Traumpartner Wirkung Partnersuche

Traumpartner – die Wirkung von Erwartungen bei der Partnersuche

von: Michael Mary

Paarberater und Buchautor Michael Mary verdeutlicht, wie falsche Erwartungen die Suche nach einem Partner erschweren und das Finden einer neuen Liebe verhindern können.

Wer schon länger einen Partner sucht, ist womöglich empfänglich für Tipps und Tricks dazu, wie man den ‚Richtigen‘ findet. Angeblich gibt es ja ‚klare und eindeutige Strategien‘ für den Traumpartner. Da erfährt man beispielsweise, wie man ‚in vier simplen Schritten das Herz eines Mannes gewinnt‘ oder man übt ‚Tiefensuggestionen‘, die einem zum Wunschpartner führen. Im Zentrum etlicher dieser Anleitungen steht oftmals die Aufforderung, sich klarzumachen, was man vom Zukünftigen erwartet. Erwartungen kann und sollte man zweifelsfrei beim Autokauf formulieren und ihnen auch folgen, aber funktionieren Erwartungen auch bei der Partnersuche?

Wenn es funkt, passt es auch?

Befragt man Singles, dann stellt sich bald heraus, woran sie ‚den Richtigen‘ zu erkennen glauben: Dass es bei ihm funkt und mit ihm passt. Natürlich kann man sich verlieben und darüber hinaus zueinander passen. Allerdings geschieht das normaler Weise nacheinander. Zuerst funkt es, und in den folgenden Monaten stellt sich heraus, ob es passt. Suchende Singles wollen allerdings beides gleichzeitig, es soll funken und passen und das sofort. Sie erwarten sozusagen ‚alles auf einmal‘. In der Praxis haben diese Erwartungen dann meist unerwünschte Folgen:

  1. Sobald es zu funken anfängt, checkst Du den Partner danach ab, ob es mit ihm auch passen würde. Du fragst nach seinen Werten, nach Zukunftsvorstellungen, nach Gewohnheiten. Ist er Hundehalter? Raucht er? Treibt er Sport? Reist er gern und wohin? Du findest schnell Unterschiede und dann scheint klar, dass es nicht passt. Zu früh nach einer Passung zu suchen ist keine Absicherung, sondern eine effektive Art, Funken zu löschen.
  2. Oder Du checkst den Anderen gleich beim ersten Date ab und wartest dabei auf Funken. Natürlich fallen Dir einige Punkte auf, von denen Du glaubst, sie würden nicht passen. Die Funken bleiben so aus. Das ist so, als ob man Holz anfeuchtet und es dann anzünden möchte.

Emotionale Bindung als Schlüssel

Beide Wege führen nicht zu in ein Beziehung, weil sie von fixen Erwartungen bestimmt sind. Erwartungen stehen Beziehungen grundsätzlich im Weg. Denn ob es knistert, ob Funken fliegen, ob man Feuer fängt – das kann niemand willentlich herbeiführen, den Job erledigt das Unbewusste aufgrund unbewusster Motive. Wer seine Erwartungen formuliert, der tut aber so, als ob er sein Unbewusstes in der Hand hätte. Anders gesagt: Nur weil jemand bestimmten Erwartungen entspricht, weil er Nichtraucher ist oder weil er das gleiche Hobby pflegt oder ein Haus sein eigen nennt, stellt sich keine emotionale Bindung her, nur deshalb knistert es nicht. Eine emotionale Bindung ist aber Voraussetzung dafür, dass ‚mehr‘ entsteht, z.b. eine Partnerschaft.

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Damit es überhaupt knistern kann, kommt es zuerst nicht auf Passung, sondern auf Zuwendung an. Dazu müssen sich zwei füreinander öffnen, sich dafür interessieren, was der andere fühlt, denkt, wovon er träumt, wonach er sich sehnt und wovor er sich fürchtet. Es werden ‚Entdeckungen im Innersten‘ gebraucht. Nur wenn zwei sich dort begegnen, wo sie sonst niemand hinlassen, besteht die Möglichkeit einer emotionalen Bindung aneinander. Und erst diese Bindung macht es möglich, herausfinden, ob es im Leben passt. Passung ist nämlich keine Tatsache, sondern ein Eindruck. Anders gesagt: Es passt nie wirklich, es muss nur gut genug passen. Je stärker die emotionale Bindung ist, desto größer ist die Bereitschaft, eine Passung als ‚gut‘ oder ‚gut genug‘ zu empfinden und anzuerkennen oder sich auf den Partner einzulassen, trotz bestimmter anderslautender Erwartungen.

Was aber, wenn es zuerst knistert und sich nach einer Weile herausstellt, dass es nicht passt, dass man auf der partnerschaftlichen Ebene nicht miteinander klarkommt? Darüber braucht man sich keine Sorgen zu machen, denn dann löst sich die emotionale Bindung auf. Dann verlierst Du die positiven Gefühle für den Anderen und das Interesse an der Beziehung zu ihm.

Das alles will sagen: Man findet keinen passenden Partner, so wie man ein passendes Auto findet. Der Richtige wartet nirgends auf einen, es gibt kein perfektes Gegenstück, das da draußen rumläuft, es gibt kein Fundbüro für den Traumpartner. Was man aber tun kann ist, sich auf sein Gegenüber zu beziehen.
Sich auf den potentiellen Partner zu beziehen ist etwas völlig anderes als Erwartungen an ihn zu richten. Eine Erwartung bedeutet: Der andere soll so sein und sich so verhalten, dass ich es einfach mit ihm habe. Beispielsweise erwartest Du, dass Dich der andere nicht verletzt. Du sagst es ihm sogar und glaubst, damit wäre die Sache klar. Deine Erwartung ist nachvollziehbar, aber wie soll der andere wissen, ob und womit er dich verletzt? Mit Sicherheit werden Verletzungen passieren, daran ändern auch Erwartungen nichts. Aber was dann, wenn es passiert ist? Dann kommt es auf Dich an.

Wenn der Partner Dich verletzt hat kannst du denken: „Ich wusste es ja, wieder so ein unsensibler Typ, das hat doch keinen Sinn“. Was dann passiert, ist klar, Du wendest Dich ab, das war’s, Schluss und Ende. Oder aber Du sagst ihm: „Das verletzt mich, das tut mir weh“. Weißt Du, was passiert, wenn Du ihm gegenüber offen zu Dir stehst? Nein, Du weißt es nicht. Erwartungen zu formulieren und sich daran zu halten bedeutet so zu tun, als ob man das wüsste. Sich zu begegnen bedeutet herauszufinden, was wirklich geschieht, wenn man sich bezieht, indem man sich dem anderen zeigt und sich behauptet.

Beziehung ist kein Gegenstand, sondern ein Aufeinander-reagieren

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich sage hier nicht, dass man keine Erwartungen haben sollte, das ist unmöglich. Jeder hat Erwartungen, aber es macht wenig Sinn, diese vor sich herzutragen und ihnen Priorität einzuräumen. Denn hinter der an den Partner gerichteten Erwartung stehst Du selbst. Die Erwartung hat weniger mit dem Partner zu tun als mit Dir. In dem Beispiel ‚Verletzung‘ ist es klar. Die Absicht ist, sich zu schützen, doch anstatt den Schutz vom Partner abhängig zu machen wäre es besser, selbst für den nötigen Schutz zu sorgen. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man erwartet: „Er sollte mich nicht verletzen“ oder ob man selbst für den nötigen Schutz sorgt indem man deutlich macht, was einen verletzt und dafür sorgt, dass der Andere das wahrnimmt und darauf eingeht.

Wer eine Beziehung aufbauen möchte, muss den Anderen an sich heranlassen, und wie dicht der potentielle Partner Dich wiederum heranlässt hängt eben davon ab, wie nah Du ihn kommen lässt. Beziehung ist kein Gegenstand, sondern ein Aufeinander-reagieren. Das Sich-beziehen und Sich-näher-kommen kann gern langsam und Schritt für Schritt geschehen, aber es erfordert, die Dinge offen zu lassen und nicht zu glauben, man wüsste, was geschieht; und es erfordert, sich zu öffnen.

Erwarte also nicht zu viel von Deinen Erwartungen. Geh auf Nummer Unsicher und bleibe eine Weile in dieser offenen Zone. Nicht Du wirst entscheiden, mit wem es passt. Es wird sich ganz von selbst zeigen.

Paarberater Michael Mary (1)

 

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