sms-kommunikation

SMS-Missverständnisse: Warum sich Männer und Frauen nicht texten sollten

von: Saskia Balke

„Mein Date antwortet seit zwei Stunden nicht... Und in der letzten SMS war kein Kuss-Smiley!“ Deuten Sie auch so viel in eine Handynachricht hinein? Oder sind Sie von der SMS-Tipperei eher genervt? So oder so: Missverständnisse in 140 Zeichen bringen so manchen Single in Verdruss. Was dahinter steckt und wie Sie selbst erfolgreicher kommunizieren: Wir verraten es Ihnen!

Pling – Sie haben eine SMS. Und ein Missverständnis!

Zwischen Anna und Max hat es beim dritten Date ganz schön gefunkt. Heute wollen sie zusammen ins Kino, obwohl er gerade so viel um die Ohren hat. Sie hatten sich locker für 8 Uhr verabredet. Kurz vor Feierabend will sich Anna per SMS wegen der Uhrzeit rückversichern. Nach langem Überlegen schreibt sie „Kuss“ als Verabschiedung. Kurz darauf bereut sie das schon wieder. War das jetzt zuviel? Denn Max meldet sich in nur wenigen nüchternen Worten zurück. Kein Smiley und nur ein „LG“ als Abschiedsgruß. Anna ist von dieser kargen Nachricht verunsichert. Also fragt sie lieber noch mal nach, ob es bei heute Abend bleibt. Ein klassisches Beispiel dafür, wie Missverständnisse zwischen Mann und Frau im Medium SMS einen idealen Nährboden finden. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

1. SMS sind oberflächlich: Gefühle passen nicht in 140 Zeichen

Was zwischen Anna und Max passiert, ist ein relativ junges Phänomen. Denken Sie mal an die frühen Neunziger zurück. Um Dates auszumachen, die damals noch Verabredungen hießen, musste die Festnetznummer herhalten. Als Teenager konnte das bedeuten, dass bei einem Anruf des Schwarms die eigene Mutter den Hörer abnahm. Wie peinlich. Für Tage war man ans Telefontischchen im elterlichen Wohnzimmer gefesselt, gezwungen, das grüne kabelgebundene Tastentelefon zu hypnotisieren. Wir mussten etwas opfern und etwas wagen. Und waren in der Kommunikation jeder Gefühlsregung des Gegenübers am anderen Ende der Leitung ausgesetzt.

Heute schneidet uns die SMS von der Wahrnehmung vieler Zwischentöne, die per Telefon über die Stimme transportiert werden, einfach ab. Seit die Handynutzung Mitte der 90er Jahre zunahm, hat sich nicht nur unsere Kommunikationskultur, sondern auch die Beziehungsanbahnung tiefgreifend verändert. Wir chatten statt zu sprechen. Am Anfang einer Beziehung ebenso wie am Ende. Eben dann, wenn es unangenehm werden könnte und wir Angst vor unmittelbaren Reaktionen haben. Mit dieser Entwicklung rutschen wir in eine oberflächliche Kommunikationskultur ab, wie auch die Soziologin Sherry Turkle in einem Interview mit der Zeit Online befürchtet. „Am Telefon können Sie noch hören, wenn jemand weint.“

Eben diese Gefühlsäußerungen fallen in einer SMS hingegen einfach unter den Tisch. Ebenso wie Mimik, Gestik und Tonfall. Stattdessen kommen Emoticons zum Einsatz, doch ersetzen können sie die Stimme nicht. Auch im ElitePartner-Forum ist diese Form der Kommunikation ein Thema. Eine Nutzerin schreibt: „Eine Freundin von mir meinte mal, dass ich viel mehr Smilies in meine WhatsApps einbauen müsse, um irgendeinen Mann bei der Stange zu halten den ich gut finde. Nee, nicht mein Ding.“
Sind Smileys also typisch weiblich – und muss eine Frau auch im Kontakt möglichst weiblich wirken, so wie ein Mann am besten typisch männlich schreiben sollte, um erfolgreich zu kommunizieren? Nein, lautet die Antwortet. Von Vorteil ist es hingegen, wenn zwei Menschen mit ähnlichem Kommunikationsstil aufeinandertreffen.

2. „1000 Küsse“ versus „LG“: Männliche und weibliche Kommunikationstypen

Maenner texten anders frauen auch

Auf Max und Anna trifft das herrschende Klischee zu: Männer formulieren prägnant und direkt. Frauen verpacken ihre Botschaft eher in blumigen Formulierungen und scannen die Nachricht des Mannes nach Gefühlsbekundungen. Doch so einfach lässt sich die Gender-Grenze heute nicht mehr ziehen. Wie die Rollenbilder selbst sind auch die Kommunikationstypen nicht mehr geschlechtsabhängig: Es gibt Männer, die eher emotional formulieren und Frauen, die gerne einen nüchternen Ton anschlagen. Sie lassen sich als männliche oder weibliche Kommunikationstypen identifizieren, die in ihren Nachrichten einen unterschiedlichen Fokus verfolgen.

Nach dem Kommunikationsmodell von Schulz-von-Thun sind in jeder Botschaft immer vier Ebenen enthalten. Deshalb spricht er auch von vier Seiten einer Botschaft. Der Sachaspekt verrät: Worüber wird gesprochen? In der Selbstaussage offenbart der Sender seine Absichten. Die Appell-Ebene bezieht sich auf die Wirkung beim Empfänger und der Beziehungsaspekt sagt aus, wie der Sender zum Empfänger steht. Welcher dieser vier Bereiche im Kommunikationsstil eines Menschen überwiegt, ist individuell verschieden. Egal ob Mann oder Frau: Wer eher weiblich kommuniziert, bezieht die eigenen Gefühle mit ein und spricht eher auf der Beziehungsebene. Wer eher männlich kommuniziert, konzentriert sich eher auf die Sachebene und formuliert klare Ansagen, die ohne emotionale Ausführungen auskommen.

In der Dating-Phase können frischgebackene Paare wie Anna und Max noch nicht einschätzen, wie der andere tickt. Der weibliche Kommunikationstyp neigt dazu, einen eher neutralen Ton persönlich zu nehmen und fühlt sich womöglich sogar abgelehnt. Der männliche Kommunikationstyp fühlt sich von langen, allzu ausschweifenden Nachrichten womöglich überfordert. In einer frischen Partnerschaft ist es daher hilfreich, beim SMS-Kontakt zunächst herauszufinden, welcher Grundtenor die Nachrichten des anderen beherrscht. Das Bewusstsein um die verschiedenen Kommunikationstypen allein kann schon helfen, Missverständnissen vorzubeugen. Auf dieser Basis lässt sich die eigene Art der Kommunikation anpassen, um den anderen zu spiegeln und die Verständigung zu vereinfachen.

3. Online-Dating: Luftschlösser, aus SMS gebaut

Die SMS oder WhatsApp ist auch beim Online-Dating eine beliebte Kommunikationsform, ist doch das Handy oft schneller zur Hand als die Computertastatur. Nach einigen Mails einigen sich viele Singles auf SMS umzusteigen und tauschen Handnummern aus. Damit wechseln sie die Ebene: Plötzlich bewegen Sie sich nicht mehr im anonymen, sondern im privaten Terrain. Obwohl sich die beiden Singles noch gar nicht kennen, kann die Kommunikationsform SMS daher leicht zu unangemessenen Vertraulichkeiten verleiten. Im ElitePartner-Forum berichtet eine Nutzerin von einem Kontakt zu einem Mitglied, das sie noch nicht persönlich getroffen hat: „Jetzt schickt er mir ständig Küsse per Whatsapp, schreibt mir massenweise romantische Messages und mir ist das einfach zu viel. Das wird gruselig. Er kennt mich ja gar nicht und vergöttert mich.“ Einige Menschen nutzen das Medium SMS also auch dazu, Luftschlösser aufzubauen, die auf Hoffnungen und Wünschen gründen. Sie flirten wie die Weltmeister in 140 Zeichen, genießen den Spaß am schriftlichen Austausch – doch in der Realität entpuppen sich die getippten Zeilen oft als Schall und Rauch.

Wichtig: Vor einem persönlichen Treffen ist eine SMS geeignet, um eine Verabredung zu treffen, besser kennenlernen lässt sich ein Mensch über diesen Kommunikationskanal jedoch kaum. Beschränkt sich ein Date auch nach dem Kennenlernen vor allem auf den Kontakt per SMS, kann das ein Warnsignal sein: Forscher der University of Carolina haben herausgefunden, dass häufig Bindungsängstlichkeit dafür verantwortlich ist. Und wer in einer Partnerschaft viele SMS schreibt, ist laut der Studie weniger emotional an den Partner gebunden und weniger glücklich. Also sowohl in der Datingphase als auch in einer Beziehung lieber öfter mal zum guten, alten Telefonhörer greifen!

Autorin

Saskia
Balke

Jetzt kostenlos anmelden

Ich bin
Ich suche

Mit Ihrer Anmeldung erklären Sie sich mit unseren AGB und den Datenschutzbestimmungen einverstanden. Sie erhalten Informationen zu Elitepartner per E-Mail (Abmeldung jederzeit möglich).