Mann signalisiert Narzissmus, indem er im Sessel sitzt und mit Kopfhörern Musik hört

Narzissmus: Wenn die Eigenliebe siegt

von: ElitePartner Redaktion , 14. Februar 2018

Ich. Ich. Ich. Eva kann es nicht mehr hören. Immer nur geht es um Robert. Er ist so toll, er ist so genial, er ist einfach der Größte. Der pure Narzissmus. Wo bleibt sie in der Beziehung? Andererseits ist ihr noch nie so ein aufregender Mann begegnet wie Robert. Andere würden gegen ihn verblassen, der Maßstab ist ruiniert. Eva sitzt in der Falle.

Die Situation von Eva und Robert zeigt, was Narzissmus in einer Beziehung auslöst und wie schwierig Narzissmus und Partnerschaft miteinander vereinbar sind. Sie kreist meist völlig einseitig um einen der Partner und stellt die Bedürfnisse des anderen hintenan. Gleichberechtigung gibt es nur selten bei narzisstischen Partnern. Es bräuchte den seltenen Fall, dass zwei Egomanen aufeinandertreffen und sich trotzdem lieben lernen. Doch dieser Doppelpack bedeutet Extreme in jeder Hinsicht. Entsprechend geht eine solch rauschhafte monogame Beziehung selten (lange) gut. In der Praxis haben daher eher ungleiche Partner mit dem Thema zu kämpfen.

Was ist Narzissmus?

Mit Narzissmus bezeichnet die Psychologie ein überzogenes Selbstwertgefühl. Die eigene Person wird idealisiert und in ihrer Wichtigkeit und Bedeutung über andere Menschen gestellt. Das Problem ist ein Zuviel an Egoismus.

Während eine gesunde Portion Selbstachtung zur Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit beiträgt, übertreibt der Narzisst die Selbstliebe. Damit kaschiert er unbewusste Minderwertigkeitskomplexe. Indem er sich selbst permanent aufwertet, versucht er Bewunderung und Anerkennung zu erlangen, die er auf andere Weise nicht erreicht. Diese übertriebene Ich-Bezogenheit wird von anderen Menschen häufig als arrogant und selbstherrlich empfunden, entspricht aber nicht selten auch dem großen beruflichen Erfolg des Narzissten und/oder seinen Qualitäten als Verführer. Narzisstische Partner sind nach außen hin oft schillernde Sieger-Typen, begnadete Macher und Blender. Die Persönlichkeitsstörung kommt bei 0,5 Prozent aller Menschen vor, überwiegend bei Männern.

Narzissmus: Geblendet vom Über-Ich

Narzisstische Partner halten sich selbst für die Größten in einer Beziehung und vermitteln auch Menschen außerhalb ständig und ungefragt, was sie alles selbst am besten können. Durch dieses anmaßende Verhalten erobern sich Narzissten häufig tatsächlich die Chance, ihr Können zu beweisen. Wenn dann ein Projekt – sei es im Job oder in die Liebe – gelingt, trägt der ertrotzte Erfolg dazu bei, den Narzissmus noch zu verstärken. Auch das Umfeld fördert dieses Verhalten in gewisser Weise. Es erlaubt besonders mächtigen Menschen, sich Eigenheiten herausnehmen und Tabus zu brechen, um ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen. Der Grund: Erfolg kann ausgesprochen faszinierend sein.

Narzissmus und Partnerschaft: nicht ohne Selbstaufgabe?

Indem sich ein Mensch mit Narzissmus selbst aufwertet, wertet er die Menschen um sich herum automatisch ab. Das genau ist das Problem für eine Beziehung mit einem narzisstischen Partner, die meist mit viel Euphorie und Paukenschlägen beginnt.

Der typische Narzisst hebt seinen auserwählten Partner anfangs auf einen Sockel und gibt ihm das Gefühl, mit ihm etwas ganz Großes zu erleben, die einzig wahre Liebe gefunden zu haben. Das ist typisch für Narzissmus. Auf diese rauschhafte Phase folgt die Phase der Ernüchterung, die den inzwischen mit Komplimenten verwöhnten Partner unvermittelt und hart trifft. Der Narzisst kritisiert auf einmal an allem, wird verletzend, zieht den anderen verbal und emotional mehr und mehr herunter. Dabei stellt er es jedoch so geschickt an, dass er sich selbst zum Opfer stilisiert.

Und der Partner? Versteht die Welt nicht mehr, gibt sich selbst die Schuld an den Beziehungsproblemen, flüchtet nicht selten in Alkohol oder Drogen. Das Tragische daran: Je schlechter er sich fühlt, desto besser geht es dem Narzissten.

Narzissmus und Partnerschaft bedeuten ständigen Stress. Nur die wenigsten Paare halten diese Dauerbelastung aus. Meist ist es nicht der Narzisst, der sich schließlich trennt, sondern der andere Partner, um die Überbleibsel seines geschundenen Selbstwertgefühls zu retten und sich von den gelebten Süchten zu befreien.

Gesunder Selbstschutz vor Narzissmus verbreitet

Bei Anzeichen von Narzissmus in einer neuen Partnerschaft ist erhöhte Vorsicht geboten, sagt unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach:

„Partnerschaften leben von einer positiven Reibung, gemeinsamer Entwicklung und Charakteren, die sich auf Augenhöhe begegnen können. Deshalb verschrecken auch Eigenschaften, die andeuten, dass eine Person nur um sich kreist und möglicherweise narzisstische Strukturen hat.“

Wie unsere ElitePartner-Studie belegt, verfügen die meisten Menschen über ein gesundes Bauchgefühl bei der Einschätzung ihres Gegenübers. So kommt es bei 75 Prozent der über 3.700 Befragten nicht gut an, wenn sich beim Kennenlernen der potenzielle Partner eitel und selbstverliebt gibt. Damit ist Narzissmus mit Abstand die unbeliebteste Eigenschaft. Erst deutlich dahinter rangiert der Geiz. Knausrigkeit schreckt immerhin 66 Prozent der Befragten bei der Partnersuche ab.

Narzissmus: Tipps zum Umgang mit Ihrem Partner

Leben Sie in einer Beziehung mit einem Ich-bezogenen Partner, kommt es vor allem auf den Grad des Narzissmus an, ob Sie mit ihm zusammen leben können. Dauerhaft glücklich werden sie mit ihm höchstwahrscheinlich nicht. Je mehr sie sich unterordnen und ihm für sein egoistisches Verhalten Verständnis entgegenbringen, desto stärker geraten Sie selbst in eine emotionale Abhängigkeit. Das ist keine stabile Basis für eine dauerhafte und erfüllte Beziehung. Schützen Sie sich vor (weiteren) Enttäuschungen, indem Sie sich von Ihrem narzisstischen Partner trennen.

Aber Vorsicht: Seien Sie darauf gefasst, dass das Spiel von neuem beginnt und er Sie erobern will. On-Off-Beziehungen sind das Kennzeichen vieler Partnerschaften mit Narzissmus. Die Paare können nicht miteinander leben, aber auch nicht mehr voneinander lassen.

Wenn Sie Ihren narzisstischen Partner lieben, raten Sie ihm, mithilfe einer Psychotherapie an seiner Persönlichkeitsstörung zu arbeiten. Damit werden Sie jedoch wahrscheinlich auf Granit beißen. Ein Narzisst erkennt nicht, dass er egozentrisch ist und hält sich aufrichtig für das eigentliche Opfer in einer schlecht laufenden Beziehung.

Fazit: Narzissmus bringt keine Hoffnung in der Liebe

Narzissmus und Partnerschaft gehen nicht gut zusammen. Ein Narzist liebt nur sich selbst, zu wahrer Empathie für andere ist er aufgrund seiner Selbstbezogenheit nicht fähig. Mit seinem oft beeindruckenden Charisma betört er andere Menschen. In einer Beziehung jedoch untergräbt und beschädigt sein egoistisches Verhalten auf Dauer das Selbstwertgefühl des Partners. Die Lösung bei Narzissmus in einer Beziehung heißt: Trennung oder Therapie.

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