Frau und Mann

Virtuelles Dating in vier Schritten

von: Marie Schwarz

Seit Tagen tauscht man sich mit dem Online-Date aus, alles scheint perfekt, das Herz hüpft. Auf Wolke sieben schwebt man zur ersten realen Verabredung und stellt fest: Das wird nichts! Die Diplom-Psychologin Lisa Fischbach weiß, warum Traumbilder so leicht platzen und erklärt, wie man in vier Schritten erfolgreich online datet.

Online verlieben – so einfach passiert’s

Man ist erst seit Kurzem beim Online-Dating dabei, hat hier und da eine Nachricht verschickt, ein wenig geflirtet – bis es Knall auf Fall passiert! Mister oder Miss Right taucht plötzlich auf dem Bildschirm auf! Man meint zu spüren, dass es passt, schreibt sich einige Male. Ein unwillkürliches Lächeln, wenn man die Ankündigung einer Nachricht sieht, im Bauch kribbelt es, wenn man sie öffnet. Der Online-Dating-Partner trifft den eigenen Humor, geht feinfühlig auf Wünsche, Ängste und Lebensvorstellungen ein. Tage oder Wochen des Nachrichtenschreibens vergehen. Dann folgt der erste Anruf und man schwebt auf Wolke sieben: Er oder sie muss es einfach sein! Topf und Deckel. Passt. Der Traumpartner ist gefunden. Ach nein, da war ja noch was: Die Verabredung in der echten Welt steht ja noch aus.

Das erste Date-Desaster

Und dann: das erste Date. Ein Reinfall. Ihr Gegenüber schmatzt, fällt Ihnen ins Wort, ist zu klein, zu dünn, zu groß, die Nase ist schief – das Gespräch verstummt. Verliebtheit ade. Aber wie konnte das passieren? Wieso verliebt man sich online so schnell und wird dann enttäuscht? Diplom-Psychologin Lisa Fischbach erklärt es so: „Die Online-Partnersuche kann durch das psychologische Phänomen der Projektion die Tendenz zum Verlieben fördern. Wir können all unsere unerfüllten Sehnsüchte und Wünsche uneingeschränkt auf ein Gegenüber übertragen und hoffen auf Erfüllung. Man baut sich so sein Traumbild vom Partner auf – ein unbewusster Prozess. Natürlich ist es auch eine Typsache, ob man sich schnell online verliebt oder nicht. Wenn jemand nett schreibt und man ohnehin eine ausgeprägtere Bereitschaft als Realisten und Skeptiker hat, sich zu verlieben, interpretiert man schnell viel Positives in Nachrichten hinein. Alles wird in die gewünschte Richtung gedreht, man denkt, da gibt es Potenzial, öffnet immer mehr Türen. Meistens sind es Menschen, die beispielsweise schon lange Single sind oder sich unbedingt verlieben wollen.“ Wer sich online schnell verliebt, wähnt sich also als Meister darin, zwischen den Zeilen lesen zu können und interpretiert hinein, was er sich erhofft. Die Wunschvorstellungen gehen mit einem durch und schnell hat man sich den Traummann oder die Traumfrau in den schönsten Farben ausgemalt.

Warum es nur in Wirklichkeit richtig funken kann – mathematisch erklärt!

Der Traummann oder die Traumfrau im Kopf setzt sich aus allen Details zusammen, die man im Profil oder in den ausgetauschten Nachrichten gefunden und gelesen hat. Der erste Eindruck passt. Allerdings hat man seinen Online-Date-Partner noch nicht leibhaftig erlebt. Und da liegt nicht nur die logische, sondern auch die mathematische Krux. Der erste Eindruck besteht nämlich aus drei großen Bereichen: der Stimme, der Körpersprache und dem Gesagten. Prozentual allerdings macht das Gesagte, also alles das, was wir übers Online-Dating erfahren, nur sieben Prozent aus. Zu 38 Prozent entscheidet die Stimme über den ersten Eindruck und 55 Prozent machen Gestik, Mimik und Körpersprache aus. Zu 93 Prozent lernt man sein Gegenüber also erst richtig kennen und vervollständigt seinen ersten Eindruck, wenn man sich gegenübersteht. Offline! Also nachdem man seine Wunschvorstellungen schon himmelhoch jauchzend aufgebaut hat.

Schütze sich, wer kann! Vor allem vor zu hohen Wunschvorstellungen

Nun weiß man also, dass der reale Anteil des Kennenlernens viel entscheidender ist als das, was vorher online lief. Aber wie so oft schlägt das Herz den Kopf. Das Herz will sich verlieben, da, in dieses Online-Profil – auch wenn der Kopf Protest anmelden möchte. Wie kann man sich also vor zu hohen Wunschvorstellungen schützen? Diplom-Psychologin Lisa Fischbach empfiehlt Folgendes: „Es ist ein ganz bewusster Prozess. Wenn man merkt, dass man sich zu sehr hineinfallen lässt, ist es wichtig, vorher die Bremse zu ziehen. Man sollte zu sich selbst konkret sagen: ‚Ich habe diese Person noch nicht gesehen, ich lasse es auf mich zukommen!‘ Zum wirklichen Verlieben braucht es die Realität, damit es funkt.“ Abwarten lautet also das Credo. Auch wenn es schwierig ist und sich romantische Wunschvorstellungen immer wieder in den Vordergrund drängen. Wer schwach zu werden droht, denke am besten an die 93 Prozent des Eindrucks, die sich erst beim Treffen in der realen Welt einstellen und folge beim nächsten Online-Date diesen Schritten:

Ein Guide für virtuelles Dating

Egal ob online oder offline, ein Kennenlernen ist so individuell wie der Charakter des Gegenübers. Dennoch zeigt die Erfahrung verliebter Online-Dater, wie die Welt des virtuellen Datings am besten funktioniert.

  1. Sich einen oder auch zwei Gedanken machen
    Das Wichtigste, bevor man sich überhaupt bei einem Online-Dating-Portal anmeldet, ist, sich darüber Gedanken zu machen, nach welcher Person man auf der Suche ist! Wie sollte der Wunschpartner sein, was sollte er mögen, welche Eigenschaften sind wichtig? Checklisten verbieten sich dabei genauso wie ein allzu rigoroses Aussieben von Kandidaten wegen der einen oder anderen Nicht-Übereinstimmung. Eine gewisse Offenheit muss man beim Daten im Internet definitiv an den Tag legen. Dennoch sollte man sich mit klaren Vorstellungen an den Bildschirm setzen. Dann fällt die Auswahl der potenziellen Kandidaten auch viel leichter.
  2. Interesse zeigen
    Die erste E-Mail sollte Aussagekraft haben. Nicht „Hallo lieber ElitePartner, wir haben x Matchingpunkte, wir sollten uns kennenlernen“. Das ist ungefähr so individuell wie eine All Inclusive Pauschalreise. Stattdessen ist Kreativität gefragt, man sollte auf die Eigenschaften und Interessen eingehen, die einem am anderen gefallen – und sich selbst dabei locker ins Spiel bringen. Eine Mischung aus Fragen und einer kleinen Prise Öffnung der eigenen Person, das Ganze in knappen fünf Zeilen. An das Ende der E-Mail gehören eine verbindliche Frage und das Verabschieden mit dem eigenen Namen. Nicht „Deine S.“. Wer den eigenen Namen nicht preisgeben will, bietet dem Gegenüber Anlass für Misstrauen – kein guter Start in einen verheißungsvollen Flirt, oder?
  3. Richtig und knapp kommunizieren
    Am PC: Die Kontaktaufnahme war erfolgreich, man schreibt sich, es ist locker, interessant, spannend und keinesfalls zäh. Es läuft. Wie beim Pingpong. Dann sollte man im Fluss bleiben, aber bitte ohne die gesamte eigene Lebensgeschichte preiszugeben. Dafür ist bei späteren Treffen noch genügend Zeit. Haben Sie ein paar Mal geschrieben, ist die Frage erlaubt: „Wollen wir telefonieren?“ Am Telefon gilt: Am besten lässt man eine nette Small-Talk-Atmosphäre entstehen. Erzählen Sie etwas, aber bitte nicht endlos. Stundenlange Telefonate fördern Traumbilder und schüren Sehnsüchte, die in der Realität eventuell nicht erfüllt werden. Ein, zwei Telefonate reichen aus, dann folgt im Idealfall ein richtiges Treffen.
  4. Ein kurzes Treffen arrangieren
    Das erste Treffen ist dazu da, um ein zweites zu vereinbaren! Gemeint ist: Am besten plant man für das erste Treffen ein kurzweiliges Date, lädt den anderen auf einen Kaffee ein, auf ein Glas Wein, zum Spazierengehen, Eisessen oder Mittagessen. Beim ersten Treffen stellt man ohnehin innerhalb weniger Minuten fest, ob es weitergehen soll oder nicht. Ist das Gegenüber so, wie man es sich vorgestellt hat? Funkt es sogar schon? Wenn das erste Treffen auf Anhieb so toll ist, dass man nicht voneinander lassen möchte, kann man es natürlich verlängern. Oder im umgekehrten Fall auch abkürzen, was besser ist, als in einer peinlichen Situation verharren zu müssen, weil man nach 30 Sekunden bereits „Passt leider nicht“ denkt.

Beim realen Kennenlernen hat man nun alle Zeit der Welt, sich auszutauschen, Gemeinsamkeiten herauszufinden und Vertrautheit zu schaffen. Jetzt ist die Gelegenheit, festzustellen, ob das erste Date ein Glückstreffer ist, oder nicht. Viele Online-Dater denken, dass man durch langes Hin- und Herschreiben und endlose Telefonate im Vorfeld bereits eine Basis schaffen kann und somit die Chance erhöht, dass es funkt. Vielleicht hat man es dadurch beim ersten Treffen leichter in puncto Gesprächsthemen oder erste Vertrautheit. Allerdings beeinflusst es in den seltensten Fällen die Verliebtheit. Man verliebt sich in der Realität – in dem Moment, in dem man sich sieht und einander erlebt.

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