Studie Beziehungen Paare

Das Geheimnis einer glücklichen Partnerschaft

von: Saskia Balke

Manche Paare sind glücklicher miteinander als andere - was machen sie besser? In Deutschlands größter Partnerschaftsstudie ging ElitePartner dieser Frage nach. Die Forschungsergebnisse zeigen, was glückliche von unglücklichen Paaren unterscheidet - und wie jeder Einzelne seine Beziehungszufriedenheit steigern kann.

Enge Bindungen sind evolutionäre Überlebensstrategie

Die Ehe gilt in der modernen Gesellschaft als Auslaufmodell, nicht aber die glückliche Beziehung: Auch wenn sich die Lebens- und Liebesentwürfe wandeln und laut Statistischem Bundesamt jede dritte Ehe geschieden wird, strebt ein Großteil der Menschen danach, eine Beziehung einzugehen. Das ist wenig überraschend, liegt doch das Bedürfnis nach sozialen Bindungen in unserer genetischen Ausstattung begründet. In der Evolution war es für ein Individuum lebensbedrohlich, isoliert zu sein, erfolgreich überlebten hingegen jene, die sich an ihre Sippe banden. Die Wissenschaftler John Cacioppo und Louise Hawkley werteten für ihre Übersichtsstudie zum Thema „Soziale Beziehungen und Gesundheit“ 148 Studien mit Daten von 30.000 Probanden aus und stellten fest: Wer von starken sozialen Bindungen umgeben ist, lebt länger als jemand, der schwächer eingebunden ist. Für den Mensch als soziales Wesen zählen enge Bindungen also zur evolutionären Überlebensstrategie. Gerade weil dem Lebensbereich Partnerschaft damit eine so große Bedeutung zufällt, stellt sich die Frage, wie Paare diesen auf lange Zeit positiv erleben können.

Deutschlands größte Partnerschaftsstudie ergab: Glückliche Paare lieben anders

70 Prozent der Deutschen halten laut unserer ElitePartner-Studie eine dauerhafte, erfüllte Partnerschaft für ein besonders erstrebenswertes Ziel im Leben. Doch diese ist im Alltag vielen Störfaktoren ausgesetzt. Sich nah zu sein und vor allem zu bleiben, kann in unserer schnelllebigen Welt ein kleiner Kraftakt sein. Wir gingen in Deutschlands größter Partnerschaftsstudie der Frage nach, wie sich glückliche Paare von unglücklichen unterscheiden und befragten dafür 25.615 Menschen in Deutschland nach ihrer Zufriedenheit in ihrer Beziehung. Dabei stellte sich heraus, dass manche Paare bessere Voraussetzungen für eine erfüllte Partnerschaft haben als andere. Doch das muss keine Einbahnstraße sein: Auch das Verhalten entscheidet darüber, wie zufrieden beide Partner mit ihrer Beziehung sind. Insofern haben Paare auch unabhängig von ihrer „Ausstattung“, die sie in die Beziehung mitbringen, die Möglichkeit, ihre Beziehung selbstbestimmt glücklich zu gestalten und immer wieder aktiv Einfluss auf ihren Verlauf zu nehmen.

In diesen 10 Bereichen unterscheiden sich glückliche und unglückliche Paaren am stärksten

90 Prozent der deutschen Paare sind glücklich mit ihrer aktuellen Beziehung, so das Ergebnis der ElitePartner-Studie. Jeder Zweite ist sogar sehr glücklich. Fast alle erleben ihre Beziehung so positiv, dass 98% gar überzeugt sind, für den Rest des Lebens mit ihrem Partner glücklich zu bleiben. Glückliche Paare sind also romantisch und streben entgegen desillusionierender Trennungs- und Scheidungsstatistiken das Ideal der immerwährenden Liebe an. Offenbar bringen sie ein Rezept für ein erfülltes gemeinsames Leben mit, das sich in vielen Lebensbereichen positiv auswirkt und die Bereitschaft für eine möglichst lebenslang andauernde Partnerschaft einerseits bewirkt und andererseits überhaupt erst ermöglicht.

  1. Sexuell zufrieden (glücklich Liierte: 89% | unglücklich Liierte: 24%)
  2. Zusammen so oft wie möglich (glücklich Liierte: 91% | unglücklich Liierte: 35%)
  3. Häufiger Austausch über Ansichten und Zukunftswünsche (glücklich Liierte: 91% | unglücklich Liierte: 40%)
  4. Viele gemeinsame Interessen (glücklich Liierte: 80% | unglücklich Liierte: 29%)
  5. Viele ähnliche Charakterzüge (glücklich Liierte: 68% | unglücklich Liierte: 23%)
  6. Ähnliches Nähe-Freiraum-Bedürfnis (glücklich Liierte: 88% | unglücklich Liierte: 43%)
  7. Konflikte austragen und schlichten können (glücklich Liierte: 89% | unglücklich Liierte: 47%)
  8. Völliges Vertrauen in den anderen (glücklich Liierte: 98% | unglücklich Liierte: 56%)
  9. Häufiger Austausch über Tageserlebnisse/Organisatorisches (glücklich Liierte: 93% | unglücklich Liierte: 52%)
  10. Ähnliche Einstellung zu Finanzen (glücklich Liierte: 78% | unglücklich Liierte: 40%)

Glücklich Liierte sind mit ihrem Sexleben dauerhaft zufrieden

Sex führt in der ElitePartner-Studie die Liste der größten Unterschiede an: Bei den Angaben zum Liebesleben differieren die Angaben der sehr glücklich und der eher unglücklich Liierten besonders stark. Knapp 90 Prozent der Paare, die sich als sehr glücklich bezeichnen, sind mit ihrem Liebesleben zufrieden. Die sexuelle Zufriedenheit der mit ihrer Beziehung eher Unglücklichen ist deutlich niedriger: Nur jeder Vierte stimmt dieser Aussage zu.

Offenbar schlägt sich die Zufriedenheit der Partner also in einer erfüllteren Sexualität nieder, während in einer eher unglücklichen Beziehung – möglicherweise verursacht durch Konflikte oder ein Mangel an gemeinsam verbrachter Zeit – negative Auswirkungen auf das Liebesleben zu beobachten sind. „Auch wenn sexuelle Spannung häufig eher mit einem gewissen Grad an Fremdheit oder Gegensätzlichkeit in Verbindung gebracht wird, zahlt in einer Gleichklang Beziehung stärker auf das körperliche gemeinsame Erleben ein“, konstatiert Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. „Sexuelles Erfülltsein ist ein sehr subjektiver Wert, den Paare in einer zufriedenstellenden Beziehung positiver bewerten als in einer eher unglücklichen Beziehung – unabhängig von der tatsächlichen Qualität oder Quantität.“. Das hängt auch mit der Funktion von Sexualität zusammen, die sich im Laufe einer Partnerschaft wandelt. „Zu Beginn trägt häufig ausgelebte Sexualität zum Entstehen einer tieferen Bindung bei. Je länger eine Partnerschaft anhält, desto mehr nähestiftende Bindungselemente kommen hinzu, beispielsweise gemeinsame Freundeskreise, Kinder oder Besitztümer. Sexualität entscheidet nicht mehr allein über das Zusammengehörigkeitsgefühl“, so Fischbach. „Entscheidend ist, dass er als körperlicher und sehr intimer Ausdruck in der Häufigkeit und Qualität stattfindet, den beide Partner als erfüllend erleben. Herrscht hier Ausgewogenheit zwischen den Partnern, kann das sehr stabilisierend wirken.“

Noch wichtiger als Herkunft und Charakter ist ein ähnliches Verhalten

Am stärksten unterscheiden sich die Glücklichen von den Unglücklichen in jenen Variablen, die sich durch individuelles Aufeinandereinlassen, Verhalten, Aufmerksamkeit steuern lassen – und weniger in feststehenden Parametern wie Herkunft oder Charakter. Nicht nur beim Liebesleben haben die glücklich Liierten die Nase vorn, sie verbringen auch mehr Zeit gemeinsam : „Wir sind so oft wie möglich zusammen“, gaben 91 Prozent der zufriedenen Paare an, aber nur 35 Prozent der eher unglücklichen. Offenbar unterhalten sich die Glücklichen dabei auch angeregt: Der kommunikative Austausch ist 91 Prozent jedenfalls ebenso wichtig wie Zweisamkeit, was aber nur 40 Prozent der eher Unglücklichen bestätigen können. Um stolze 50 Prozentpunkte unterscheiden sich auch die gemeinsamen Interessen und Hobbys – knapp 80 Prozent der Zufriedenen sind auf einer Wellenlänge.

Ähnliche Charaktereigenschaften, die 68 Prozent der sehr glücklich Liierten feststellen, aber lediglich 22 Prozent der Unglücklichen, sind daher zwar vorhanden, aber eher nachgelagert. Das gilt auch für die Einstellung zum Thema Politik und Finanzen, die über 70 Prozent der Glücklichen teilen, aber nur um die 40 Prozent der Unglücklichen. Und auch die Neigung zu einem ähnlichen sozialen Umfeld und einem vergleichbaren Bildungshintergrund lässt sich bei glücklichen Paaren beobachten, rangiert aber ebenfalls hinter dem Beziehungsverhalten: Die Zufriedenen haben gemeinsame Freunde , stammen aus ähnlichen familiären Verhältnissen und verfügen über ein ähnliches Bildungsniveau.

„Eine glückliche Partnerschaft ist kein Selbstläufer“

Hier wird deutlich, dass nicht zu beeinflussende ähnliche Parameter wie Herkunft und Charakter zwar durchaus eine Rolle spielen, als noch wichtiger erweisen sich aber ähnliche Verhaltensweisen und Gestaltungsansätze, also Variablen, auf die Paare sehr wohl Einfluss nehmen können – und sollten. Paarberaterin Lisa Fischbach rät: „Die Partner können viel dafür tun und damit selbst bestimmen, dass beide ihre Beziehung als bereichernd wahrnehmen. Eine positiv erlebte Partnerschaft ist kein Selbstläufer! Paare müssen in ihre Zweisamkeit investieren, etwa mit Zuwendung, auch körperlicher Art, gemeinsam verbrachter Zeit, Interesse für die Belange und Erlebnisse des Partners und wertschätzendem Umgang. Dass Liebe Aufmerksamkeit und Pflege braucht, ist ein Gesetz, das sich nicht aushebeln lässt. Liebe ist nun mal kein in Stein gemeißelter Zustand, der einfach so bleibt, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen Entwicklung. Deshalb ist es vorteilhaft für die Stabilität einer Partnerschaft, wenn beide Partner an den Wachstum in ihrer Beziehung glauben und sich dafür engagieren.“

Eine positive Haltung in der Partnerschaft ist eine weitere tragende Säule

Die Ergebnisse der ElitePartner-Studie stützen die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Münchner Psychologen und Autoren Eva Wunderer und Klaus Schneewind. Sie stellten bereits 2001 im Rahmen ihres Projektes „Was hält Ehen zusammen?“ bei der Untersuchung an Langzeit-Paaren fest, was die wichtigsten Bindungselemente zwischen zwei Partnern sind: Toleranz, Vertrauen, Offenheit, Liebe, Konfliktlösefähigkeit und Solidarität. Dafür befragten sie 663 Ehepartner, die in erster Ehe verheiratet waren, nach dem Erfolgsrezept für ihre Beziehung. Auch Positivität erwies sich als entscheidende tragende Säule. „Von einem hohen Ausmaß an Positivität in der Beziehung sprechen wir dann, wenn die Partner das Gefühl haben, in einer sicheren und verlässlichen Beziehung zu leben, wenn sie sich verbunden fühlen, persönliche Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Partnerschaft übernehmen und zufrieden mit ihrer sexuellen Beziehung sind“, so die Autoren im Artikel „Das Beziehungsrezept“, erschienen in der Psychologie heute.

Die Bedeutung der positiven Haltung bestätigt auch die aktuelle ElitePartner-Studie von 2016: 92 Prozent der Paare fühlen sich vom Partners gewertschätzt und geliebt, eine Empfindung, die Geborgenheit und Sicherheit vermittelt. So wird eine Beziehung zur stabilen emotionalen Basis, die Halt, Orientierung und Verlässlichkeit bietet. Dass beide Partner auf den anderen zählen können, ist dabei von großer Bedeutung: 98% der sehr glücklich Liierten in der Studie 2013 vertrauen ihrem Partner voll und ganz, was aber nur auf rund die Hälfte der eher unglücklich Liierten zutrifft, Frauen sind hierbei etwas weniger vertrauensselig. Viele Paare spüren, dass ihr Partners an ihrer Person interessiert ist und stellen zugleich fest, dass er auf ihr Leben positiv Einfluss nimmt: 88 Prozent der 2016 Befragten geben an, dass ihr Partner sich für ihre Gedanken- und Gefühlswelt interessiert, 85 Prozent fühlen sich von ihm inspiriert und bereichert. Hier ist ein Wechselspiel aus gegenseitigem Verständnis und einer erweiterten Perspektive wirksam, das sich aus der positiven Dynamik von Paarbeziehungen ergibt und zu einer als erfüllt erlebten Partnerschaft führt.

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