1. Welche Rolle spielt Verbindlichkeit für euch?

    Aufgrund eines anderen aktuellen Threads habe ich über das Thema Verbindlichkeit in Partnerschaften nachgedacht und mich interessiert eure Sichtweise zu dem Thema.

    Mit 20 war ich der Ansicht, dass die Liebe alle Probleme bewältigt und man trotz aller kleinen und großen Schwierigkeiten als Paar zusammenbleiben sollte, unabhängig davon, wie die Beziehung eigentlich läuft. Diese Einstellung deckt sich ja mit den Grundsätzen einer Ehe wie „in guten, wie in schlechten Zeiten“ oder „durch dick und dünn gehen“.

    Ich habe schon oft Gespräche in Älteren geführt, die mir gesagt haben, dass sie über 50 Jahre verheiratet sind. Diese sprechen häufig davon, dass es nicht immer leicht war, sie mitunter sogar geschlagen wurden vom Partner und trotz allem zusammen blieben. Manchmal höre ich auch die Meinung „man soll nicht wegen jeder Kleinigkeit auseinander rennen.“

    Auf der anderen Seite steht natürlich die Meinung, dass man nur auf das eigene Wohlbefinden achtet und unverbindlich bleibt nach dem Motto: Wenn mir etwas nicht passt und auch nicht sehe, dass der Partner versucht es zu ändern, trenne ich mich. Man schützt sich so vor Leid, kann sich jedoch nie wirklich auf eine Person einlassen, oder? Man weiß doch nie, ob man in einem Monat eine Seite/Eigenschaft des Partners kennenlernt, mit der man doch nicht umgehen möchte. Irgendwo könnte außerdem derjenige auf einen warten, der noch viel besser passt und ist es dann sinnvoll sich festzulegen?

    Wie verbindlich seid ihr? Seht ihr in der Länge oder Verbindlichkeit einer Beziehung einen hohen Wert (wie viele Ältere mit denen ich gesprochen habe) oder ausschließlich in der Qualität des zwischenmenschlichen Miteinanders? Danke für eure Ideen.
     
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  3. Ich sehe das so: wenn ich in einer Beziehung bin, hoffe Ich, es ist meine letzte und es hält bis zum Schluss.
    Ich versuche mit dem Partner ein Team zu werden und an meinen Mängeln so zu arbeiten, dass es für uns beide als Team leichter ist. Ich empfinde eine Beziehung wie eine Ausbildung oder eine Sportart : du musst dich erproben und üben,üben,üben...
    Sehe ich aber, dass mein Partner nur nimmt und nicht gibt (mehr auf der emotionalen Ebene gedacht) und an seinen Schwächen nicht arbeitet, sodass es immer wieder die gleichen Baustellen gibt, dann gebe ich nachdem zweiten, dritten Wahrnschuß auf.
    Noch habe ich ein wenig das Problem, dass ich zu sehr auf meinen Grenzen rumtrampeln lasse aber daran arbeite ich.
    Fremdgehen oder Gewalt ist für mich immer ein K.O Kriterium und werde ich nie tolerieren. Kenne das aber aus der alten Generation auch, dass so etwas passiert ist und Entschuldigt wurde -und danach regelmäßig wieder passiert ist.
    Es ist eine Gratwanderung, nicht zu schnell aufzugeben und dem anderen Zeit zu geben zu wachsen und wie ein Trottel immer wieder auf den gleichen Partner reinzufallen, bis man komplett ausgehöhlt ist.
    W30
     
  4. Hallo FS,

    ich persönlich bin da sehr verbindlich und wenn ich mich tatsächlich für einen Mann entscheide, dann so richtig mit allem drum und dran. Dann bin ich auch treu und loyal. Das Problem ist bei mir eher, dass ich mich ungern schnell festlegen kann und möchte.

    Leider habe ich dahingehend andere eher negative Erfahrungen gemacht und diese Erfahrungen hatten auch andere Frauen genauso gemacht mit denen ich mich ausgetauscht habe. Wir sind der Meinung, dass heutzutage einfach viele Menschen schnell Beziehungen beenden, weil es kleine Konflikte gibt und die Verliebtheit nicht mehr so da ist wie am ersten Tag.

    Bei mir in der Verwandtschaft sind auch alle noch zusammen, ausser eine Tante bei der der Mann Alkoholiker war und Kinder und sie schlecht behandelt hat. Ich vermisse noch diese Zeiten wo man dann einfach auch Krisen durchgestanden hat und dennoch zusammen blieb. Das ist heute wie ich finde nicht mehr so.

    Natürlich ist für mich aber auch die Qualität der Beziehung ein wichtiger Wert. Das definiert jeder auch für sich anders. Für mich ist Respekt/Wertschätzung, Loyalität, Zuverlässigkeit und Treue wichtig. Solange mich mein Partner gut behandelt und hinter mir steht, würde ich niemals an eine Trennung denken. Nur weil man ab und an Meinungsverschiedenheiten oder Streit hat, muss man nix wegwerfen..im Gegenteil. Man wäscht daran und entwickelt sich weiter. Das ist aber vielen scheinbar auch zu anstrengend.

    Also ich bin persönlich eher fürs Kämpfen und nicht schnell aufgeben...
     
  5. Hallo Nordlicht444, das Eine schließt das andere ja nicht aus. Wenn es qualitativ gut ist, heißt es ja nicht, dass es dann wieder auf einer wichtigen anderen Ebene nicht so gut ist. Was ich in deiner Frage lese, ist Unsicherheit und der Drang, es alles total "optimal" zu machen, bzw. zu haben. Das wirst du nicht bekommen im Leben (du schriebst nicht, wie alt du bist).

    Was sich verändert RIchtung Älterwerden (ich bin 52) ist die Haltung, mit der man Dinge beim Partner hinnimmt, die einem nicht so gut gefallen. Ich erlebe mich gerade zum dritten Mal in meinem Leben in der Anfangsphase einer engen Beziehung. Natürlich sehe ich Eigenschaften und Verhaltensweisen meines Partners, die in mir Reaktionen hervorrufen wie Innehalten, Schmunzeln, Widersprechen, Stirnrunzeln. Es geht um die berühmte Waage und das Grundgefühl.

    Waage: Wiegen die Dinge, die mich an ihm entzücken und mit denen ich meine Liebe für ihn fühle und mich geliebt und angekommen fühle mehr als die Dinge, die obiges hervorrufen?

    Grundgefühl: Habe ich ein ehrlich positives Grundgefühl mit ihm? Fühle ich mich in der Mehrheit der Zeit wohl mit ihm. Sehe ich uns gerne als Paar - auch in der Öffentlichkeit? Und ich persönlich finde, je mehr das Grundgefühl stimmt, desto mehr geht die Unsicherheit auch verloren. Nach fünf Jahren Dating mit entsprechenden Pannen und Verletzungen weiß ich sehr gut, wie diese Unsicherheiten sind. Ich verliere sie bei ihm aber mehr und mehr.

    Verbindlichkeit ist etwas in der Wahrnehmung - das Bedürfnis danach ist doch sehr individuell. Mein Partner und ich haben da ein sehr ähnliches Bedürfnis und geben damit dem anderen jeweils ein sicheres Gefühl. Wenn wir uns verabreden, sind wir pünktlich da, wenn wir Dinge planen, machen wir es genau so, wie wir es geplant haben. Das macht uns beide zufrieden.

    Und trotzdem - wir beide sind Anfang 50 - spielt wahrscheinlich auch eine Rolle, dass wir Sicherheit und Stabilität in unserem Alter und unserer Lebenssituation jetzt sehr brauchen. Denn obwohl wir auch beide alleine leben können und beide diese Erfahrung gemacht haben, wissen wir die Anwesenheit und Bereicherung durch den anderen sehr genau zu schätzen. Kann sein, dass einen das kompromissbereiter macht.
     
  6. Also ich halte meine Zusagen grundsätzlich ein. Aber wenn z.B. Sturm alle Verkehrswege blockiert geht das nicht. Ich versuche dann aber denjenigen den ich dann nicht besuchen kann telefonisch o.ä. zu informieren.

    Mehrgleisig fahre ich schon aus Eigeninteresse nicht. Ist mir zu anstrengend und ich will auch nicht, dass man das mit mir macht.
     
  7. Schlagen geht gar nicht, wer dennoch bleibt hat Defizite mit Selbstbewusstsein und mit Selbstwert und in einer Beziehung möchte ich nicht leiden, wenn ich leide, trenne ich mich, ganz einfach, da geht es mir als Single zigfach besser!
     
  8. Ich lasse mich verbindlich auf einen Partner ein und will mit diesem auch die schlechten Zeiten durchstehen. Das bedingt jedoch, dass ich mich aufgehoben und wertgeschätzt fühle. Geben und Nehmen sollen sich über einen längeren Zeitraum betrachtet die Waage halten.
    Wenn mir Respekt und Wertschätzung fehlen und Gespräche nichts bringen, werde ich mich über kurz oder lang trennen. Körperliche oder psychische Misshandlung ist ein Grund für die sofortige Trennung. Wenn es längere Zeit immer wieder Streit gibt aus denselben Gründen und der Partner nicht ernsthaft bereit ist, gemeinsam eine Lösung zu finden und Kompromisse zu schliessen, trenne ich mich.

    Verbindlichkeit sehr gern, aber nicht um jeden Preis. Viele Beziehungen scheitern, weil der eine Partner unglücklich ist und der andere den Kopf in den Sand steckt. Habe das selber erlebt: Unzählige Male erklärt, was mich stört, dass ich unglücklich bin und nicht so weitermachen kann. Ich habe gegen eine Wand geredet. Was sollte ich denn noch tun? Die nächsten 40 Jahre unglücklich und frustriert sein? Nein danke.

    Ein weiterer Aspekt ist die Dauer einer Beziehung. Wenn schon in den ersten Monaten dunkle Wolken aufziehen und es ernsthafte Probleme gibt, beende ich es, denn es passt nicht. Der Anfang soll schön und einfach sein. Wenn die Beziehung dann schon einige Zeit dauert, bin ich auch bereit, an ihr zu arbeiten und renne bei Problemen nicht gleich davon. Dann gilt wieder das oben Erwähnte.
     
  9. Liebe FS,

    ein schönes Thema.
    Für mich gilt Verbindlichkeit ja, aber nicht um jeden Preis. Ich kenne mich und weiß, was ich aushalten und wegstecken kann und was nicht. Nichts auf dieser Welt würde mich abhalten, mich zu trennen, wenn ich mit Verhaltensweisen konfrontiert werde, die mich negativ berühren, oder in meinem Tun und Handeln einschränken würden.Ve Das ist meine Freiheit, die ich genieße...nicht käuflich zu sein und frei von Ängsten, wenn es bedeuten würde, wieder allein zu leben. Diese Freiheit erlaubt mir verbindlich zu sein und diese zu erwarten und die Bereitschaft das, was Gutes vorhanden ist, zu veredeln. Das setzt voraus, dass beide es wollen.
     
  10. Hi,.was hat Schlagen mit Verbindlichkeit zu tun?
    Verbindlichkeit bedeutet doch eher Verlässlichkeit in Form von Pünktlichkeit oder Einhalten von Versprechen, das ist das Grundprinzip von Respekt dem Partner gegenüber.
    Liebe überwindet viele äußere Umstände wie finanzielle Schwierigkeiten oder Krankheit, aber innen muss m.E. Respekt gezeigt werden. Auch z.B. ein Fremdgeher-Ausrutscher ist unter bestimmten Voraussetzungen verzeihlich, aber alles hat seine Grenzen.
    Ich glaube, die Singles hier in der Börse sind nicht repräsentativ für Verbindlichkeit, da gibt es bestimmt viele, die Hop on Hop off machen, teilweise auch weil man da ab 50 es weniger nötig hat, einen Partner für mehr als Sex und abends Kuscheln zu finden.

    50jährige Ehen sind übrigens auch nur eine Erscheinung unserer Zeit, das ist nicht normal! Bis in die 1950er Jahre war die Lebenserwartung so kurz, dass viele Ehepartner wegstarben, bevor man sich in der Empty-Nest-Phase auf den Keks gehen konnte. Früher gab es auch viel mehr wiederverheiratete Witwen/Witwer. Eine derart lange Monogamie von 5 Jahrzehnten ist bestimmt nicht vorgesehen in der Evolution. Statt Scheidung gab es früher die natürliche Auslese.

    Ich sehe auch beide Seiten. Meine Tante hat keine Lust auf ihren ewigen Fremdgänger mehr gehabt, jetzt vermisst sie einen Mann abends auf der Couch, ist aber trotzdem glücklicher allein.
    Ihre Schwester bleibt bei ihrem Mann trotz dessen Alkoholsucht, weil sie coabhängig ist und meint zu Recht, ohne sie ginge er vor die Hunde, und sie kann nicht allein sein. Ich denke, der Wert dieser 43jährigen Ehe ist zumindest diskussionsbedürftig.

    Jetzt stoppe ich, es wird echt zu lang, tolles Thema ;)

    w35
     
  11. Ich sehe auch, dass man nicht wegen jeder Kleinigkeit auseinander gehen sollte.
    Wenn ich hier lese, dass Leute auseinander gehen, weil sie 5 kg zugenommen hat oder er lange arbeitet ...... nun ja, ich denke mir meinen Teil.
    Man kann alles locker sehen, dann aber bitte auch sofort dazu sagen. Aber wie soll ein Mann sich auf eine Frau verlassen, die geht, weil ihm die Haare ausfallen? Oder er nicht aufhören will zu rauchen?
    Oder die Frau, die bei jedem angebrannten Essen oder missglücktem Friseurbesuch mit Trennung rechnen muss, sich auf einen Mann verlassen?
    Beständigkeit und Loyalität sind für mich durchaus Werte.
     
  12. Man ist nicht unverbindlich, wenn man 3 Wochen nach der Liebe wieder trennt, wenn man merkt, da behandelt mich jemand schlecht. Das hat etwas mit Selbstwert zu tun, aber nicht mit Unverbindlichkeit! Da hast du dir irgendwas Falsches von Männern, Müttern oder anderen Personen einreden lassen, die dich gerne manipulieren und in der Hand haben.

    Ich hoffe, du gehörst nicht zu den Personen, die eine Frau aufgrund Unverbindlichkeit und Hurerei denunzieren, weil sie sich entscheidet, nicht mit einem schlechten Mann zusammen zu sein! Das wäre doch sehr unerhört!

    Verbindlichkeit damit gleichzusetzen, alles über sich ergehen zu lassen, ist wohl der falsche Begriff und entwertet die Sache.

    Liebe reicht erstmal auch nicht, weil sie häufig nur Abhängigkeit und Erdrückung ist. Von Männern wird das gerne verschleiert und nicht offen gesagt. Es kommt darauf an, wie man harmoniert, auch sexuell, sonst kommt es erst gar nicht zu einer Liebe. Da viele aber in ihrer Traumblase leben (insbesondere Frauen), merken sie das aber nicht.

    Von alten Personen halte ich nichts. Das sind völlig andere Lebensumstände gewesen und die wissen nichts von heutigen Beziehungen und die haben nur Dummheiten gemacht! Jeder muss für sich selbst entscheiden, eben weil jeder Verantwortung für sich selbst hat!
     
  13. Also... Ich denke das man muss hierzu die Gesellschaft im zeitlichen Spiegel betrachten. Paare, die heute mehr als 50 Jahre verheiratet sind. Haben in Zeiten geheiratet, wo Ehe und Heirat noch was mit Einkommenssicherung und "auf der sicheren Seite sein" zu tun hatte. Auch gab es damals nicht unbedingt die Möglichkeiten des "Aussiebens" von Mängel Exemplaren. Die Stellung der Frau in der Gesellschaft war auch anders. Heute darf man als Frau auch mal Vorlaut sein, ohne gleich dafür einen Rüffel einstecken zu müssen. Heute wird eine smarte, intelligente Frau dafür gemocht, dass sie eben so ist. Damals was dies für die breite Masse nicht gesellschaftsfähig. Auch haben wir heute ein Überangebot an Möglichkeiten jemanden kennen zu lernen und zu filtern. Wir leben nicht mehr mit den Macken des anderen oder lieben den anderen dafür was er ist, sondern schauen uns nach jemandem um der besser in unser Idealbild passt. Ich bin wie ich bin und möchte dafür geliebt werden. Ich ändere mich nicht für jemand anderen und erwarte dies such nicht von meinem Partner. Ich - für mich sprechend- kann sagen, dass ich verbindlich bin. Ich habe 5 Jahre lang um etwas gekämpft und gehofft was mein Ex-mann schon längst hinter sich gelassen hatte, nämlich UNS. Ich glaube an Verbindliche Partnerschaften, auch wenn ich der Meinung bin, dass diese seeeeeeeeeeehr selten sind heutzutage und nicht zuletzt durch oft überzogene Idealbilder und Erwartungen an dem gegenüber, die wir durch Medien und Co. geimpft bekommen.
     
  14. Gehe ich eine Beziehung ein, bin ich auch sehr Verbindlich.
    Ein Zeitmaß beeinflusst meine Verbindlichkeit nicht im geringsten.
    Aber ebenso hindert es mich nicht eine giftige nicht mehr zu erhaltende Beziehung zu beenden.
    Es gibt ein,zwei Grundsätze die muss meine Partnerin einfach mitbringen. Das ist aufrichtige Treue und die Bereitschaft für einen offenen Gedankenaustausch. Das bringe ich selbst ebenso mit ein.
    Für alles andere gibt es "immer" Kompromisse die nicht schmerzen und Lösungen, wenn dann beide nur "wollen".
    Meine Partnerin sollte genau so sein wie sie sich selbst liebt. Kein verstellen, kein Schauspiel, kein frisieren. Sie "muss" und wird unbedingt Macken haben, diese möchte ich kennen lernen und respektieren.
    Das, meinte ich. Ich will auf gar keinen Fall, dass sich meine Partnerin ändern soll oder will. Und sie soll mich selbst auch genau deshalb wollen, weil ich -Ich bin und sie das mag.
    Ich mag mein Leben so wie es ist. Eine Partnerin die in etwa so schwingt rundet es dann ab. Ist dann sozusagen der Gipfel des weiteren Lebens.

    m48
     
  15. "Verbindlichkeit" ist bedeutet für mich nicht, dass etwas "für immer" sein muss. Wenn ich mit einem Mann "verbindlich" werde, heißt das für mich (und erwarte ich auch von ihm): Man ist der/die offizielle Partner/in, der/die Freunden und Eltern vorgestellt wird, beide sind absolut treu, die Beziehung basiert auf gegenseitiger großer Liebe, Leidenschaft und Seelenverwandtschaft.

    Ich denke aber, dass Liebe auch vorbei gehen kann und wäre nicht bereit, bei einem Partner zu bleiben, bei dem alles mögliche nicht mehr passt und stimmt. Man lebt nur einmal. Das heißt: Die Beziehung kann irgendwann eben auch mal vorbei sein. Dann war sie für ihre Dauer aber trotzdem verbindlich und ernsthaft.
     
  16. Ich führe Beziehungen nur, wenn ich grundsätzlich sagen kann, dass ich diesen Mann auch heiraten würde, das heißt dass ich mir ein Zusammenleben bis zum Ende vorstellen kann.

    Wenn sich die Beziehung dann aber jedoch wandelt, bin ich nicht bereit, es bis zum Lebensende zu ertragen, wenn es mir dabei nicht gut geht.

    Grundsätzlich achte ich nun darauf, wie mein Gefühl ist, ob ich glücklich bin. Das habe ich früher viel zu wenig gemacht.

    Also eine Beziehung will ich nur noch, wenn sie für mich einen Benefit zu meinem Singleleben darstellt und ich glücklich bin, wenn das, was ich dafür aufgebe in einem guten Verhältnis steht zu dem, was ich bekomme.

    Ich weiß nicht warum viele Menschen immer darauf Wert legen, dass die Beziehung besonders lang ist und sie auf die Länge der Beziehung stolz sind.

    Ich kenne viele Leute die auch ihr Leben lang unglücklich in ihrer Beziehung waren wenn ich z.b. meine Schwiegereltern ansehe. Aber es war gut weil es lang war?

    Man hat Grund stolz zu sein, dass man sein Leben gegenseitig verpfuscht hat, einen Partner erträgt den man nicht mehr leiden kann, um sagen zu können, dass es lang war, nur weil mal zu feige war, sein Glück in die eigene Hand zu nehmen?

    Der wichtigste Punkt für das Führen einer Beziehung ist für mich dass ich grundsätzlich dabei glücklich bin. Das schließt nicht aus, auch schwere Zeiten miteinander auszuhalten.

    Aber sich von einem Mann schlagen zu lassen, wäre ein absolutes No-Go für mich und ein Grund die Beziehung sofort zu beenden. Schon bei anderen Respektlosigkeiten, wie Fremdgehen.

    Hauptkriterium wird für mich daher nur noch sein, dass ich glücklich bin, ein Liebe und respektvoll miteinander umgeht und nicht das es lange hält, egal wie.

    Glücklicherweise gibt es heutzutage keine sozialen oder finanziellen Zwänge mehr, mit jemanden zusammen bleiben zu müssen der einem nicht gut tut.

    Und wenn man diese Einstellungen seinem Partner gegenüber vermittelt, wenn er weiß dass er seine Sachen packen kann wenn er sich daneben benimmt, hat er auch mehr Respekt vor einem und behandelt einen besser, als wenn man ihm vermittelt, dass er alles mit einem machen kann, Hauptsache er bleibt.

    W 45
     
  17. Eine gute Frage. Diese Gedanken habe ich auch gehabt. Wenn ich an meine Oma denke, frage ich mich, ob sie ein glückliches Leben hatte. Sie ist sehr jung verheiratet worden und mein Opa war 30 Jahre alt, als er sie geheiratet hat. Sie kannten sich gar nicht und sie hat ihn an ihren Hochzeitstag zum ersten Mal gesehen. Sie hatten 8 Kinder zusammen. Mein Onkel und ich sind nur 2 Jahre auseinander und als Kinder haben wir zusammen gespielt. Meine Oma hatte ihre Kinder und ihren Ehemann und war ihr ganzes Leben in der Küche. Vom Außen betrachtet hat sie immer ein sehr ausgeglichenes Leben geführt. Sie hat kein einziger Tag in ihrem Leben Geld verdient und hat trotzdem ein sehr schönes Haus, gesunde Kinder und ihre Kinder sind alle erfolgreich. Ich denke, dass sie einfach ihr Leben und ihr Schicksal akzeptiert hat und wollte nichts anderes. Bei ihr und auch bei meiner Mutter ging es sehr oft darum, wer die beste Köchin und Bäckerin ist und sie haben beide mit anderen Frauen konkurriert. Spießbürgertum hoch 3 kenne ich sehr gut. Ich denke, dass der Mensch sich weiter entwickelt hat und es macht auch keinen Sinn sich immer mit der letzten und Vorletzten Generation zu vergleichen. Damals ging es nur um die Grundversorgung, während man jetzt viel mehr aus seinem Leben machen will und machen kann und es lässt sich auch nicht immer mit einer Ehe oder Partnerschaft vereinbaren. Individualismus und das eigene Glück sind mehr Wert als das Glück der anderen Menschen. Das bringt natürlich viel schönes mit sich aber es macht auch einsam. Alles hat natürlich vor- und Nachteile. Aber so ist es nun mal. Man kann nicht alles haben. Die letzte Generation hat auch nicht alles gehabt.
     
  18. Verbindlichkeit und Verlässlichkeit sind für mich Grundpfeiler einer Beziehung. Natürlich auch dauerhaft.
    Das nur kurzfristig zu sehen bringt nicht weiter. Auf der anderen Seite ist längeres Leid in einer Beziehung ein Grund, diese zu überdenken. Eine lebenslange Beziehung ist für mich Ziel, aber nicht um jeden Preis,
     
    • # 17
    • 19.02.2019
    • void
    War ich so ähnlich auch. Ich hab gedacht, Verliebtheit am Anfang wäre das untrügliche Zeichen, dass eine Beziehung einfach super werden muss und passt. Also dieses übliche: Der Mann ist für mich super attraktiv, also passt natürlich auch alles andere.
    Das funktioniert mE nur für Menschen ohne Ecken und Kanten, ohne gestörte Beziehungsentwicklung aus der Kindheit oder für Menschen, die sich in ihren Macken gut anpassen können und sich entweder gar nicht mehr ändern, also mit 50 noch dieselben Persönlichkeitsdefizite in der Reife haben, die eine Dynamik in der Beziehung erzeugen, oder Menschen, die sich gemeinsam entwickeln können, die Macken des anderen tolerieren können und immer wieder wissen, dass ihre Beziehung das Beste ist, was ihnen hätte passieren können partnerschaftlich gesehen.
    Es gibt ja Paare, die immer noch verliebt ineinander sind nach zig Jahren. Ich denke, die wussten trotz irgendwelcher Probleme immer, dass sie zusammenbleiben wollen. Im Gegensatz zu den Paaren, die sich nur mit Gewalt blind gemacht haben für die Macken ihres Mitbewohners. Die werden vielleicht aufgrund ihres ständigen unterschwelligen Stresses irgendwann krank.

    Stimmt, aber was eine Kleinigkeit ist, muss jeder selbst definieren. Wenn Leute nicht mal Schluss machen, wenn sie geschlagen werden, bleibt ihnen ja nur, beide weiser zu werden, also die geschlagene Person mehr Selbstwertgefühl zu lernen und dem Partner, der auch sich ändern will, noch eine Chance zu geben, eine Aggressionstherapie zu machen. Oder die Situation bleibt so, aber ich weiß nicht, wie man das aushalten soll, ohne kaputtzugehen und andere kaputtzumachen (die Kinder).
    Jemand, der schon sagt "das geht gar nicht", wartet nicht drauf, ob der Schläger eine Therapie machen will, er geht beim ersten Anzeichen von Gewalttätigkeit.

    Ich denke auch, dass vielen am Ende gar nichts anderes übrig bleibt, als sich die Situation schönzureden. Das ganze Leben waren sie nicht in der Lage, sich zu befreien aus der Situation, am Schluss WISSEN sie, dass sie bei einer Trennung einfach nur einsamer und ärmer wären. Im besten Fall geben sie sich endlich mehr Mühe, den anderen mehr zu respektieren und dazuzulernen. Im schlechtesten Fall ätzen sie sich gegenseitig weiter. Ich hab schon öfter gehört, dass ältere Frauen auflebten, nachdem der Partner tot war (gibt es geschlechtlich auch umgekehrt). Da muss die Bez. ja die ganze Zeit wie Luftanhalten gewesen sein, was dann die Kinder abgekriegt hatten, diesen Frust der Eltern, die sich nicht trennen "konnten", oder wo ein Elternteil das andere, schwache, dauernd fertigmachte.
     
  19. Für mich gehören Verbindlichkeit und Qualität zusammen.

    Die Qualität, die ich brauche kann ich heute auch besser definieren.

    Meine Erfahrung ist: ja in guten und in schlechten Zeiten, habe ich auch mal versprochen und würde es zumindest sinnbildlich wieder tun.

    Mit jemanden der verbindlich ist, funktioniert es auch.

    Aber wenn man zu sehr ins Leiden kommt, dann meist wenn sich jemand unverbindlich verhält. Und das muss man nicht selbst sein.

    Wird man betrogen, ist doch der andere unverbindlich. Hält er sich nicht an respektvollen Umgang, stand das nicht im "Vertrag".
    Etc

    Und dann muss man sich nicht leidend gebunden fühlen, wenn jemand " vertragsbrüchig" wird.

    Man kann versuchen nachzuverhandeln: Fremdgehen besprechen, Vertrauen wieder aufbauen, allgemein merken Dinge ändern sich, wie geht man damit um.
    Das ist Beziehungsarbeit.

    Und die Verbindlichkeiten ggf neu definieren aber hat einer sie verloren leidert der andere.

    Und ich habe schon gehört: heute habe ich zwar einen tollen Ehemann aber die ersten 20 Jahre würde ich heute nicht nochmal durchmachen.
    Heute würde ich mich scheiden lassen
     
  20. Liebe FS,
    ein schönes Thema, was mir schon lange auf der Seele brennt. Doch hab ich beobachtet, dass diese Unverbindlichkeit sich in alle Bereiche des Lebens ausgebreitet hat. Meine Meinung ist, dass unsere gesamt Gesellschaft in diese Richtung geht. Versprechen von ganz oben in der Poltik, befristete Arbeitsverträge, kaum einer steht noch zu und hinter seinem Wort. Ich finde es ganz schlimm, und entsprechend bin ich verbindlich. Und ich finde, wenn man nicht bereit ist, sich verbiegen zu lassen, sich ausnutzen zu lassen oder sonstiges in einer Beziehung nicht passt, dann sollte man sich trennen. Aber für mich hat das nichts mit Verbindlichkeit zu tun. Ich gehe schon in fester Absicht los, mich verbindlich binden zu wollen. Gehören halt immer - wenigstens - zwei dazu...
     
    • # 20
    • 19.02.2019
    • void
    Hier schmeißt Du mE einiges zusammen. Aufs eigene Wohlbefinden zu achten, bedeutet nicht zwingend, unverbindlich bleiben zu müssen. Wer sich kennt und weiß, was geht und was nicht, empfindet ja nicht diesen Untergangsschmerz, wenn die Bez. wieder gelöst wird. Er kann es akzeptieren und weiß, dass es besser so ist, weil es nicht guttat.

    Die, die sich gar nicht drauf einlassen, haben verschiedene Gründe, denke ich.
    1. Suche ich die eierlegende Wollmilchsau und bin selbst aber kein Eber dieser Rasse, obwohl ich mich dafür halte, dann wird meine Haltung mich einsam machen. Ich seh zwei Möglichkeiten dafür:
    a) Die angeblichen EiLeWoMiSäue, die ich passend finde, wollen mich nicht, weil sie mich offensichtlich als Nicht-EiLeWoMiEber identifiziert haben (ich bin also nicht gut genug, erstmal meiner Meinung nach, aber vielleicht auch ihrer). Von denen kann ich weiter träumen und mir zusammendichten, dass es sie ja wirklich gibt, diese tollen Prinzen-/Prinzessinnenschweine, es müsste mich nur endlich mal eine/r wollen. Dann bräche das Paradies der Ringelschwänze aus,Trüffelregen den ganzen Tag, Suhlpfützen in allen Düften.
    Das ist Bez.vermeidungsverhalten und damit auch Leidvermeidung: Sich unpassende Leute suchen (nicht: BESSERE, auch wenn die mitunter vergleichsweise besser aussehen). Wäre man mit ihnen zusammen, würde es nicht funktionieren. Diese Erkenntnis würde den Weltuntergang bedeuten, weil man erkennen müsste, dass das eigene Auswahlkriterium nichts taugt und man gar nicht weiß, wie Liebe "gehen soll", wie man es erkennen soll, dass einer der Richtige ist. Illusionsverlust, EiLeWoMiSchweine gibt es nicht, tiefe Krise.
    Oder:
    b) Man kommt zusammen, aber das Superschwein zeigt irgendwann was, was meinen Schweinsgalopp in die Freiheit auslöst, falls es nicht von vornherein schon von mir in die Kategorie "keine EiLeWoMiSau" eingeordnet wurde, weil es mich wollte. ("Ich würde nie einem Schweinestall beitreten, der mich als Mitglied akzeptierte".)

    Fazit: Man muss REALISTISCH sein in Bezug auf sich und auf andere. Wie großzügig muss der andere sein, um mich zu ertragen, wieviel und was kann ich ertragen.

    2. Diese Haltung, es könnte ja noch was Besseres vorbeikommen, ist noch was anderes. Sich nicht in der Beziehung zu engagieren, programmiert schon vor, dass es nichts wird, der andere hat ja von vornherein keine Chance. Vielleicht ist das verknüpft mit 1..
     
  21. Ich verstehe die Frage nicht.
    Wenn man sich so richtig verliebt...und damit meine ich jetzt nicht nur so ein Lüftchen, weil etwas neu und spannend ist...sondern tatsächlich liebt, dann stellt sich diese Frage doch gar nicht, ob da noch was "viel Besseres" sein könnte. Wenn man wirklich liebt, dann sieht man auch keine anderen Frauen/Männer, die vielleicht "viel besser" sein könnten. Das spielt dann einfach keine Rolle mehr.
    Vielleicht fehlt dir diese Erfahrung. Vielleicht hast du das einfach noch nie so gespürt.
    Wenn man sich schon zu Beginn fragt, ob da nicht noch was "Besseres" wäre, dann fehlt doch gleich irgendwas.

    Wenn dies jedoch der Fall ist, dass man liebt, wird man ganz automatisch nicht bei jeder "Kleinigkeit" das Weite suchen. Wenn es beidseitig ist, sollte eine Beziehung auch halbwegs harmonisch laufen.

    Viel schwieriger ist es dann im Alltag zu merken, dass es irgendwann evtl nicht mehr beidseitig ist, wenn es nicht mehr so harmonisch läuft.
    "Kämpfen" anstatt "aufgeben", ist vielleicht gar nicht die Frage. Es gibt sicherlich noch etwas zwischen Kampf und Aufgeben.
    Sich dann hoffnungsvoll aufarbeiten für jemanden, der einen gar nicht mehr liebt, ist sehr schmerzvoll. Da kann man ganz übel auf die Nase fallen. Hier wäre es natürlich geboten, dass der Partner einen nicht ewig hinhält. Leider ist das oft nicht der Fall, sondern es wird ewig herausgezögert, bis mal einer den Absprung schafft. Hierin liegt die Herausforderung.
    Ich persönlich glaube nicht daran, dass man eine Liebe die verblasst ist, wieder "ankurbeln" kann.
     
  22. Was hat es mit Verbindlichkeit zu tun, wenn man bei einem / einer Partner bleibt, der / die gewalttätig ist - physisch, sexuell, psychisch?

    Zur Verbindlichkeit gehört für mich,
    dass ich mit meinem Partner wertschätzend, achtsam und liebevoll umgehe,
    dass ich die Partnerschaft pflege
    dass ich ehrlich und offen bin
    Und das Thema Treue.

    Wenn mir eine Partnerschaft nicht mehr gut tut, dann ist es mein Recht, dies zu prüfen, schauen, ob ich es ändern kann, und wenn nicht, beenden.
    Und trotzdem ist das nicht unverbindlich.
    Da steht hier schon vieles, was ich auch so sehe.

    Ich möchte weder eine Ehe wie die meiner Großeltern führen, noch wie die member Eltern.

    Trotz Gewalt zusammen zu bleiben, finde ich entsetzlich. Das sind keine schlechten Zeiten - schlechte Zeiten sind Krisen durch Krankheit, Arbeitslosigkeit, u.ä., ebenso wenn man mal das WIR verloren hat -aber wenn Gewalt hinzu kommt ist es keine Krise mehr. Das ist einer dieser Euphemismen, am Ende heißt es noch - das Opfer hat ja provoziert (s.Posts im Nebenthread). Und es ist keine Kleinigkeit.

    Ich bin froh darum, dass es in unserer Gesellschaft hier möglich ist, eine Partnerschaft zu beenden, und nicht lebenslänglich verharren zu müssen, wenn diese schädlich für einen ist.

    Die Veränderung ist definitiv die, dass es in der "Guten Alten Zeit" für eine Frau zwingend war, zu heiraten, um versorgt zu sein. Scheidungen waren unmöglich.
    Die wenigsten Heiraten hatten etwas mit Liebe zu tun.
    Bis gut in die 60er Jahre war es der vorgeschriebene Lebensweg, Heirat, Familie, Kinder, mit dem Nachkriegsluxus, dass die Frau als Hausfrau Zuhause bleiben konnte.
    Das ist nur eine scheinbare Verbindlichkeit. Es wurde gelogen, betrogen und es gab Gewalt.

    W,49
     
  23. Du hast zwei sehr gegensätzliche Varianten beschrieben. Auf der einen Seite die sehr langen Beziehungen, von denen man hört, dass 'heute' zu schnell aufgegeben wird. Und auf der anderen Seite Unverbindlichkeit und schnelles Aufgeben.

    Ich glaube nicht daran, dass die Menschen unverbindlicher werden. In vielen langen Beziehungen der älteren Generation war oftmals die Frau finanziell abhängig, 'man' hat sich nicht getrennt. Heute kann man dann natülich sagen, man ist durch dick und dünn gegangen. Genauso wenig glaube ich, dass heute Beziehungen grundsätzlich schnell aufgegeben werden. Ich habe mich vor vielen Jahren nach langer Beziehung und mit kleinen Kindern von meinem Mann getrennt und es war keine leichtfertige Entscheidung. Es war ein langer Prozess und es war der bisher größte bzw schwerste Einschnitt in meinem Leben. So kenne ich es auch von meinem Umfeld, es war nie leichtfertig und aus dem Bauch heraus entschieden, sich zu trennen. Und es war auch nie wegen Kleinigkeiten, die nicht passen.

    Ich bin sehr verbindlich in Beziehungen. Wenn aber keine Liebe, keine Nähe und kein Zusammengehörigkeitsgefühl mehr da sind und alles auch nicht wiederkommen wird, würde ich nicht verharren und bin froh, dass ich unabhängig bin.

    Wenn ich manchmal älter Menschen sehe, die boshaft sind, über die Jugend von heute schimpfen und einfach unzufrieden wirken, sage ich mir, so will ich nicht werden im Alter. Oder Paare die sich anschweigen und sich nichts mehr zu sagen haben. Und davon gibt es mehr als genug.
     
  24. Ich würde jetzt erst einmal das Wort "Verbindlichkeit" definieren, damit wir sicher sind, dass wir über das gleiche diskutieren.

    Verbindlichkeit bedeutet für mich das Einhalten von Zusagen und das Pflegen einer Beziehung, die ich eingegangen bin. Nachvollziehbares beziehungsorientiertes Verhalten.

    Verbindlichkeit bedeutet nicht, dass ich an einer Beziehung festhalte, die krank, toxisch oder sonst wie tragisch wird. Das ist kein unendliches Gelübde über den Tod hinaus auf komme was da wolle.
     
  25. Für mich muss eine Beziehung Bereicherung meines eigenen Lebens sein. Insofern hängt die Verbindlichkeit immer damit zusammen, wie gut es mir mit einem Mann geht. Eine Beziehung zu führen, egal wie sie läuft ist meiner Meinung nach völlige Zweckverfehlung.
    Ich hätte keine Lust an einer Beziehung festzuhalten, die mir nichts gibt, insbesondere wenn die Probleme in der Partnerschaft begründet sind.
    Auch "um Liebe kämpfen" und "harte Zeiten" durchzustehen ist nichts für mich. Ich mag mein Leben leicht, schön und ohne Drama.

    "Nicht bei jeder Kleinigkeit wegzurennen" interpretiere ich so, dass man realistische Erwartungen an sich selbst, den Partner und auch die Partnerschaft entwickeln sollte, sich seines eigenen Gestaltungsspielraum in einer Partnerschaft bewusst und diesem gerecht werden sollte. Allerdings auch sich und dem Partner menschliche Schwäche und "Ausfälle" zugestehen sollte (Gewalt ist jedoch absolut indiskutabel).

    Ich hatte bisher viel Glück, bin seit 22 Jahren verheiratet und sehr glücklich mit meinem Mann. Wenn unsere Partberschaft so gut bleibt, kann ich mir vorstellen, dass wir sie bis dass der Tod uns scheidet fortsetzen. Wenn nicht, dann natürlich nicht...
     
  26. Ich sehe das als ein Spektrum. Am einen Ende ist "ich will den idealen Partner und suche ewig, bis es perfekt passt; ich gehe keine Kompromisse ein und trenne mich schnell, wenn ich merke, das ist es noch nicht". Am anderen Ende dann "Ich bleibe was auch geschieht bei meinem Partner; er kann mich betrügen, schlagen, mir absolut keine Aufmerksamkeit geben, aber ich bleibe in der Beziehung, komme was da wolle" (Gründe können natürlich auch geringes Selbstwertgefühl, Angst vor Einsamkeit, kulturelle oder finanzielle sein).
    Fast alle Menschen bewegen sich wohl irgendwo zwischen diesen Polen und jeder tickt da ein bisschen anders, je nach Charakter, Erfahrungen, auch familiärem Umfeld und Prägung. Alles hat seine Vor- und Nachteile, denke ich. Es ist schon gut, wenn man auf sich schaut. Man hat nur ein Leben und möchte da gern glücklich sein. Auf Teufel komm raus an einer Beziehung festzuhalten, in der man unglücklich ist, sehe ich nicht als Ideal an. Früher war das aber häufig auch die Normalität (ich kenne Großeltern von Freunden, die sagen das auch offen: Eigentlich hassen sie sich, aber Scheidung kam eben nie in Frage und jetzt ist es zu spät nach ihrer Aussage mit Mitte 80). Andererseits kenn ich auch viele, die trennen sich, weil das Verliebtheitsgefühl weg ist und sie wollen die Aufregung ewig beibehalten. Ein Onkel meines Ex-Freundes hat alle drei Jahre eine neue Freundin. Kann man die Uhr nach stellen. Und der ist 60. Wenn er damit glücklich ist, ist's vielleicht nicht mal das schlechteste für ihn, aber für die Frauen mies und ob er im Alter dann zufrieden ist, wenn niemand mit ihm sein Leben geteilt hat, weiß ich auch nicht.
    Ich selbst halte wohl manchmal zu lange in Beziehungen aus, da ich sehr verbindlich bin, wie du es nennst. Ich habe mich immer nach einer engen großen Familie gesehnt, nach Geschwistern. Das alles habe ich nicht, meine Eltern sind schon alt und wenn sie sterben, bin ich allein. Daher habe ich mir immer einen Partner gewünscht, der mit mir mein Leben verbringt, um auch im Alter über frühere Zeiten reden zu können; einfach echte Familienbande. Leider kann man sich das wünschen und einiges dafür tun, aber die Garantie hat man nie. Ich würde aufgrund dieses Wunsches aber nie eine Beziehung schnell aufgeben. Ich müsste schon über längere Zeit unglücklich sein oder keinerlei Gefühle mehr für den anderen haben, um mich zu trennen. Gewalt ginge aber gar nicht, da wäre ich konsequent. Solche Männer hatte ich bisher aber nie.

    w, 35
     
    • # 27
    • 20.02.2019
    • void
    Früher war ich viel zu "verbindlich", also eher vereinnahmend. Wenn man jemanden sehr mag und alles mögliche für ihn tut, erwartet man ja auch ein Pendant von ihm. Sprich: Ich will auch seine Nummer Eins sein, wenn er meine ist.
    Das kann aber zu viel sein, was ich bereit bin, für den anderen zu tun und dadurch auch von ihm zu viel will. Nummer Eins sein, ist ja ne Definitionssache. Der eine eicht sich völlig auf seine Nr. Eins und tyrannisiert sein gesamtes Umfeld, damit er seiner Nr. Eins bloß den roten Teppich ausrollen kann, der andere weiß, dass er noch ein Leben neben dem Bez.leben hat und die Nr. Eins muss das respektieren. Wenn sie realistisch ist, wird sie wissen, dass auch sie noch ein Leben neben der Bez. hat und genauso tickt.

    Verbindlichkeit und Länge haben für mich nicht generell was miteinander zu tun.
    Ich seh das so: Wenn die Qualität stimmt, dh. wenn beide ihre Beziehungsmacken und -gaben einbringen können in die Bez. und daran wachsen können (Q. ist also was Individuelles für jeden Paarteilnehmer), dann hat die Beziehung einen Wert für den Einzelnen und er hält dran fest. Wenn dabei noch die Lebensziele übereinstimmen, beide gleichzeitig reifen und immer wieder liebevoll miteinander umgehen können, also die "Macken" nicht eine falsche Partnerwahl voraussetzten *, dann wird die Bez. auch dauerhaft.
    * Man lernt ja auch dadurch, dass man unpassende Partner hat, weil man durch seinen Erkenntnisgewinn entdeckt, dass man DAS nicht noch mal will. Dann dauert die Bez. halt nicht lange, aber Qualität hatte sie ja trotzdem, weil man dran gewachsen ist.

    Wenn sich nicht einer völlig wegentwickelt, während er entdeckt, wer er wirklich ist und was er wirklich will, dann bleibt er bzw. darf bleiben.

    Ich denke, da man sich irgendwann richtig gut kennt, sich aufeinander eingespielt hat, MÜSSEN diese Entwicklungspotenzialanreize auch irgendwann von außen kommen, und dann gibt es wieder was zu tun IN der Bez., was die Verbindlichkeit fördert, weil man ja zusammengeblieben ist, obwohl sich weiterentwickelt wurde.
    Also je mehr Freiraum eine Beziehung ermöglicht, auch von außen Entwicklungspotenzialanreize zu bekommen durch andere Menschen, umso mehr besteht die Chance auf Dauerhaftigkeit, selbst wenn sie sich beide Paarteilnehmer mal eine Zeitlang nichts mehr geben, was Weiterentwicklung der Persönlichkeit und Erkenntnisgewinn fördert. Diese Zeiten sind ja auch wichtig, weil man auch mal einfach in Ruhe glücklich sein will, Kinder kriegen will, Stabilität haben will.
    Das alles kann man aber nur so sehen, wenn man wirklich keine anderen Sorgen hat als sein Entwicklungspotenzial, also wenn es einem ansonsten gut geht, keine Sorgen, keine Lebensunsicherheiten usw..
     
  27. In der Phase der Verliebtheit ist das so, aber danach? Verliebtheit geht ja auch irgendwann weg und dann kann es schon sein, dass man Unstimmigkeiten anders bewertet und feststellt, dass der Mann nicht der tollste Hecht ist.

    Ich kann es nicht nachvollziehen, warum man mit dem Partner zusammenbleibt, wenn es einem in der Beziehung nicht gut geht, man schlecht behandelt oder gar geschlagen wird. Auch häufige Konflikte wären für mich ein Trennungsgrund. Ich sehe zudem keinen Vorteil darin, negative Seiten eines anderen Menschen auszuhalten. Warum? Eine Beziehung ist doch dafür da, dass man glücklich und zufrieden ist. Sie ist das kleine i-Tüpfelchen, dass in einem ohnehin schon erfüllten Leben noch dazu kommt.

    Ich will in einer Beziehung weder üben noch kämpfen, sondern es soll so passen, wie es ist. D.h. ich muss den anderen so mögen, wie er ist und die Macken sollten mich nicht großartig stören und anders herum ebenso. Man kann den anderen auch nicht wirklich verändern, man sollte eher so lange suchen, bis man jemanden hat, der in seinem Urzustand gar nicht verändert werden muss.

    Es gibt aber auch vieles, was mich nicht stören würde. Wenn der Partner beispielsweise arbeitslos wäre, sehe ich das gar nicht als Krise, denn das betrifft mich ja nicht und ich habe keinen Nachteil davon, wenn er arbeitslos wäre. Mein Partner war, als wir und kennengelernt haben, arbeitslos. Danach hat er sich weitergebildet und arbeitet nun schon mehr als drei Jahre. Verändert hat sich dadurch auch nichts, wie machen nichts anders als vorher.
     
  28. Was ist „Verbindlichkeit“?

    Für mich setzt das zunächst mal voraus, sich für eine neue Beziehung bereit zu machen, also alte abzuschließen. Weiter, sich auf eine neue Beziehung einzulassen, Vertrauen aufzubauen, Kompromisse zu schließen, Probleme zu klären, aber auch mit beider Schwächen umzugehen, sich Unabhängigkeit bewahren und trotzdem nicht bei Problemen sofort auseinander zu laufen.
    Verbindlichkeit bedeutet für mich, dem Fortführen und der Verbesserung einer Beziehung eine grundsätzlich höhere Priorität einzuräumen als einer Trennung. Von beiden Seiten.

    Schließt das ein, Fremdgehen oder Schläge zu tolerieren? Nein. Die bedingungslose Liebe z. B. eines Eheversprechens ist Unsinn. Blinde Verbindlichkeit ebenso. Verbindlichkeit setzt Bemühungen und entsprechendes Verhalten auf beiden Seiten voraus. „Verbindlichkeit“ ist ein Geschenk von beiden Seiten, das nicht dauerhaft gewährt werden muss. Es setzt einen angemessenen Umgang miteinander um?
     

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