Ein Paar trinkt zu Hause einen Kaffee, er schaut unsicher zu Boden

Ab wann ist man ein Paar? Ein Liebesbekenntnis bedeutet noch keine Beziehung

von: Beatrice Bartsch , 19. August 2019

In Zeiten von Freundschaft plus und Co fällt es oft schwer, zu erkennen, ob das Gegenüber eine Beziehung will und ab wann man fest zusammen ist. In der bevölkerungsrepräsentativen ElitePartner-Studie wurden 4.056 Singles und Liierte befragt, wann sie sich in einer Beziehung fühlen – angenommen das Thema wurde noch nicht klar besprochen. Es zeigt sich: Selbst Exklusivität zu vereinbaren bedeutet nicht gleich, dass es ernst ist.

„Das spürt man“: Jeder Zweite hört auf seine Intuition

Für etwa jeden zweiten der 4.056 Befragten lässt sich die Frage, ob man denn nun fest zusammen ist, nicht allein durch reine Fakten beantworten. Sie hören vor allem auf ihr Bauchgefühl: 52 Prozent der Singles und Liierten sind der Meinung, „das spürt man einfach“. Männer (51 Prozent) vertrauen dabei übrigens genauso häufig auf ihre Intuition wie Frauen (54 Prozent). Mit dem Älterwerden steigt zudem das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung: Ab 50 finden sogar 61 Prozent der Befragten, dass man den Start einer Beziehung ganz einfach spürt.

Die sichersten Anzeichen: Gemeinsam verbrachte Zeit und die Vorstellung bei den Eltern

Insgesamt sind die Befragten eher uneins, welche Verhaltensweisen auf den Beginn einer Beziehung hinweisen. Vergleichsweise eindeutig: Die Selbstverständlichkeit, freie Zeit miteinander zu verbringen. Wenn es ganz normal geworden ist, die Wochenenden füreinander zu reservieren, fühlt sich das für ein gutes Drittel der Frauen (35 Prozent) und Männer (34 Prozent) nach einer Beziehung an. Erst recht, wenn man dafür schon den Haustürschlüssel des Partners in der Tasche hat (Frauen: 30 Prozent, Männer: 27 Prozent). Auch ein Kennenlernen mit den Eltern ist für viele ein Indiz, dass er bzw. sie es ernst meint – für Frauen (35 Prozent) allerdings etwas mehr als für Männer (29 Prozent). Die erste Vorstellungsrunde mit den Freunden des (möglichen) Partners fällt etwas weniger ins Gewicht (Frauen: 28 Prozent, Männer: 22 Prozent).

Zärtlichkeiten sind kein Beziehungsindikator mehr

Einander näher zu kommen, bedeutet dagegen für die Mehrheit nicht automatisch, dass man sich bereits in einer Beziehung befindet. Nur jeder Zehnte fühlt sich nach dem ersten Kuss schon so weit. Beim ersten Sex sind es etwas mehr. Männer interpretieren Zärtlichkeiten im Vergleich allerdings ein wenig verbindlicher als Frauen: Jeder achte Mann (12 Prozent) fühlt sich nach dem ersten Kuss in einer Beziehung – und sogar jeder siebte (14 Prozent) nach dem ersten Sex. Bei den Frauen ist der erste Kuss nur für acht und der erste Sex nur für zehn Prozent ein Start in die Partnerschaft.

Exklusivität: Frauen interpretieren sie verbindlicher

Dass Sex und Liebe nicht mehr zwingend zusammengehören, ist für viele Singles selbstverständlich. Doch auch wenn zwei miteinander vereinbaren, niemand anderen mehr parallel zu daten, heißt das noch nicht, dass sie zusammen sind. Brisant: Während 30 Prozent der Frauen Exklusivität klar als Bekenntnis zu einer Partnerschaft betrachten, verstehen das nur 23 Prozent der Männer so. Insbesondere in der Altersgruppe unter 30 Jahren besteht viel Raum für Missverständnisse: Für 40 Prozent der jüngeren Frauen geht Exklusivität mit einer Beziehung einher, aber nur für 28 Prozent der Männer im selben Alter.

Selbst ein „Ich liebe dich“ bedeutet noch keine Beziehung

Nicht einmal das Bekenntnis der eigenen Liebe ist ein klarer Indikator für den Beginn einer Partnerschaft: Nur 24 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer fühlen sich zweifellos in einer Beziehung, wenn sie „Ich liebe dich“ gesagt haben. Für Jüngere haben große Worte allerdings noch mehr Bedeutung: Immerhin 37 Prozent der Frauen sowie 38 Prozent der Männer unter 30 Jahren sehen ein „Ich liebe dich“ gleichbedeutend mit dem Start einer Beziehung. 

Ein gemeinsamer Urlaub ist für jeden Fünften ein Gradmesser

Zu zweit in den Urlaub – nur als Paar? Gerade einmal jeder Fünfte fühlt sich eindeutig in einer Partnerschaft, wenn die erste Reise zu zweit ansteht (19 Prozent). Auch tägliche Kommunikation über Telefonate oder Nachrichten ist nur für 15 Prozent ein Hinweis auf eine echte Zusammengehörigkeit. Noch uneindeutiger: Ein gemeinsames Foto in sozialen Medien. Das Posieren zu zweit markiert nur für acht Prozent der Befragten den Start einer Beziehung.

Lisa Fischbach von ElitePartner:„Es ist heute nicht mehr eindeutig, was einem festen Partner vorbehalten bleibt“

Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner erläutert: „Beim Kennenlernen auf die eigene Intuition zu hören, ist in vielen Fällen eine gute Entscheidung: Unbewusst nehmen wir eine Vielzahl von Signalen wahr, die meist zu einer richtigen Einschätzung führen. Andererseits kann das eigene Wunschbild dieses Gespür beeinflussen. Es besteht die Gefahr der Wahrnehmungsverzerrung, also die Signale des Gegenübers verbindlicher zu interpretieren, als sie gemeint sind. Die Zahlen machen klar: Es ist heute nicht mehr eindeutig, was einem festen Partner vorbehalten bleibt und was noch unverbindlich sein kann. Umso wichtiger, rechtzeitig das offene Gespräch zu suchen – ohne dabei aber zu früh zu problematisieren und Druck aufzubauen.“

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