Frau und Mann trinken Kaffee als Symbol für Corona in Beziehungen

Wie Corona Beziehungen verändert: Bessere Gespräche, mehr Sex – aber auch mehr Streit

von Beatrice Bartsch , 30. November 2020

Die Corona-Pandemie ist für Paare ein Stresstest – das zeigen neue Daten der aktuellen, bevölkerungsrepräsentativen ElitePartner-Studie. Aber die Ergebnisse sind auch motivierend: Sie machen deutlich, dass Corona für viele Paare die Liebe stärkt. Auch auf die Familiengründung hat Corona Auswirkungen.

Bessere Gespräche, neue Hobbys und mehr Sex: Die Hälfte der Paare tauscht sich durch Corona mehr und tiefgründiger aus

Nicht alles ist schlecht in der Corona-Zeit – bei vielen Paaren sorgt die Krise auch für positive, neue Gewohnheiten. Jedes zweite Paar erlebt jetzt mehr und tiefgründigere Gespräche (48 Prozent) und gut jedes vierte Paar hat in den letzten Monaten neue gemeinsame Hobbys oder Rituale für die Beziehung entdeckt (28 Prozent). Auch im Bett scheint sich die Krise für viele Paare positiv auszuwirken. Ob durch mehr Zeit, mehr Ruhe oder mehr Wertschätzung füreinander –18 Prozent der Paare haben in der Krise mehr Sex. Gerade junge Paare kanalisieren die überschüssige Energie offenbar im Sexuellen: 37 Prozent der Liierten unter 30 berichten von einem aktiveren Liebesleben. Liierte ohne Kinder erleben die positiven Auswirkungen etwas stärker, aber auch Liierte mit Kindern berichten von besseren Gesprächen (46 Prozent), neuen Hobbys oder Ritualen (24 Prozent) und mehr Sex (17 Prozent).

Jedes fünfte Paar streitet mehr – jedes zehnte Paar unter 30 steht kurz vor der Trennung

Es gibt aber auch negative Folgen für die Liebe: Jedes fünfte Paar berichtet, sich durch Corona mehr gestritten zu haben (19 Prozent). Gerade jüngere Paare geraten offenbar in der Krise auch häufiger aneinander (unter 30: 32 Prozent). Bei ihnen steht die Beziehung durch Corona zudem häufiger als bei älteren Paaren auf der Kippe: Jedes zehnte Paar unter 30 überlegt zurzeit, sich zu trennen (11 Prozent). Bezogen auf alle Paare liegt dieser Wert bei sechs Prozent. Bereits getrennte Paare sind hier nicht mit einbezogen.

Vor allem frische Beziehungen verändern sich – viele junge Paare sind zusammengezogen

Viele jüngere Paare haben angesichts von sozialer Isolation, wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Kontaktbeschränkungen kurzum entschieden, ihre Haushalte zusammenzulegen. Jedes vierte Paar unter 30 (24 Prozent) und jedes achte Paar in den Dreißigern (12 Prozent) gibt an, in der Corona-Zeit dauerhaft oder übergangsweise zusammenzogen zu sein. Generell zeigt sich, dass vor allem jüngere und frischer liierte Paare Veränderungen durch Corona erleben. Ihnen fällt es offenbar leichter, die Chancen positiv zu nutzen – sie sind aber auch anfälliger für negative Folgen. Eine kritische Phase scheint die Pandemie bei Paaren getroffen zu haben, die schon eine Weile zusammen sind, aber noch nicht vollends gefestigt: Unter den Paaren, die drei bis fünf Jahre liiert sind, überlegen zurzeit zwölf Prozent, sich zu trennen. Langzeitpaaren scheint die Krise dagegen wenig auszumachen. Gerade einmal 12 Prozent der Liierten, die über 20 Jahre zusammen sind, haben sich in der Corona-Zeit häufiger gestritten, und nur drei Prozent erwägen die Trennung.

Jedes zehnte Paar hat sich in der Krise gegen ein (weiteres) Kind entschieden

Nicht nur die Entscheidung für einen gemeinsamen Haushalt, auch die Entscheidung für oder gegen gemeinsamen Nachwuchs wurde von der intensiven Zeit der Corona-Pandemie geprägt. Sieben Prozent der Paare haben sich wegen Corona für ein (weiteres) Kind entschieden, allerdings auch neun Prozent dagegen. Insgesamt haben also 16 Prozent der Paare – jedes sechste – die Kinderplanung angesichts ihrer Erfahrungen in der Krise angepasst. Besonders interessant: Auch Paare, die schon Kinder haben, haben aus der Situation sehr unterschiedliche Schlüsse gezogen. Immerhin elf Prozent der Liierten mit Kind(ern) haben sich gegen ein weiteres Kind entscheiden – aber auch neun Prozent dafür.

Corona und Hochzeiten: Viele abgesagte Feiern – und noch mehr Verlobungen

Das Jahr 2020 ist sicherlich auch das Jahr der abgesagten Hochzeiten – sieben Prozent aller Paare zwischen 18 und 69 Jahren berichten, dass sie ihre Hochzeitsfeier aufgrund der Pandemie verschoben oder ganz abgesagt haben. Sechs Prozent haben aber trotzdem standesamtlich geheiratet. Und viele haben das offenbar noch vor: Denn sieben Prozent der Liierten haben sich in der Corona-Zeit verlobt. Vor allem Paare, die zwischen einem und drei Jahren (12 Prozent), drei und fünf Jahren (15 Prozent) und fünf bis zehn Jahren (11 Prozent) zusammen sind, haben sich in der Zeit der Krise entschieden, zu heiraten.

Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner: „Die Krise wirkt wie ein Brennglas auf die Beziehungsqualität“

„Homeoffice, Kontaktreduktion und der Wegfall von Freizeitaktivitäten erzeugen eine neue Nähe zum Partner, die nicht selbstbestimmt ist“, so die ElitePartner-Psychologin Lisa Fischbach. „Sie wirkt wie ein Brennglas auf die Beziehungsqualität. Stabile Partnerschaften erkennen den Wert des Miteinanders und nutzen die gewonnene gemeinsame Zeit produktiv zur Verbesserung ihrer Beziehung – von intensiveren Gesprächen und mehr Sex bis hin zur Verlobung. Bei anderen löst die unfreiwillig intensive Nähe Stress aus – oder die Erkenntnis, dass hinter dem Team im Alltag nicht mehr viel anderes ist. Sie zweifeln an der Partnerschaft oder trennen sich. Gerade für frische Beziehungen wirkt die Krise beschleunigend: Paare ziehen früher oder jünger zusammen – aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch, weil der Wert des Zusammenseins in der sozialen Isolation schwerer wiegt als die Unabhängigkeit.“