente und fähige Menschen gesehen, die ihre Karriere in der Wissenschaft abbrechen mussten. Es waren ein paar Jahre, in denen sie aufgingen in dem, was sie gern taten, und dann passierte doch was, dass sie "in die Industrie" gehen mussten, oder was auch immer sie dann machten. Eine Karriere in der Wissenschaft machen wohl nur sehr, sehr wenige Leute. Und es bedeutet eben immer nur befristete Stellen, bis irgendwann mit 40 oder Ü40 klar wird, ob der Mensch jemals eine Daueranstellung an einer Uni oder einem Institut bekommt.

    Soll heißen: Es besteht eine kleine Chance, dass Du in der Wissenschaft auf Dauer arbeiten kannst und irgendwann einen festen Wohnort haben wirst, aber wahrscheinlicher ist, dass Du doch irgendwann was anderes machen wirst.

    Ich glaube, jedem wird ein Teil seines Herzens rausgerissen, wenn er nicht mehr forschen darf, obwohl das die Sache war, die er machen wollte. Aber ich denke nicht, dass das wenige sind. Selbst Leute, die sich schon vor dem Doktormachen entscheiden wegzugehen, durchleben dasselbe, sie haben nur nicht so viele Jahre noch eine Galgenfrist gehabt mit dem, was sie liebten.

    Ich finde es sehr schwer, was zu entscheiden. Deine Beziehung ist noch überhaupt nicht in einer Bewährungsprobe gewesen. Also was passiert, wenn ihr zusammenzieht und es nach "für immer" aussieht, ist noch nicht raus. Weiterhin: Wenn Du das nur für die Beziehung machst, dass Du Deinen wiss. Weg aufgibst, und dann klappt die Beziehung nicht und der Alltag in einem Job, den Du nicht so toll findest, zieht ein, dann wirst Du irgendwann vielleicht einen Groll drauf haben. Es gilt ja, dass wenn man einmal raus ist aus der Wissenschaft, man nie wieder zurückkehren kann.

    Also alle 2 Wochen bist Du 2 Wochen dort, rund um die Uhr. Wie sich das auswirkt auf Deine Arbeit, müsstest Du Dir mal plastisch vorstellen. Du kriegst ja dann zwei Wochen nicht viel mit von dem, was in der Forschungsgruppe an Nichtfachlichem passiert. Mitunter hilft einem ja sehr das Netzwerk der Leute, um weiterzukommen im Beruf, aber wirst Du Teil eines Netzwerkes, wenn Du nur die Hälfte der Zeit, die die anderen dort verbringen, dort bist?

    Was wirst Du mehr bereuen, wenn es platzt? Die aufgegebene Beziehung für eine Uni-Stelle, die doch zu keiner Karriere in der Wissenschaft geführt hat, oder die aufgegebene Uni-Karriere, die möglicherweise doch zu einer Festanstellung an einer Uni geführt hätte, während Deine Beziehung nach 2 Jahren aus ist?
     
  8. Im Grunde weisst du genau was du willst. Du wagst es nur noch nicht auszusprechen.
    Du schwärmst regelrecht von deiner wissenschaftlichen Arbeit. Frau und Kind kannst du dir vorstellen.
    Lies deine Frage nochmals und du weisst, wo deine Priorität liegt. Für mich ist die Sache sonnenklar - du liebst die Wissenschaft. Deine Freundin wäre für dich niemals adäquater Ersatz für deine Arbeit. Willst du ihr diese Hypothek wirklich aufbrummen ?
     
  9. Ja was nun ... liebt ihr euch ... oder liebt ihr euch nicht?
    Also als ich noch jung war (schmunzel) da konnten keine 1000 Pferde mich halten, mit meinem Schatz zusammen zu sein. Da wurde zusammen gezogen, mit Weinkisten als Regal und Matratzen auf dem Boden und mit dem vollbepackten Motorrad ab in den Urlaub, quer durch Griechenland ... yeah ... getanzt auf den Strassen der Dorf-Feste & geliebt im kleinen Zelt, in Jugoslawien im Regen Not-übernachtet wo Wölfe wohnen ...
    Also Kinder!
    Werdet vernünftig - die Liebe ist zu euch gekommen! Und wenn ihr sie nicht wirklich lebt - dann haut sie wieder ab! Dann hockt er irgendwann als Professor oder Fach-Genie da und muss zu EP ... oder die jungen Frauen nutzen ihn aus ... und sein Herz zerbricht öfters als ihm lieb ist ... und billiger wird's auch nicht!
    JETZT ist die Zeit, die das Leben bestimmt.
    Soviel zu dir!
    Mach' ihr bitte bald einen Heirats-Antrag. Das ist eine Südländerin.
    Die wartet nicht jahrelang zwischen den Welten (Ich auch nicht, Männer).

    Soviel zu dir - als der jungen Männerwelt: Mach Nägel mit Köpfen und verspiel' deines Herzens-Glück nicht.
    Verheiratet kann sie auch leichter in dein jeweiliges Land mitkommen.

    Und was die junge Frauenwelt anbelangt:
    Verständlich dass frau sich nicht ständig ent-wurzeln mag ... deswegen sollte der Mann ihr Halt bieten.
    Eigentlich könnte sie froh sein, von Brexit-England nach Deutschland zu kommen ... und verheiratet wäre es noch leichter, und zum Kinderkriegen ist unser Land auch kein Nachteil.

    Während du zwischen den Kontinenten und Ländern hin-und-her-pendelst, darf man durchaus auch eine Gegenleistung erwarten -
    Deutsch lernen zum Beispiel.

    Meine Güte - ich lerne seit über 30 Jahren hinzu, seit ich Abi gemacht habe. Beruflich für jedes neue Produkt, jede neue Arbeits-Technik, Wirkstoffe, Heilkundliches, etc. etc. Büro auch noch ...
    Mit meinem Exmann habe ich ein Fachgeschäft für Augenoptik aufgebaut - und alles gemacht außer Einschleifen, Bohren, und Löten.
    Und ich erwarte von Männern und Frauen ganz einfach, dass sie zusammenhalten, und irgendwas aufbauen auf diesem Planeten: Familie oder Haus oder Projekte. Irgendwas, was die Beziehung festigt. Basta.

    Zusammenleben = zusammen leben

    Wer weiß schon wieviel Zeit euch wirklich gegeben ist?
    Hatte schon Kundinnen, die wurden Witwe als sie schwanger waren ... Was nützt das Business-Fachgesimpel, wenn das echte Leben spricht?

    Wenn die Liebe euch ruft ... zögert nicht ...
     
  10. Die Erfahrung von Freunden zeigt mir: liebst du das Leben, mach dich bloß nicht abhängig von einem Job in der Wissenschaft. Es ist sehr oft Selbstaufgabe um des Höheren willen, aber wenn du deinen Job verlierst, steht der Nachfolger längst auf der Matte.
    Willst du Kinder? Das musst du jetzt entscheiden, denn sonst wird es zu deinen Bedingungen nix mehr. Ein Kumpel war bis ca. 35 wiss. Assistent, Stelle lief aus und keine Chance Deutschlandweit auf eine feste Stelle. Seit einem Jahr ist er in einer Ausbildung und fängt beruflich fast von null an in einem Alter, wo man eigentlich fest im Sattel sein möchte/sollte.
    Ein anderer.ist ewiger Single, lebt in einem Loch in München, weil er Wissenschaft geil findet. Naja, ich fand wiss. Arbeiten echt toll, aber Familie und sicheres Einkommen war mir dann doch wichtiger. Ach, mit Mitte 20 hatte ich noch Träume... Mein heutiges Leben im eher entspannten Job mit Kindern möchte ich nie mehr missen. Für Wissenschaft in der Freizeit hätte ich immer noch genug Muße, wenn ich denn wirklich wollte.
    Wissenschaftler sein klingt cool und ist es zum Großteil auch, aber gerade drum nutzen die Unis das doch aus und züchten ein Überangebot an Möchtegernprofs heran, die sich gegenseitig die Butter vom Brot nehmen müssen, die sich teilweise um Viertelstellen kloppen müssen, weil ja ach so wenig Geld da ist. Hast du Bock, die nächsten 30-40 Jahre so viel Selbstaufgabe zu betreiben?
    Die Leute, die tatsächlich ejne Professur ergattern, fjnde ich echt toll, aber alles andere ist doch nur Hinhalten und Ausnutzen seitens der Uni, da wäre ich mir zu schade für und mein Leben ist mehr wert als möglicher Erkenntnisgewinn.

    Das nur als Anregung, du wirst deinen Weg finden. Ich wünsche dir, dass du mit deiner Entscheidung glücklich wirst, in welche Richtung auch immer sie ausfallen wird.

    W35
     
  11. Ich vertrete ganz klar die Meinung, dass in solchen Fällen das Berufliche vorgeht.
    Ich weiß, wie schwierig es ist, in der deutschen Wissenschaftslandschaft Fuß zu fassen, aber wer den Weg als Wissenschaftler eingeschlagen hat, ist sich im Grunde darüber im Klaren, dass er häufig seinen Lebensmittelpunkt verändern muss. Meist sind das projektfinanzierte Anstellungen, die sowieso befristet sind, insofern finde ich, solltest du auf alle Fälle die Stelle antreten.
    Aus aktueller Erfahrung würde ich da beruflich auch keine Kompromisse mehr eingehen, schließlich handelt es sich auch um dein Leben, und du musst dich in deinem Beruf, der dich ernährt, wohlfühlen. Da bringt es überhaupt nichts, aus Gefühlsduseligkeit auf etwas zu verzichten.

    Bisher führt ihr eine Fernbeziehung über Kontinente hinweg, da wird doch die Entfernung Dtl.- GB ein Kinderspiel für dich sein, zumal du ja über das Privileg verfügst, offenbar aller zwei Wochen für 14 Tage dort sein zu können. Ich meine, wer hat das schon?

    Abgesehen davon finde ich Fernbeziehungen ziemlich sinnlos, gerade über Kontinente hinweg, ich frage mich immer, was das soll? Was hat man denn von sowas? Das ist doch keine Partnerschaft? So groß kann doch die Liebe gar nicht sein, dass ich sowas mitmachen würde. Man sieht ja auch an deiner Frage, was für grundlegende Probleme dabei auftauchen. Hier geht es noch nicht mal um die ausgedrückte Zahnpasta-Tube oder wer den Einkauf macht, oder welche Farbe die neue Tapete haben soll oder wer wann in Elternzeit geht. Nein, hier geht es darum, wann man sich überhaupt mal zu Gesicht bekommt! Aller paar Wochen und Monate kann man sich mal für eine begrenzte Zeit in den Arm nehmen, immer mit dem Damokles-Schwert des nahenden Abschieds über den Köpfen.

    Naja, wer es mag. Ich bin da ja zum Glück kein Maßstab und es geht mich ja auch nichts an.
     
  12. Vielen Dank fuer eure detaillierten Antworten bisher! Sie sind sehr hilfreich. Ich werde versuchen auf die meisten zu antworten.

    Kurz moechte ich noch sagen, dass manche Details dem 3000-Zeichen-Limit hier im Forum zum Opfer gefallen sind, deshalb schiebe ich jetzt ein bisschen nach:

    Der Job in D waere befristet fuer 3 Jahre und das Projekt, um das es geht, kenne ich schon sehr gut. Ich wuerde also nur bisherige Arbeit fortsetzen. Meine Idee war, dieses Projekt der Liebe wegen vorzeitig (1-2 Jahre) zu beenden. Dass ich den Job in D anfange, ist eigentlich klar; das habe ich ihr auch gesagt. Direkt nach UK zu gehen waere beruflich fatal.

    Eure Einwaende bzgl. der Wissenschaft sind berechtigt. Es ist das, was mir eigentlich Spass macht, aber dieses ewige Nomade-sein gefaellt mir nicht. Ich hatte vor zwei Jahren schon gesagt, dass ich noch einmal einen Riesenumzug und zurueck machen wuerde (das ist dann Kanada geworden), aber danach da eigentlich nicht mehr grossartig Lust drauf habe. Ja, ich liebe die Wissenschaft, aber die Wissenschaft liebt mich nicht so richtig. Und so gerne mein Herz auch bleiben wuerde, hat mein Verstand schon das Ende der Wissenschaft in Sicht.
    Ausserdem komme ich auch an den Punkt, wo mir die ewigen Ueberstunden laestig werden. Ich will tatsaechlich ein ruhigeres Leben und mehr Zeit fuer mich und Hobbies haben. Wissen und Wissenschaft ist das, was mich antreibt, aber nicht um jeden Preis. Ich bin eigentlich ein geselliger Typ (nachdem ich in den letzten 10 Jahren muehsam gelernt habe, wie soziale Kontakte funktionieren), haeufig ziemlich nerdy, aber gerne albern und auch mit kindischen Humor.

    Eine Fernbeziehung wollten wir eigentlich beide von Anfang an nicht, aber dann hat es doch so gut gepasst mit uns beiden, dass wir uns doch dafuer entschieden haben. Aber das muss jetzt auf die eine oder andere Art ein Ende haben. Da waere jetzt das halbmonatige Zusammenleben ein erster machbarer Kompromiss.

    Was mich etwas an der Sache stoert: Wo ist der Kompromiss auf ihrer Seite? Letztendlich haben wir die momentane Diskussion ueber die Kinder wegen ihr, da sie definitiv Kinder moechte und auch keine Fernbeziehung mehr (ich auch nicht). Da ich mittelfristig ein berufliches Umdenken bei mir sehe, bin ich bereit Kompromisse einzugehen (z.B. es fuer sie an der Uni nach diesem Job nicht weiterzuprobieren), aber irgendwo moechte ich eigentlich auch einen Schritt von ihr sehen, anstatt dass ich einen sicheren Job auch noch vorzeitig aufgebe. Und ich bin etwas verwundert. Sie ist sehr loyal und eigentlich immer und ueberall zu Kompromissen bereit und ruecksichtsvoll, nur hier stellt sie sich quer.

    Wenn ich ueber unsere Beziehung nachdenke, dann finde ich, abgesehen von der Distanz, praktisch nichts, warum wir uns trennen sollten. Wir verstehen uns gut, jeder respektiert den anderen, wissen unsere Zeit auszufuellen, im Bett ist alles bestens, wir unterstuetzen uns gegenseitig... so eine Beziehung hatte ich bisher noch nicht erlebt!
     
  13. Nicht das eigentliche Thema, aber doch der Kern des Problems. Du bist 35. Mit 50 brauchst Du vermutlich nicht mehr zu entscheiden, ob Du in der Wissenschaft bleiben möchtest oder nicht. Mit 35 einen dieser wissenschaftlichen Zeitverträge antreten, die keiner wirklich haben will, ist auch kein wirkliches Ziel. Beruf geht absolut vor. Überlege Dir, was Du willst, schaffe die passenden Rahmenbedingungen und dann suche Dir die Frau, die dazu passt. Deine jetzige Partnerin ist es eher nicht. UK dürfte sowieso nach dem Brexit kompliziert werden...
     
  14. Du kannst noch so schlau planen ... das Leben hat seine Überraschungen!
    Und nix is' fix ... !

    Wenn ich mein Leben so betrachte, habe ich nach jedem Umzug etwa 2 Jahre gebraucht, um mich in der neuen Region wirklich wohl zu fühlen. Jeder Umzug kostet Kraft/ Ablösungsprozesse innerlich - aber dann ist man wieder fit und steht neuen Projekten nicht mehr so schwach oder ängstlich gegenüber. Daher kann ich verstehen, wenn sie BISHER noch nicht umziehen wollte. Auch sprachlich lag ihr England näher ...
    Trotzdem kenne ich nur interkulturelle Paare, wo BEIDE dann die Sprache des anderen gelernt haben und sich kulturell einander angenähert haben. Es war jedesmal ein Gewinn und kein Verlust.

    Bei mir ist es immer wichtig, dass ich mich in der Landschaft wohl fühle. Und dass ich Zeit habe, zu verarbeiten, was bisher geschehen ist. Ich bin eine Frau. Frauen & ganzheitliche Körperarbeit sind mein Beruf.

    Sie kann ja noch mal in Ruhe überlegen, bisherige Berufserfahrungen, kulturelle Reife und ihre guten Englischkenntniss wären ihr auch in Deutschland jobmäßig von Vorteil. Man entwickelt sich ja nicht rückwärts - sondern immer vorwärts ...
    Und wenn sie einen Deutschen liebt, gehört es nun mal dazu, sich für Sprache & Kultur zu interessieren.
    Ebenso hat der deutsche Mann meiner schwedischen Freundin schwedisch gelernt ... und sich in Schweden ein Ferienhaus gekauft.
    Und sie ist nach Deutschland gezogen und hat deutsch gelernt und sie haben eine Familie gegründet.
    That's life. Love it. Or leave it.
     
  15. Das habe ich mich beim Lesen Deines Posts allerdings auch gefragt... Klingt so, als ob Du alles für den Erhalt der Beziehung tust, während sie sich hinter ihren Einwänden versteckt.
    Du hast vor, jeden Monat für 2 Wochen zu pendeln, das ist doch schon viel mehr, als die Meisten in einer Fernbeziehung haben. Manche verbringen auch in einer klassischen Beziehung weniger als 50% ihrer Zeit zusammen. Wäre sie denn wenigstens bereit, Dich hin und wieder auch in Deutschland zu besuchen?
    Was das Kinderkriegen betrifft, so hat sie natürlich nicht ewig Spielraum, aber in der 50-50 Zeit hättet Ihr wenigstens schon mal die Möglichkeit, über eine gewisse Zeit zusammenleben zu proben.

    Ich würde an Deiner Stelle auch nicht meine Wünsche gleich über den Haufen werfen, sondern erstmal schauen, wie sich das weiterentwickelt, wenn Du dann in D bist. Dann siehst Du auch, ob sie bereit ist, etwas für die Beziehung zu tun (Dich mal in D besuchen usw.) und wie sich das Zusammenleben zu 50% anfühlt.

    Alles Gute
    w49
     
  16. Der Satz gefällt mir irgendwie nicht, weil er objektiv nicht stimmt. Du hast Kanada klar gemacht und jetzt noch mal 3 Jahre eine Projektstelle. Post-Doc vermutlich - die Stellen sind rar, aber du hast eine. Dann kommst du mit dem Chef klar und findest das Thema toll. "Die Wissenschaft will mich nicht" ist so eine "Die Trauben sind mir zu sauer" Haltung. Man kann sich über die Jobsituation ärgern, klar, tu ich auch andauernd, aber es ist einfach mal so, Wissenschaft bedeutet Risiko eingehen. Nicht wissen, was am Ende rauskommt. Deswegen werden auch die Leute Profs, die sich lange genug dem Risiko aussetzen und die wissen, wie man es gestaltet; wie man damit umgeht. Du kannst im übrigen auch bis zur Rente in befristeten Projekten arbeiten, wenn du mit dem Risiko der seriellen Befristung leben kannst - das wird vermutlich eh der Regelfall werden, selbst Professuren werden zunehmend befristet.
    Es ist nichts schlimmes daran zu sagen : das bin ich nicht, das kann ich nicht, ich bin dafür nicht gemacht, das überlasse ich anderen. Dass du den Preis des Risikos nicht zahlen willst, kann ich verstehen. Aber was hat das mit der Kompromissfähigkeit deiner Freundin zu tun. Wenn du weißt, du willst kein Nomade mehr sein, dann lass es doch jetzt? Du selbst willst zwar nicht Nomade sein, aber verlangst es von ihr? Irgendwas ist hier nicht stimmig. Mehrfach betonst du, dass sie ja wusste, dass du berufsbedingt umherziehen musst. Es sieht mir danach aus, dass sie Nägel mit Köpfen machen will und herausfinden will, woran sie mit dir ist. Fühlst du dich unter Druck gesetzt? Ist es ein Moment, an dem du dich bekennen musst?
    Sie hat in GB Wurzeln geschlagen - es ist auch nicht ganz einfach im Ausland Kontakte aufzubauen, es ist ihr gerade gelungen und sie soll das aufgeben? Sie hat ihre Schwester da, das ist aus familienplanerischer Sicht auch ein Plus, mal ganz abgesehen davon, dass sie einen guten Familienkontakt hat, während du nicht weißt, was 6 du willst. Welche Kompromisse erwartest du denn von ihr genau? Dass sie mit dem Kind wartet? Würde sie wohl tun, wenn du 2 Wochen im Monat in GB bist? Aber du willst das nicht wirklich, oder? Ich finde deine Freundin klug - sie macht klar, was sie möchte (Bez soll sich festigen, für Kind machbar gestaltet werden), du sollst Farbe bekennen. Dann mach das doch. Sag : Fernbeziehung noch 2 Jahre, ob 2 Wochen pro Monat wirklich machbar sind, weißt du noch nicht, aber du würdest es probieren. Und dann siehst du weiter. Wenn es nicht geht, müsst ihr sprechen - und dann siehst du auch, ob sie dir entgegen kommt.
     
  17. Ich habe mich schon auch gefragt, warum sie nicht in den 2 Jahren, wo du in Deutschland dein Projekt machst, nicht parallel in England Deutsch lernen kann. Dann bestünde ja die Möglichkeit, dass sie in Deutschland Arbeit findet. Eure Möglichkeiten wären größer.
    Sie beißt sich jetzt an England fest, wegen der Sprache und ihrer Schwester. Aber weiß schon, was in zwei Jahren ist?
    Was ist denn eigentlich mit dem Brexit? Wie ist dann die Situation in Europa? Das weiß doch keiner momentan.
     
  18. Hallo Quadrat,

    ich war in einer sehr ähnlichen Situation wie du. Ich hatte zwei Postdocs, beim zweiten war ich mit einer Frau zusammen. Die Beziehung zerbrach noch im Ausland, obwohl ich bereit war, mich dort niederzulassen. Jenes Land bietet im naturwissenschaftlichen Bereich interessante Möglichkeiten, auch die einheimische Bevölkerung hat die höchste Promotionsdichte weltweit und ist kulturell sehr interessiert. Es schien alles perfekt gewesen zu sein. Die Beziehung zu meiner damaligen Freundin, die ich wirklich sehr liebte, war kaputt gegangen. Danach konzentrierte ich mich hauptsächlich auf die Forschung, war oft bis Mitternacht im Labor, Pausen waren erfüllt mit 'Pumpen' oder Schwimmen, um den Kopf wieder freizubekommen. Nun ja, normaler Forscheralltag in einer verrückten Welt. Zum Ender der Postdoc-Zeit wollte der Professor mich noch halten, doch ich begann nachzudenken, eventuell in die Industrie zu gehen. So ging ich zurück nach Deutschland, wo ich mich am Aufbau einer Startup-Firma im Lifescience-Bereich beteiligte. Wir hatten Kontakt zur Industrie und ich fand, dass die Arbeit die Vorteile der Universität und der Wirtschaft verband.
    Welchen Weg du gehen möchtest, hängt von deinen Ambitionen ab. Man kan in der Industrie durchaus auch im wissenschaftlichen Bereich arbeiten, oftmals erkennt man dort eher die Anwendungsmöglichkeiten, also die Früchte der eigenen Arbeit. Besprich alles ganz in Ruhe mit deiner Freundin. Wenn sie dich wirklich liebt, wird sie deine Leidenschaft für die Forschung verstehen. Ich hoffe, du bist wirklich passionierter Wissenschaftler und nutzt die Wissenschaft nicht zu stumpfsinnigem Karrieremachen. Karriereristen offenbaren sehr bald ihren oft narzistischen und rücksichtslosen Charakter, das will keine Frau länger ertragen. Hat sie davor Angst? Dann beweis ihr das Gegenteil. Erklär ihr aber alles so einfühlsam und detailliert wie möglich. Vielleicht jedoch gehört deine Freude an der Wissenschaft und dein dadurch geformter Charakter zu den Dingen, die sie an dir mag. Auf jeden Fall musst du ihr zeigen, was sie dir bedeutet und echte Liebe kommunizieren.
    Andererseits weiss ich aus eigener Erfahrung, dass im UK die Chancen, eine wissenschaftliche Tätigkeit im Rahmen der Wirtschaft auszuüben, besser stehen als in Deutschland.

    Nun zu denen, die Wissenschaftler verbal abgetan haben: wisst ihr, was es bedeutet, an einem Forschungsthema zu arbeiten, schrittweise Verantwortung zu übernehmen und damit etwas zum Wohle der Gemeinschaft beizutragen? Sind all jene, die sich negativ geäussert haben bereit, auf die Errungenschaften der modernen Wissenschaft zu verzichten und ein Leben wie ein Irokese zu führen?
     
  19. Hsallo Rabentochter,

    hier gehe ich wohl auf ein off-topic ein. Dieses Durchhangeln von einer zur anderen befristeten Stelle kenne ich. Zwar fand ich nach dem 2. Postdoc meine bisher interessanteste und herausfordernste Stelle und war auch in einer Beziehung (die kaputt ging) doch wollte ich irgendwann den 'erhabenen Elfenbeiturm' der Grundlagenforschung eintauschen mit Arbeit an Themen, deren Resultat nicht erst jahrzehnte später Konturen annehmen würde. Dann arbeitete ich am Aufbau eines Unternehmens mit, welches neben eigener wissenschaftlicher Arbeit Auftragsforschung und Auftragsanalysen durchführte. Ich arbeitete mit Uni- und Industriepartnern zusammen. Fast alle Unimitarbeiter sassen auf befristeten Stellen und zitterten sich von einer zur anderen. Vom Gehalt reden wir gar nicht. Dieses zum Kriterium für Forschungsarbeit zu machen, würde wohl wissenschaftlichen Stillstand in Europa und Amerika bedeuten... Ja, Forschung ohne Passion geht eben nicht, obwohl auch ich manchmal aufgrund der undankbaren Rahmenbedingungen durch das eine oder anderer "Passion-Dale" musste (nein, ich bin kein Bellizist, bitte die Allusion nicht falsch verstehen...).
    Bei der Kommunikation mit Partnern aus der Wirtschaft fiel mir oft auf, dass jene oftmals besser schauspielerten und beim Small-Talk nicht selten mit weniger Respekt über ihre Mitmenschen redeten, wohl aufgrund der Angewohnheit, sich selbst so gut wier möglich darzustellen. Das hat mich immer wieder abgeschreckt. Abgesehen davon wirken die meisten in der Wissenschaft tätigen Akademiker frischer und jugendlicher als ihre karrieregeschädigten Industrie-'Kameraden'.
     
  20. Ich moechte noch schnell ein Zitat rauspicken, welches mich noch beschaeftigt.

    Dass momentan kein guter Zeitpunkt fuer eine solche Entscheidung ist, da stimme ich absolut ueberein. Aber kommt die Entscheidung wirklich zu frueh? Wann sollte denn die Entscheidung denn fallen, wenn bei ihr die biologische Uhr tickt? Ich kann sie schon verstehen, dass sie da nicht ewig warten will.

    Was mir aber nicht gefallen hat, war ihre Aussage, dass sie "jetzt Sicherheit fuer die Zukunft" moechte. Ich meine Sicherheit gibt es nicht. Aber vielleicht hat sie sich einfach strikter ausgedrueckt, als sie es meinte.

    Prinzipiell kann jeder Vater werden, wann er moechte. Aber ich finde es sagen wir mal "unpraktisch", wenn man erst mit 50 Vater wird. Ein kleines Kind erfordert viel Energie, die man als Vater dann nicht mehr so hat, wie wenn man U40 waere. Einige Sachen kann man dann mit dem Kleinen nicht mehr so einfach machen. Fuer das Kind waere es dann etwas eigenartig, wenn der Vater dann derjenige ist, der eigentlich Opa sein koennte.

    Natuerlich hat ein aelterer Vater auch Vorteile, aber ich habe nicht das Gefuehl, dass das etwas fuer mich waere. Fuer mich persoenlich habe ich mit mir ausgemacht, dass ich ein Kind haben moechte, bevor ich ~40 bin (allerspaetestens (!!) 45 wenn das Leben sich so ergeben sollte).
     
  21. Vielleicht ist ein unbekannter Ur-Ahn ein englischer Seefahrer gewesen ... und die beiden jungen Frauen 'forschen' Stammzellen auf ihre ganz eigene Art & Weise ...
    'Gloria Victoria wittewittewittbummbumm '

    Das ist auch so was, was Partner noch lernen dürfen - dass alles immer seine Gründe hat, wenn jemand an einem Ort festhält ... oder irgendwie keine Kraft hat, ihn zu verlassen - so was können auch Themen der Ahnenwurzeln sein. England war jedenfalls ihre eigene Wahl - sie fühlt sich dort sicherer auch wegen der Sprache.
    Aber in dem man so einen Ort oder das Land dann ganz einfach als regelmäßigen Urlaubsort integriert - wird alles lockerer und neue Freiheit wird möglich ...
    Vielleicht spielen solche Themen noch unbewusst hinzu?
    Sprich mit ihr auch über solche Dinge ...
    Öffne dein Herz & deinen Geist für deine Frau ...
    Und du selber? Wie stehst du zu Deutschland? Ist es deine Heimat?
    Bisher kam so rüber, als wärst du nicht sonderlich damit verbunden. Bist du international aufgewachsen? Hast du Klarheit, wo du dich wohl fühlst? Oder nimmst du halt, was du kriegen kannst?
    Und wie stehst du zu Neuseeland?
    Und zu England?
    Innerlich?
     
  22. Hallo,

    Du überlegst dir am besten, wo du in 10 Jahren stehen möchtest und was du heute dazu tun kannst, um deinen Plänen und Träumen näher zu kommen.
    Ist dir Familie wichtiger als berufliche Erfüllung? Was ist Priorität?

    Wie sieht eigentlich die berufliche Situation deiner Freundin aus? Will sie ihre Karriere auch als Mutter weiter verfolgen oder sich von dir abhängig machen? Bei letzterem bestimmst du, wie du das Geld für die Familie verdienst.


    Sei egoistisch, mein Ex hat sich lange im Hamsterad einer Bank verschlissen und ist dann wieder aufgelebt, als er sich habilitiert hat und mit weniger Geld Lehre und Forschung lebt.

    Ich hab auch nicht verstanden, wo deine Freundin kompromissbereit ist. Was ist sie bereit zu tun?

    Hoffe, du entscheidest dich für deine Wünsche und lässt dir nichts aufzwingen.

    LG w 55
     
    • # 23
    • 08.07.2019
    • void
    Das ist mE die falsche Frage, weil hier ja nur einer einen Kompromiss machen kann, entweder Du oder sie. Es geht um ein Lebenskonzept, das man so leben kann oder nicht. Eine Kompromissform seh ich nicht.

    Welcher Schritt sollte es sein? Sie hat ihre Schwester in GB, einen Job und sich eingelebt, sie hat Fuß gefasst, deswegen will sie da bleiben und sieht keinen Sinn darin, deutsch zu lernen. Du sprichst ja sicher auch perfekt englisch als Mann der Wissenschaft.

    Du hast bislang nicht Fuß gefasst. Würde sie mit Dir mitgehen und sich jetzt für 2 oder 3 Jahre in D eingewöhnen und Fuß fassen, würdest Du dann wieder weiterziehen müssen und sie finge von vorn an.
    Ich kannte so ein Paar, die haben nicht mal Kinder. Die Frau war extrem verbittert, weil sie keine Kontrolle über ihr Leben hatte. Immer "musste" sie mitziehen mit ihrem Mann. Wenn sie sich gerade eingelebt hatte, musste er wieder woanders hin für seine Akademikerkarriere. Das wäre auseinandergegangen, wenn sie nicht mitgezogen wäre, aber sie brachte es beruflich und karrieremäßig zu nix, obwohl sie auch einen Dr. hatte. Keine Freunde, manchmal erst nach 2 Jahren einen Job, den nach weiteren 2 Jahren wieder kündigen, weil die Stelle des Mannes auslief.

    Naja, es ist doch anscheinend auch in Deinem eigenen Interesse, das Nomadendasein und die Überstunden nicht mehr zu haben. Welches Interesse kann sie haben, an ihrem Lebenskonzept zu rütteln? Ich meine, wer findet Mitziehen mit dem Mann und ihm sowohl die Ortsauswahl zu überlassen als auch die Finanzierung beider denn schön? Oder sollte sie Hilfsjobs annehmen, wenn sie keine fachadäquate Stelle bekommt? Gar nicht arbeiten? Das ist auch nichts für Frauen, die autonom sein wollen. Und dafür, dass sie ihr Leben in Deine Hände legen sollte, müsstest Du Sicherheiten bieten, also Heiratsantrag z.B. machen.

    Welche Kompromiss siehst Du bei ihr, den sie machen könnte für eure Beziehung? Eine Frau, die Kinder will, will Kinder. Eine Frau, die Kinder will und Mitte 30 ist, kann auch nicht noch 5 Jahre Extrem-FB führen (wobei ich Deine 2-Wochen-GB-D-Springerei dahingehend ganz ok finde), um dann erst rauszufinden, ob der Mann wirklich passt als Vater, und vermutlich will sie auch nicht Quasi-AE sein, weil der Kindsvater die Woche über weg ist oder vielleicht nur alle paar Wochen ein paar Tage kommt.
     
  23. Für mein Verständnis ist das was du als Beziehung bezeichnest keine. Das würde ich als lose Bekanntschaft bezeichnen. Wahrscheinlich bin ich zu kleinbürgerlich, um das nachvollziehen zu können, ich wollte schon keine 100 km Entfernung, da war mir zu nervig.

    Und von diesem Verhältnis meine Karrierepläne abhängig zu machen, wenn es sich um die Wahl des Landes und eines guten Jobs handelt, finde ich etwas absurd.

    Es erweckt den Eindruck, als würdest du dir selbst die Steine in den Weg legen, als müsstest du dich zwischen erfüllendem Beruf und erfüllender Beziehung entscheiden.

    Das musst du nicht, du musst dich ggf nur gegen diese Beziehung entscheiden, um dich für eine passendere frei zu machen.

    Mein Tip wäre, dich beruflich zu etablieren und dich dann dort vor Ort (wo immer das sein wird) um eine Beziehung zu kümmern, die Zukunft haben kann.

    Ich finde, man muss nicht immer alles passend zurechtbiegen, nur weil es grundsätzlich möglich ist. Damit werden beide nicht glücklich.

    Du nicht, wenn du den falschen Job hast und sie nicht, wenn sie im falschen Land leben soll. Ich finde, dann passt die Beziehung nicht zu eurem Leben.
     
    • # 25
    • 09.07.2019
    • void
    Das stimmt. Aber es gibt ja Unsicherheit, die definitiv ist. Wenn Du z.B. sagst, Du wolltest weiter die Forscherkarriere verfolgen und würdest hingehen, wohin Du musst dafür. Wenn sie erst ein Kind hat, nur weil Du gesagt hast "in drei Jahren geh ich in die Industrie in GB", und dann fällt Dir nach 3 Jahren ein, dass Du diesen Schritt doch nicht machen willst, was macht sie dann? Ich denke, sie wünscht sich Familie und nicht AE-Sein.

    Noch ne andere Sache. Du hast geschrieben:
    heißt das, eine Beziehung ist für Dich auch was Besonderes, weil Du kaum Partnerschaften in der Vergangenheit hattest? Dann könnte ein Problem sein, dass Du die Bez. nicht aufgeben willst, aber nur aufgrund Deiner früheren Soziale-Kontakt-Probleme Ängste hast, nie wieder eine schöne Beziehung zu finden. Aber im Grunde willst Du in der Wiss. bleiben und die ganze Tour mitmachen, bis Du ne Festanstellung bekommst irgendwann. Das fänd ich wichtig rauszufinden, weil Du ansonsten Dich oder Deine Partnerin unglücklich machen wirst und Deine Bez. entweder übel wird oder zerbricht. Denn die Zieh-Wurst-Taktik, immer in Aussicht zu stellen, dass passieren könnte, was sie will (dass Du in die Industrie gehst und einen UK-Job annehmen wirst), und schon auf "wir gründen eine Familie, denn deine Uhr tickt" zu machen und dann, wenn das Kind da ist, doch nicht den Schritt in die Industrie gehen zu können und eine Stelle sonstwo annehmen zu wollen, wird nicht funktionieren. Das machen Leute gern, die Angst haben, den Partner zu verlieren: Sie stellen was in Aussicht, das der Partner sich wünscht, weil er sonst geht, und sie glauben auch selbst, dass es passieren könnte, dass sie tun, was er will, denn wer weiß, wie sie sich in 3 Jahren fühlen. Aber wenn sie tief in sich hineinsehen und mal die Angst vor Bez.verlust weglassen, ist eigentlich klar, was sie als Ziel sehen. Klar kann es immer noch sein, dass das böse Schicksal es macht, dass Du in 2 Jahren sowieso keine neue Stelle, auch nicht sonstwo, kriegen würdest. Deswegen hab ich auch gefragt
    Aber davon kann man nicht ausgehen.
    Tu nichts, nur damit Du die Bez. erhalten kannst, wenn Du nicht davon überzeugt bist, dass Du es auch willst.
     
    • # 26
    • 09.07.2019
    • void
    Das seh ich auch so, aber dann müsste sie Schluss machen, weil sie sieht, dass das, was sie sich wünscht, ganz anders ist. Liebe bedeutet ja nicht, sich selbst und die eigenen Wünsche daraufhin zu verleugnen. Das wäre emotionale Abhängigkeit. (Die der FS auch haben könnte, wenn er nur wegen der Bez. überlegt, in die Industrie zu gehen, auch wenn es vermutlich viel wahrscheinlicher ist, dass er dort mal landet, als dass er ne Festanstellung in einer Uni bekommt.)

    Und auch, wenn er ihr zeigt, wie sehr er sie liebt, bringt das ja nichts, wenn beide ganz andere Lebenskonzepte verfolgen. Also mit Liebe sanft umstimmen wollen, dass sie Kompromisse macht, die sie eigentlich nicht will, führt nicht in eine gute Bez.. (Falls Du das so gemeint hast.)
     
  24. Danke nochmals fuer euren Input.

    Es gab mehrere Kommentare zu einer "Akademikerkarriere" und dazugehoerenden Problemen. Ich will sie jetzt nicht alle einzeln zitieren, sondern antworte allgemein: Als allererstes mache ich Wissenschaft, weil sie mir Spass macht; ich mag das freie Denken und bin froh dies in einem Gebiet machen zu koennen, welches mich fasziniert. Wirkliche "Karriere machen" war noch niemals mein Traum und wird es auch nie sein; auch koennte ich deutlich mehr Geld in der Industrie verdienen, das ist allerdings auch nicht meine Prioritaet.

    Auch habe ich mehrfach gesehen, wie Postdocs ihre Familie durch die Weltgeschichte geschleift haben; sie hatten Lebenspartner aller Schichten. Das hat mir noch nie richtig gefallen das mit anzusehen und ich hatte auch gehofft, dass ich soetwas niemandem zumuten muss, der das nicht will.

    Ich moechte eine Beziehung auf Augenhoehe mit einer Frau, die selber mit ihrem Job zufrieden ist.

    Ich war zwar in der Schule immer Aussenseiter und auch waehrend des Studiums nicht wirklich integriert, aber dennoch ist die momentane meine dritte, mehrjaehrige Beziehung. Sie ist aber dahingehend besonders, dass meine ersten beiden rueckblickend einige Probleme hatten, die es in einer Beziehung eigentlich nicht geben sollte (Respektlosigkeit, habe mich ungeliebt gefuehlt und aehnliches). Das ist hier einfach das Gegenteil: Ich kann mich nicht beklagen (ausser, dass meine Freundin manchmal etwas zuviel Zeit hat, aber sie hat sich nun seit ich in Kanada bin ein Hobby zugelegt) und selbst wenn ich diese oberflaechlichen "Wie-gut-ist-deine-Beziehung-Tests" im Internet anschaue, ist das Ergebnis top.

    Ich muss aber zugeben, dass ich eine gewisse Angst habe, eine solche Frau nicht wieder zu finden. Meine damaligen sozialen Aengste spielen da vermutlich ein bisschen mit rein, aber es ist eher meine Angst, dass ich generell eher weniger Menschen kennenlerne und mir zudem solche Frauen gefallen, die eher schwer zu finden sind. Und dann muss sie auch noch mich mit meinen "Eigenheiten" moegen.

    Fortsetzung folgt...
     
  25. Fortsetzung...

    Ich hatte vor ein paar Jahren eine Phase mit einer ganzen Reihe an Dates, aber da hat sich nichts ergeben; nur zwei Mal gab es ueberhaupt ein zweites Treffen. Als ich meine jetzige Freundin kennenlernte, bin ich auch sehr neutral an sie rangegangen, da ich mir keine grosse Hoffnung machte. Natuerlich auch im Hinblick darauf, dass mein Wegzug nur eine Frage der Zeit war. Wer haette denn ahnen koennen, dass es dann ploetzlich so gut funktioniert?
    Zudem kommt sie aus meinem Lieblingsurlaubsland in Europa und fuer sie wuerde ich natuerlich auch ihre Sprache lernen, da mir Sprachen generell Spass machen. Das sind fuer mich zwei Nebenaspekte, die ich nicht komplett vernachlaessigen kann.


    Und wie schon gesagt, realistisch betrachtet sehe ich meine Zukunft (leider) nicht an der Uni. Ich habe nur gerade das Glueck gehabt ein vielversprechendes Projekt abzubekommen, zu dem ich selber die Grundlagen schon geschaffen habe. Aber diese ewige Herumzieherei ist etwas, was ich nicht mehr lange mitmachen moechte, und viel schlimmer noch, das staendige Bewerben finde ich nicht nur kompliziert, es belastet mich auch mental.

    Es kam auch die Frage nach meiner Heimat auf. Ja, richtige Wurzeln habe ich in D nicht. Neuseeland waere mir zu weit weg; ich fuehle mich in Europa zu Hause. Landschaftlich gefaellt mir D (da wo ich waere) tausend Mal besser als das UK und D hat auch sehr viel zu bieten. Aber es gibt auch eine ganze Reihe an Dingen, welche mir wichtig sind, die mir im UK deutlich besser gefallen als in D.
     
    • # 29
    • 10.07.2019
    • Frau
    Was vielleicht auch eine Möglichkeit sein könnte, wenn man eine so schwierige Entscheidung zu treffen hat: Nehmt euch eine professionelle Mediation.

    Ein mit mir gut befreundetes Paar hatte vor 20 Jahren, genau in euerm Alter, ein ähnliches Problem: Beide Akademiker, hatten sich, nach paar Ortswechseln, schließlich, aus verschiedenen Gründen, u.a. Job des Mannes, in einer deutschen Kleinstadt niedergelassen. Dort hatten sie gerade ihr zweites Kind bekommen, die Frau wollte sowieso lieber in einer Kleinstadt, als in einer Großstadt leben, und hatte auch jobmäßig gerade fußgefasst, sodass sie nach der Babypause stundenweise arbeiten und sich weiter beruflich etablieren konnte, was in ihrem Beruf gar nicht so einfach damals war, weil passende Stellen rar waren.
    Da bekam der Mann in einer Großstadt am anderen Ende von D seinen Traumjob angeboten. Er wollte den natürlich unbedingt gerne annehmen, was aber hieße, sie brechen ihr gerade aufgebautes Kleinstadt-Leben wieder ab und werden in einer Großstadt leben, was die Frau wirklich gar nicht wollte. Außerdem war der Job des Mannes so verantwortungsvoll, dass er zeitlich sehr eingebunden sein würde, also die Frau beruflich mindestens einige Jahre zurücktreten müsste, um sich um die noch kleinen Kinder zu kümmern.
    Obwohl die Beziehung der beiden wirklich gut und gefestigt war, drohte an dieser Entscheidung fast die Beziehung zu zerbrechen. Sie nahmen sich ein paar Stunden Mediation, um eine Lösung zu finden. Da geht es darum, eine Lösung zu finden, mit der beide leben können.
    Das Ergebnis war, dass der Mann seinen Traumjob antreten konnte, sie also als Familie in die Großstadt umgezogen sind.
    Die Frau hat im Gegenzug darauf bestanden, dass sie heiraten, damit sie finanziell abgesichert ist, für den Fall, dass die Beziehung später doch zerbrechen sollte, denn sie hat ja auf die Verwirklichung ihrer beruflichen Vorstellungen zu Gunsten ihres Mannes vorläufig verzichtet und auch auf ihren Wunsch, in einer Kleinstadt zu leben.
    Was soll ich sagen: Sie sind noch heute ein glückliches Paar. Die Kinder sind gut geratene junge Erwachsene. Der Mann verwirklicht sich weiterhin beruflich, hat längst auch wieder gewechselt, die Frau hat aber auch schon lange wieder gute Arbeitsstellen.


    w54
     

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