Konvertieren aus Liebe: Mann und Frau gemeinsams

Konvertieren aus Liebe?

von: ElitePartner Redaktion , 3. November 2016

Zwischen Glaube, Liebe und Hoffnung: Laut Erhebung der IfD Allensbach ist die Zahl der Personen, die an der Bedeutung von Religion festhalten, stark angestiegen. Mehr als jeder Fünfte hält Religion und eine feste Glaubensüberzeugung im Leben für besonders relevant. Mehr als zwei Drittel der Deutschen ist gläubig, die Konfessionen dabei sind vielfältig. Grund zur Annahme, dass sich immer mehr Menschen ineinander verlieben, die nicht denselben Glauben vertreten. Wie gelingt Paaren der Umgang damit? Und ist es ratsam aus Liebe zu konvertieren?

Liebe kennt keine Grenzen? Oder doch?

Homosexuelle heiraten, eine ältere Frau liebt einen deutlich jüngeren Mann, ein Nigerianer liebt eine Norwegerin. Liebe kennt keine Grenzen, heißt es im allgemeinen Volksmund. Viele dieser Grenzen wurden bereits aufgebrochen, wie diese Beispiele illustrieren. Aber gilt dieser Leitsatz auch noch, wenn es um den Glauben geht? In unserem ElitePartner-Forum schreibt ein Mann:

„Eine wundervolle Frau fasziniert mich, seitdem ich sie kenne. Von Anfang an war ich absolut von ihr begeistert. Sie ist eine wunderschöne, gebildete, intelligente, liebenswerte junge Dame. Es passt einfach alles bei ihr […] Ich weiß, dass sie auch Interesse an mir hätte, wäre da nicht das Problem mit der Religion. Sie ist Muslima und darf nicht mit einem nicht muslimischen Mann zusammen sein.“

Es gibt nicht nur die Suche nach derselben Religion wie es bei „Christ sucht Christ“ der Fall ist. Dieses Zitat verdeutlicht, dass es auch heute noch immer nicht leicht fällt, eine Liebe zwischen zwei verschiedenen Religionen auszuleben – oftmals aufgrund von Unsicherheit oder Unwissenheit über das Fremde. Und sollte sich dann doch eine Beziehung anbahnen, dann bieten divergierende Weltanschauungen, Traditionen und Normen einen optimalen Nährboden für Konflikte und Herausforderungen innerhalb der Partnerschaft.

Vier Problemfelder bi-religiöser Paare

Bi-religiöse Ehen nehmen aufgrund zunehmender Immigration in Deutschland stetig zu. Allein in Deutschland wird jede zehnte Ehe zwischen einem Deutschen und einem Partner einer anderen Nation geschlossen. Die Krux: Das Scheidungsrisiko bei Ehen zwischen Menschen aus verschiedenen Herkunftsändern liegt um 64 Prozent höher als bei Eheschließungen zwischen Partnern aus demselben Herkunftsland – So das Ergebnis der Wissenschaftler vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des demografischen Wandels und der University of Liverpool. Dabei spielt die Religiosität eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Doch welche Schwierigkeiten bestehen hier im Speziellen? Norbert Kunze, psychotherapeutischer Berater mit Fokus auf inter-religiöse Paare, hat in seiner Arbeit vier relevante Problemfelder identifiziert:

  1. Fehlende Anerkennung: Die unterschiedlichen Glaubensrichtungen werden oft als Mittel zur Abgrenzung genutzt. Die eigene Religion dient in einer Beziehung oftmals dazu, sich selbst aufzuwerten und den Partner abzuwerten.
  2. Verständigung: Viele bi-religiöse Paare stehen häufig vor dem Problem mangelnder Verständigung – unabhängig davon, ob sie dieselbe Sprache sprechen oder nicht. Norbert Kunze zu Folge fehle es ihnen häufig an einer offenen Kommunikation, so dass die Verschiedenheit der Glaubensrichtungen zur Legitimation für die fehlende Verständigung im Hinblick auf den Partner herangezogen wird.
  3. Kinder: Schon bei der Namensgebung des Kindes kann es gewaltig knistern. Denn wer soll oder darf den Namen des Kindes bestimmen? Welche Bedeutung trägt er? Wie steht es um Initiationsriten – soll das Kind getauft oder beschnitten werden? In vielen Religionsgemeinschaften haben nicht nur die Eltern, sondern auch die Verwandten über derartige Themen zu entscheiden.
  4. Gewalt: Norbert Kunze gibt zu bedenken, dass häusliche Gewalt in den verschiedenen Religionen ganz unterschiedlich definiert und bewertet wird. Wo beginnt häusliche Gewalt und inwieweit wird sie legitimiert?

Diese Problemfelder bilden sicherlich nicht alle Themen ab, die bi-religiöse Paare beschäftigen. Dennoch verdeutlichen sie, welch Brisanz und Dynamik eine Liebe zwischen zwei Glaubensrichtungen annehmen kann und werfen die Frage auf, wie derartige Probleme gelöst werden können.

Konversion als Lösung?

Anna-Maria Lagerblom, Ex-Freundin des Fußballnationalspielers Mesut Özil, hat es getan, Benjamin Millepied, Ehemann von Oscar-Preisträgerin Natalie Portmann, ebenso. Warum ständig zwischen (religiösen) Welten tänzeln, zwischen Geboten und Verboten verhandeln und einen Balanceakt zwischen verschiedenen Wertesystemen wagen? Könnte nicht die Konversion, also die Übernahme vom fremden Glauben, das Allheilmittel für Problemfelder bi-religiöser Paare oder Liebender sein?

Der Wohnort, das Rauchen, der Familienname – All das sind die Deutschen laut YouGov-Umfrage unter 1.043 Befragten bereit für die Liebe aufzugeben. Doch die eigene Religion ist den Deutschen im wahrsten Sinne des Wortes heilig: Für den Partner zu konvertieren, kommt nur für sieben Prozent in Frage. Und das verwundet kaum – Schließlich bringt der Religionswechsel weitreichende Konsequenzen mit sich: Neben (zum Teil) staatlichem und gesellschaftlichem Druck, beschäftigen Konvertiten in der eigenen Beziehung plötzlich ganz neue Themen. Wenn Partner erwägen, aus Liebe zu konvertieren, sollten sie vorab diese drei wichtigen Fragen für sich klären.

  1. Kann ich mich mit den Traditionen, Riten und Bräuchen identifizieren? Mit dem Liebsten vereint unterm Weihnachtsbaum sitzen – im Judentum undenkbar. Wer zum Judentum konvertiert, feiert plötzlich kein Weihnachten mehr – an dessen Stelle tritt Chanukka. Abends beim Lieblingsitaliener die beste Pasta der Stadt genießen – nicht im Fastenmonat der Muslime, dem Ramadan. Auch das geliebte Schweineschnitzel steht bei Islam-Konvertiten plötzlich nicht mehr auf dem Speiseplan. Sonntags bis mittags im Bett liegen – Mitglieder der katholischen Kirche können davon nur träumen, denn um 9 Uhr steht die Heilige Messe auf dem Plan. Jede Religion bringt seine ganz eigenen Traditionen, Riten und Bräuche mit, die das eigene Leben unter Umständen gehörig umkrempeln.
  2. Wie gestaltet sich mein Sexleben? Während Sexualität im Judentum in erster Linie der Fortpflanzung dient und Homosexualität oder Selbstbefriedigung verpönt sind, proklamieren der Buddhismus und Hinduismus sexuelle Offenheit. Katholiken definieren sexuelle Lust als Sünde (Stichwort: Erbsünde) und fordern Enthaltsamkeit. Keuschheit gilt als oberstes Gut, Sexualität dient, ähnlich wie im Judentum, dem reinen Fortbestand. Der Islam bewertet Sexualität hingegen nicht als sündhaft – sofern sie innerhalb der Ehe geschieht. Unehelicher Geschlechtsverkehr wird hart sanktioniert. Lust und Leidenschaft sind feste Bestandteile einer Beziehung und somit sollten sich Menschen, die eine Konversion in Betracht ziehen, dezidiert mit dem Thema Sexualität auseinandersetzen.
  3. Wie steht es um die Rolle der Frau? In vielen Religionen nimmt die Frau noch immer eine untergeordnete Stellung ein. So zählen Frauen im Hinduismus als Eigentum des Ehemanns und ihre Funktion beschränkt sich auf den Haushalt und die Fortpflanzung. In einigen Auslegungen des Islam tragen Frauen Kopftücher, um ihre Würde zu schützen. Außerdem sieht der Islam für Frauen nur eine ärztliche Behandlung durch Frauen vor – Konvertitinnen müssen also unter Umständen ihren Arzt wechseln. Auch eine klassische Adoption nach westlichem Wertesystem ist im Islam nicht vorgesehen. In einigen fundamentalistischen Randgruppen der Mormonen ist die Polygamie, die Mehrfachehe, gang und gäbe. Diese Beispiele zeigen: Jede Religion bringt seine ganz eigenen Vorstellungen von der Rolle zur Frau in einer Beziehung mit. Sollte zur Debatte stehen, aus Liebe zu konvertieren, ist eine ausführliche Beschäftigung mit der neuen Religion unerlässlich, um herauszufinden, ob ich mich als Frau in einer aufgeklärten und emanzipierten Gesellschaft mit den neuen Normen und Idealvorstellungen identifizieren kann.

Kommunikation statt Konversion

Wer sich umfassend mit der Religion des Partners auseinandergesetzt und dabei das Gefühl entwickelt hat, sich mit dem Wertesystem der fremden Glaubensrichtung identifizieren zu können, für den kann eine Konversion nicht nur in Bezug auf seine Partnerschaft einen positiven Ausgang nehmen. Wer mit der neuen Religion allerdings erhebliche Ängste und Zweifel an die Beziehung und sich assoziiert, der sollte das Thema Konversion besser ad acta legen und sich stattdessen stärker auf den zwischenmenschlichen Umgang mit dem Partner konzentrieren. Denn noch viel wichtiger als der Glaube ist die Kommunikation in einer Beziehung. Partner verschiedener Religionen stehen häufig vor größeren Herausforderungen als andere Paare, denn schließlich müssen sie eine ordentliche Portion Toleranz, Respekt, Offenheit und Erfahrung im Konfliktmanagement mit in die Beziehung hineintragen. Eine stark ausgeprägte Kommunikationsbereitschaft stellt dabei die wohl größte Hürde dar. Dies bestätigt auch Hiltrud Stöcker-Zafari, Geschäftsführerin des Verbands binationaler Familien und Partnerschaften e.V.:

„Die besondere Herausforderung liegt in der hohen Kommunikationsfähigkeit, die ein Paar besitzen muss. Denn ohne diese Kompetenz kann nichts nachgefragt, nachgehakt und verhandelt werden. Auch ist eine hohe Konfliktfähigkeit gefragt, Toleranz und die Bereitschaft, bisher Alltägliches und Selbstverständliches in Frage zu stellen, sich mit anderen Verhaltensweisen und Traditionen auseinandersetzen können.“

Also konvertieren aus Liebe? Nein, aus tiefer Überzeugung. Und wenn diese nicht vorhanden ist, dann kann eine Beziehung zwischen zwei Religionen, wenn die Kommunikation gelingt, eine sehr tiefe Verbundenheit schaffen, eine echte Bereicherung darstellen und die eigene Persönlichkeit stärken. Und das ist schließlich eine gute Basis für eine dauerhafte und glückliche Partnerschaft.

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