Paar streitet sich in der Küche

Unordnung und zu viel Zeit am Smartphone sind die größten Streitthemen in Beziehungen

von Beatrice Bartsch , 3. Juni 2020

Konflikte und Streitigkeiten gehören zu Partnerschaften dazu. In der bevölkerungsrepräsentativen ElitePartner-Studie 2020 gibt gerade einmal jedes sechste Paar an, sich (fast) nie zu streiten. Mit Abstand für den meisten Zündstoff sorgt dabei das Thema Unordnung. Aber auch zu viel Zeit am Handy, Unpünktlichkeit, Geld und Haushaltsplanung immer wieder für Konflikte.

Unordnung ist Streitgrund Nummer eins

Eines dürften die meisten Paare während der Corona-Krise gelernt haben: Harmonie und gute Passung im Alltag sind für Beziehungen ein wichtiger Grundstein. Entsprechend zeigen die Ergebnisse der ElitePartner-Studie 2020, dass Alltagsthemen bei weitem das größte Streitpotenzial bergen. Fast 4.000 Paare wurden gefragt, worüber sie am meisten streiten. Mit Abstand auf Platz eins: Unordnung. 44 Prozent der Paare geben an, immer wieder über herumliegenden Papierkram, nicht eingeräumte Geschirrspüler und zu viele Shampooflaschen in der Dusche aneinanderzugeraten.

Smartphone-Sucht und der Wocheneinkauf sind brisanter als Sex und die Schwiegereltern

Auch das Smartphone birgt großes Konfliktpotenzial – so sehr, dass es in der Liste der häufigsten Streitgründe auf Platz zwei auftaucht. Jedes vierte Paar gerät immer wieder über zu viel Zeit am Handy, Tablet oder Computer (25 Prozent) aneinander. Auf Platz zwei liegen Trödelei und Unpünktlichkeit: Lässt sich ein Partner ständig zu viel Zeit, führt das schnell zu Konflikten (20 Prozent). Aber auch Geldausgaben und Finanzen (20 Prozent) sowie die Alltagsorganisation von Einkauf über Haushalt bis Essensplanung (20 Prozent) bringen jedes fünfte Paar aus der Balance. Dagegen sorgen emotionalere Themen wie das Sexleben (11 Prozent) oder die (Schwieger-)Familie (13 Prozent) vergleichsweise selten für Streit.

Jedes siebte Paar streitet über Arbeitszeiten und Überstunden

Egal ob Auto, Fahrrad oder Motorrad – ein zu rasanter oder zu zaghafter Fahrstil sorgt bei 17 Prozent der Paare häufiger für Reibereien, ähnlich oft wie nächtliche Unruhe oder Schnarchen (15 Prozent). Aber auch die Arbeit kann – ob im Homeoffice oder nicht – zum Problemfeld in einer Beziehung werden. Jedes siebte Paar (14 Prozent) streitet immer wieder über Arbeitszeiten. Wer zu viel arbeitet und gestresst ist, vergisst dabei vielleicht auch, nachzufragen, wie es dem anderen geht – zu wenig Austausch und Interesse (15 Prozent) liegen jedenfalls gleichauf. Nicht ständig aber immer wieder wird in Beziehungen zudem über Manieren (14 Prozent), Ernährung (13 Prozent) und Alleingänge bei wichtigen Entscheidungen (12 Prozent) gestritten. Nur in wenigen Partnerschaften sorgen dagegen die vermeintlichen Klassiker Eifersucht (8 Prozent) und Mülltrennung (6 Prozent) für Zündstoff.

Erst Eifersucht, dann das Sexleben, später die Kinder: Wie sich Konfliktthemen verändern

Die ElitePartner-Studie 2020 zeigt auch, wie sich die Streitthemen im Laufe der Beziehung entwickeln. Das ganz junge Pärchenglück ist – rosarote Brille sei Dank – relativ immun gegen Streit.  Ein Viertel (24 Prozent) streitet in dieser ersten Phase noch gar nicht. Sofern es doch zum Konflikt kommt, stehen tendenziell Eifersucht (19 Prozent) sowie Manieren und Umgangsformen (16 Prozent) im Fokus. Dauerbrenner-Streitthemen wie Unordnung (24 Prozent) sind im Vergleich zu anderen Beziehungsphasen geringer ausgeprägt – womöglich, weil viele Paare anfangs noch nicht zusammenwohnen.

Das Ende der rosaroten Brille: Zwischen einem und drei Beziehungsjahren beginnt es zu kriseln

In der Etablierungsphase, zwischen einem und drei Beziehungsjahren, schwindet die anfängliche Verliebtheit und Unterschiede werden sichtbar. Insgesamt streiten sich Paare in keiner anderen Beziehungsphase über so viele verschiedene Themen. Insbesondere Konflikte rund um Zärtlichkeiten und Sex (16 Prozent), Essgewohnheiten (16 Prozent) und Alleingänge bei wichtigen Entscheidungen (15 Prozent) sind präsenter als in anderen Beziehungsphasen. Aber auch Alltagsorganisation (24 Prozent), zu wenig Austausch (18 Prozent) und Überstunden (16 Prozent) treten als Konfliktherde neu auf den Plan – und bleiben auch in den Folgejahren auf dem Tisch. In der Familiengründungsphase, zwischen drei und zehn Beziehungsjahren, kommen Kindererziehung (bis zu 14 Prozent) und die (Schwieger-)Familie (bis zu 17 Prozent) hinzu – phasenweise streitet sich in dieser Zeit jedes zweite Paar regelmäßig über Unordnung und jedes vierte über Einkauf, Haushalt und Essensplanung.

Langzeitpaare bringt nichts aus der Ruhe – außer nächtliches Schnarchen

Langzeitpaare ab 20 Jahren Beziehungsdauer zeigen sich gelassener: Immerhin 21 Prozent von ihnen geben an, sich (fast) nie in die Haare zu bekommen. Selbst über Unordnung streitet hier nur noch gut jedes dritte Paar (36 Prozent). Lediglich der Fahrstil (22 Prozent) und nächtliches Schnarchen (19 Prozent) sorgen bei Langzeitpaaren verhältnismäßig häufiger für Streit.  

Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner: „Auch glückliche Paare streiten – nur anders“

„Partnerschaftskonflikte sind nicht grundsätzlich nachteilig“, gibt Diplom-Psychologin und ElitePartner-Expertin Lisa Fischbach zu Bedenken. „Auch glückliche Paare streiten, nur anders. Im Beziehungsalltag prallen häufig unterschiedliche Ansprüche und Wünsche aufeinander. und müssen miteinander verhandelt werden. Gerade in stressigen Zeiten, wie aktuell während der Corona-Pandemie, sinkt unsere Toleranzschwelle und wir können die kleinen Ecken und Kanten des Partners schlechter kompensieren. Wer Konflikte konstruktiv löst, wird keinen negativen Einfluss auf das Paarleben spüren. Werten sich Paare hingegen in Streitigkeiten ab, lassen die Meinung des anderen nicht gelten, reagieren verachtend oder entziehen sich dem Konflikt, sind Paare auf Dauer von Trennung bedroht. Doch gutes Streiten kann man lernen!“