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Kann aus meiner Affäre etwas Festes werden?

von: Saskia Balke

Eine Affäre kann zu einem unerträglichen Schwebezustand werden. Vor allem für denjenigen, der mehr Gefühle investiert und auf Verbindlichkeit hofft. Fragen auch Sie sich, ob aus Ihrer Affäre eine feste Beziehung werden kann? Wir klären auf, wann sie das Potenzial dazu hat - und in welchen Fällen die Hoffnung eher aussichtslos ist.

Seitensprung und Außenbeziehung: Wenn eine Affäre parallel läuft

„Ich kann nicht mehr“, schreibt eine Frau mit dem Nickname Desperate14, die im ElitePartner-Forum ihren Gefühle Luft macht. (>> Lesen Sie die ganze Geschichte hier nach.) „Ich liebe einen Mann, der mich auch liebt.“ Doch beide sind verheiratet, haben Kinder mit den Ehepartnern. „Er schreibt und spricht immer von einer Zukunft mit mir, ich sei die Liebe seines Lebens…“ Sie ist längst bereit, sich für ihre Affäre zu trennen, doch „er kommt nicht in die Hufe: die Kinder zu klein, die Frau labil….“ Er verneine, dass sie eine Affäre hätten, schreibt sie. Er nennt es Beziehung. „Ist es auch“, konstatiert Paar-Coach Lisa Fischbach. „Es ist eine Außenbeziehung, die parallel zur offiziell gelebten Partnerschaft besteht. Anders als zum Beispiel ein Seitensprung, impliziert diese Form der Affäre das Entstehen einer gewissen Bindung. Die beiden sprechen von Liebe. Bei einem einmaligen Seitensprung hingegen wird allein der sexuellen Anziehung nachgegeben.“

Affäre von Ungebundenen: Schneller Sex und die Frage, wie es weitergeht

Doch nicht immer bezieht sich der Begriff Affäre auf den Betrug eines Partners. Im Fall einer 37-jährigen Mutter, die wie ihr 38-jähriges Date nicht liiert ist, kennzeichnet er eine Begegnung, die meist von sexuellem Interesse eingeleitet wurde. (>>zum Forums-Thread) Beide sind direkt nach dem Kennenlernen auf einer Party im Bett gelandet, trafen sich noch zwei weitere Male. Noch beim ersten Treffen sagte er: „Jetzt entspann dich doch mal, ich will dich kennenlernen und wenn ich nur mit dir ins Bett wollen würde, würde ich hier nicht sitzen.“ Nun überraschte er sie mit der Aussage, dass er keine Erwartungen ihrerseits wecken wolle und ihr keine Perspektive aufzeigen könne. „Er wollte das so verstanden haben, dass er nicht weiß, wie sich das mit uns entwickeln kann/wird/soll, aber nicht, dass er es nicht will.“ Nun hat sie Angst, nur sein Spielzeug zu sein und sich selbst in ihn zu verlieben. Damit wäre sie verletzlich – wie alle Menschen, die in ihrer Affäre nicht auf Wolke 7 schweben, sondern in der Luft hängen.

Wenn sich einer von beiden eigentlich eine feste Partnerschaft wünscht

Eine Affäre, die über einen gewissen Zeitraum andauert, erzeugt häufig auch ein gewisses Maß an Bindung. Vor allem die Außenbeziehung und die Affäre zwischen Ungebundenen lässt auf dieser Grundlage Raum für Erwartungen und Hoffnungen, dass sich der inoffizielle Charakter der Beziehung wandelt und aus Sympathie und Zuneigung sogar Liebe keimt. Doch nur, wenn beide Beteiligten diesen Wunsch zur gleichen Zeit teilen, entwickelt sich die Beziehung leichtfüßig weiter, bis beide Partner sich auch offiziell (mit allen Konsequenzen) zu ihrem Zusammensein bekennen. Ansonsten lautet der Beziehungsstatus häufig erst einmal: „Es ist kompliziert.“ Das hat mit den unterschiedlichen Motiven der Affärenpartner zu tun. Und diese sind der Schlüssel zu der Erkenntnis, ob die Beziehung Zukunft haben kann.

Die Affäre ist kein Wunschmodell

„In eine Affäre rutschen Menschen hinein, für die meisten ist diese Beziehungsform kein Wunschmodell“, erklärt die Psychologin Lisa Fischbach. Das belegen auch die Zahlen einer ElitePartner-Umfrage: Nur 18 Prozent der befragten Singles können sich vorstellen, eine Affäre einzugehen, darunter 25 Prozent Männer und 11 Prozent Frauen. Die höchste Bereitschaft dazu ist bei Singles unter 30 Jahren vorhanden. Die Gründe, warum Menschen sich in verschiedenen Lebenssituationen auf eine Affäre einlassen, sind vielschichtig, weiß Fischbach. „Liierte Partner versuchen mit einer Außenbeziehung häufig die subjektiv empfundenen Defizite in ihrer Ehe oder Hauptbeziehung zu kompensieren. Diese können sowohl sexueller als auch emotionaler Natur sein. Singles hingegen suchen häufig eine Art (sexuelle) Übergangslösung, bis sie sich wieder verlieben oder landen in einer Affäre, wenn sie sich über das Beziehungspotenzial unsicher sind.“ Diese unterschiedlichen Affärentypen beleuchten wir im Folgenden genauer.

Die 4 Affärentypen und ihr Beziehungspotenzial

1. Gebundener Affärentyp „Das Beste aus zwei Welten“

Wer in der Partnerschaft nur selten oder zu wenig abwechslungsreichen Sex erlebt und vom Alltagsstress im Familienverbund genervt ist, mag in der Affäre ein Abenteuer und das Ausbrechen aus festgelegten Strukturen sehen. Das bedeutet aber nicht, dass derjenige den Partner und das gewohnte Leben nicht schätzt oder gar liebt. „Mittlerweile habe ich das Gefühl, er möchte sich hier eine Parallelwelt aufbauen“, befürchtet Desperate14 in ihrem Thread im ElitePartner-Forum. „Diese Sorge ist berechtigt“, erklärt Lisa Fischbach. „Wenn es den Anschein macht, dass ein liierter Affärenpartner das Beste aus beiden Welten in seinem Leben vereinen möchte, sollte der andere genau hinschauen, wenn er sich eigentlich eine feste Beziehung wünscht. Wer ehrliche Gefühle hegt, sorgt für klare Verhältnisse und bemüht nicht eine Ausrede nach der anderen. Es kann helfen, klare Absprachen zum Zeitrahmen zu treffen. In diesem Fall zählen Taten, nicht leere Versprechungen.“

2. Gebundener Affärentyp „Auseinandergelebt“

Zu wenig Interesse aneinander oder mangelnde Zuwendung über einen langen Zeitraum hinweg ist ein Liebeskiller. Menschen können sich auf diese Weise in ihrer Beziehung auseinanderleben, häufig ein schleichender Prozess, dessen Ergebnis eine Außenbeziehung sein kann. Wer Angst vor dem ungewohnten Single-Dasein hat, zögert die Trennung womöglich so lange heraus, bis er jemanden gefunden hat, mit dem er sich eine neue Beziehung vorstellen kann. Für viele Menschen eine moralisch verwerfliche Vorstellung, doch nicht ungewöhnlich. „Wer innerlich die Trennung vom Partner bereits längst vollzogen hat und eine Affäre eingeht, sucht womöglich nur nach dem Grund, den Schlussstrich zu ziehen und sich ein neues Leben zu zweit aufzubauen. Damit besteht zwar die Chance, dass sich die Affäre tatsächlich zu einer offiziellen Beziehung entwickelt. Jedoch ist diese mit Vorsicht zu genießen, da so ein fliegender Wechsel auch emotional häufig nicht reibungslos klappt. Eine Trennung muss erst verarbeitet werden“, so Lisa Fischbach.

3. Single-Affärentyp „Nur Sex“

Sexuelle Abwechslung ist das Motiv dieses Single-Affärentyps. Ob er nach einer langen Beziehung die neugewonnene Freiheit auskosten möchte oder sich auch langfristig nicht binden will: Er signalisiert meist mehr oder weniger offen, dass er nur an Sex interessiert ist. Manche Menschen fühlen sich von diesen Menschen angezogen, weil sie „der besondere Eine“ sein wollen, der ihn zähmt. Davor kann Lisa Fischbach nur warnen: „Wenn jemand klar kommuniziert, nur Sex zu wollen, sollte man das auch so akzeptieren und sich nur darauf einlassen, wenn man selbst keine anderen versteckten Wünsche mit in diese Begegnung bringt.“

4. Single-Affärentyp „Beziehung light“

Schöne Stunden zu zweit auf dem Sofa, ein ausgedehntes Sonntagsfrühstück, Kinoabende, vielleicht sexuelle Exklusivität: An der Seite dieses Menschen fühlt sich alles nach Zweisamkeit und einer Beziehung an. Doch festlegen möchte er sich nicht – und geht damit auch der Familienfeier oder Alltagsproblemen aus dem Weg. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Solch ein Verhalten scheint jedoch in jedem Fall darauf hinzudeuten, dass er nicht verliebt ist. Oder zumindest noch nicht. „In einer ‚Beziehung light‘ steckt Potenzial, denn manche Menschen benötigen einfach etwas Zeit, um sich auf einen Menschen einzulassen und sich zu verlieben. Allerdings muss in dieser Art Affärenbeziehung auch eine Entwicklung erkennbar sein und offen über Gefühle kommuniziert werden“, rät Lisa Fischbach. Derjenige, der sich mehr aus dieser Affäre erhofft, muss genau abwägen, wie viele Gefühle er wie lange investiert, um am Ende nicht bitter enttäuscht zu werden.

Fazit:

Die „Beziehung light“ liefert das meiste Potenzial für etwas Ernstes. Affären mit anderweitig gebundenen Menschen sind immer belastet von widrigen Umständen einer noch zu vollziehenden Trennung. Doch auch für diese gilt: Grundsätzlich lassen sich die Absichten des Affärenpartners am besten am Verhalten ablesen. Wer starke Gefühle empfindet, wird aus der eigenen Motivation heraus alles dafür tun, seine Liebe auch leben zu können. Ausreden und Hinhaltetaktiken deuten hingegen darauf hin, dass die Gefühle dafür leider nicht ausreichen.

Autorin

Saskia
Balke

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