Wenn der neue Partner verschwindet

Vom Erdboden verschluckt: Wenn der neue Partner plötzlich verschwindet

von: Saskia Balke

Plötzlich taucht der neue Partner ab, ohne eine Nachricht, ohne ein Wort. Und zwar nicht nach ein paar Dates, sondern nach den ersten Beziehungswochen oder sogar -monaten. Der andere bleibt mit vielen Fragezeichen im Kopf zurück. So wie Amy, die im ElitePartner-Forum nach Antworten sucht. Was steckt hinter solch einer Flucht? Psychologin und Paarberaterin Lisa Fischbach liefert Antworten.

„Es fühlte sich nach Zusammensein an“

Amy2806, so nennt sich die Frau im ElitePartner-Forum, ist ratlos. Zwei Monate lang fühlte sie sich nicht mehr als Single, nachdem sie ihren neuen Partner im Internet kennengelernt hatte. „Es hat sofort gefunkt und dass es seinerseits auch so war, ja – man spürt es einfach.“ Zwar trennten die beiden zunächst 1000 Kilometer, doch als er für den Job nach München zog, besuchte sie ihn, beide schmiedeten Wiedersehenspläne. Sogar seiner Mutter hatte er von ihr erzählt. „Es fühlte sich wirklich nach Zusammensein an“, schreibt Amy, „in allem, was er tat, und ich bin wirklich vorsichtig in diesen Dingen.“

„Keine Reaktion“

Dann jedoch veränderte sich das Verhalten. „Ich merkte in den letzten zwei Wochen, dass er distanzierter wurde und sprach ihn darauf an.“ Er erwähnte nur, dass seine Wohnungssuche ihn belaste, ging aber nicht weiter auf Amys Bemerkung ein. Immer öfter erhielt Amy keine Reaktion auf ihre Nachrichten. Dann hatte er noch geschrieben, dass er umgezogen sei. Das war das letzte, was Amy von ihm hörte. Alle ihre Liebesschwüre und Fragen blieben daraufhin unbeantwortet. „Sprachlos nach Zweimonatsbeziehung“, so lautet der Titel von Amys Fragestellung im Forum. Tatsächlich aber liegt schon in dieser Überschrift die Erklärung dazu, was ihr passiert ist.

Die Verbindung hatte in der Realität noch keine Wurzeln geschlagen

„In diesem Fall ist die Kommunikation auf der Strecke geblieben“, sagt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. „Amys Partner befand sich offenbar gerade in einer massiven, persönlichen Umbruchphase, die den Kontakt belastete und schließlich den Abbruch einläutete. Seine Prioritäten haben sich verändert, nur hat er sich dazu nicht verbal geäußert. Womöglich aus Angst, Amy zu enttäuschen oder auch, weil er die Beziehung weniger verbindlich empfunden hatte.“ Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass die zweimonatige Partnerschaft in der Realität womöglich nämlich noch gar keine Wurzeln hatte schlagen können.

Mehr Illusion als Wirklichkeit

5000 Nachrichten hatte Amy von dem Mann bekommen, pro Tag müssen es mehr als 80 gewesen sein. Gesehen hatten sie sich aber nur acht Tage. „Gerade beim Online-Dating ist es schwierig, wenn die schriftliche Kommunikation überwiegt und die persönliche Begegnung eher reduziert stattfindet. Die Virtualität des Kontakts und eine Verbindung, die überwiegend über geschriebene Nachrichten geschaffen wird, lässt viel Raum für Projektionen und Fantasien. Die können der Realität häufig nicht standhalten“, erklärt Lisa Fischbach. Amys Partner zog es vor, aus dieser „Blase“ auszusteigen. Auch Forennutzerin Pia 62 meint: „Für mich klingt das nach Strohfeuer und Senkrechtstart ins Nirvana.“

Zu schnell zu viel

Wenn zwei Menschen sich begegnen und sich mit Begeisterung in eine Beziehung stürzen, kann die Realität manchmal einfach nicht mithalten. So erlebte es auch ein männlicher Forums-Nutzer: „Ich brach einen intensiven und sehr schönen Kontakt ab, weil es für mich zu viel auf einmal war.“ In einem anderen Thread schildert eine Frau ihre Motive, aus denen heraus sie einen Kontakt wortlos beendete: „Es war mir zu schnell, plötzlich war mein Leben nach zwei Wochen für den Rest meines Lebens fest verplant. Ich habe den Mann erst kennengelernt und habe mir immer vorgestellt, eine Beziehung in Ruhe und Gelassenheit aufzubauen.“ >> Hier geht’s zur Forendiskussion. Jeder hat sein eigenes Tempo, sich auf eine Beziehung einzustellen. „In einer noch frischen Partnerschaft sollten beide ihre Antennen aufrichten und lieber einen Gang zurückschalten, um eine echte Beziehung reifen zu lassen“, rät Lisa Fischbach. „Das braucht in der Regel seine Zeit.“

Die Vorzeichen deuten

Wer wie Amy von einem plötzlichen Kontaktabbruch betroffen ist, möchte gerne abschließen, doch ohne Antworten des anderen fällt das schwer. Es kann aber Licht ins Dunkel bringen, die bisherige Entwicklung der Beziehung zu reflektieren. „Ich bin davon überzeugt, dass so ein Kontaktabbruch nicht ohne vorherige Anzeichen passiert. Es gibt vorher immer Signale, dass etwas nicht ganz rund läuft. Das Problem ist nur, dass der oder die Interessiertere/Verliebtere das nicht sehen möchte“, mutmaßt ein Forenteilnehmer. Auch in der einjährigen On-Off-Beziehung von FiLu970 muss es diese Vorwarnungen gegeben haben: Wie die Fragestellerin beschreibt, gingen dem Kontaktabbruch mehrere Trennungen voraus. Trotzdem starb die Hoffnung der beiden offenbar zuletzt: Gerade erst hatte FiLus Partner ihr sogar den Vorschlag gemacht, sich eine gemeinsame Wohnung zu suchen. Was nach einem tollen Vorsatz fürs neue Jahr klingt, ist vor dem Hintergrund der offenbar unsicheren Bindung jedoch eher Ausdruck einer Hoffnung, die in der Realität wenig Nährboden fand.

„Ich hatte Sorge, dass etwas passiert ist“

Im ElitePartner-Forum berichtet FiLu, wie ihr Freund von einem Moment auf den anderen aus ihrem Leben verschwand: Silvester musste er arbeiten, er kündigte noch an, dass sie dann am frühen Neujahrsmorgen anstoßen könnten. Nach dieser SMS hörte FiLu nichts mehr von ihm. „Er kam nicht. Er meldete sich nicht. Er war nicht telefonisch erreichbar, auf SMS keine Reaktion.“ >> Lesen Sie hier mehr. Aus Sorge, dass etwas passiert sein könnte, fuhr sie zu seiner Wohnung, sein Auto stand vor der Tür, doch die blieb verschlossen. Warum er plötzlich abgetaucht ist, kann sich FiLu einerseits nicht erklären – andererseits zeichnete sich die Entwicklung durch den On-Off-Charakter der Beziehung bereits ab. Vielleicht hatte auch ihr Partner Sehnsucht nach einer intakten Partnerschaft und einem Leben zu zweit – entschied sich aber dennoch dagegen, diesen Schritt mit FiLu umzusetzen. „FiLu hat womöglich ein Gespür dafür, woran es gelegen hat, wenn sie ehrlich in sich blickt und auf die Art, wie sie sich in der Beziehung gegeben hat. Hat wirklich alles so gut gepasst, wie sie das sehen und fühlen wollte?“, konstatiert Lisa Fischbach.

Warum Menschen wortlos abtauchen

Bleibt aber noch die Frage, warum die Partner von Amy und FiLu ihre Trennungsabsicht nicht einfach thematisiert haben. Paarberaterin Lisa Fischbach sieht mangelnde Konfliktfähigkeit als einen der entscheidenden Auslöser für diese Sprachlosigkeit, die zu Situationen wie diesen führt: „Mir ist es bisher drei Mal passiert, dass sich die Frauen dann für drei Wochen in den Urlaub verabschiedet haben und ich dann nie wieder etwas von ihnen gehört oder gelesen habe“, berichtet ein weiterer ElitePartner-Forum-Teilnehmer. Nicht jeder hat es gelernt, die eigenen Entscheidungen zu vertreten und die dadurch verletzten Gefühle des anderen auszuhalten. Diese Menschen machen es sich einfach und finden es akzeptabel, sich jeglicher Kommunikation zu entziehen. Amalfitana kann daran nichts Verwerfliches finden: „Das passiert doch immer wieder, dass entweder er oder sie nach einer Weile, wenn’s eben nicht richtig passt, Funkstille einleitet. Ich habe das schon bei manchen Männern oder Freundinnen gemacht, dass ich den Kontakt kommentarlos abgebrochen habe.“

Die Abtauch-Taktik: Weit weg von jeder Wertschätzung

Aus Sicht des „Abtauchers“ ist der plötzliche Kontaktabbruch die einfachste Lösung, denn in den meisten Fällen führt er sicher zum Ziel des Konfliktvermeiders: Dem Beenden der Beziehung ohne Auseinandersetzungen. Doch eine solche Abtauch-Taktik ist weit weg von jeder Wertschätzung. Liebe und Partnerschaft erfordern Empathie, schließlich geht es um menschliche Gefühle und nicht um eine lästige Angelegenheit, die man einfach ad acta legen kann. „Offenheit und ein konstruktiver Umgang mit Konflikten sind wichtige Voraussetzungen für eine gelingende Beziehung. Meiner Meinung nach gibt es wenige Gründe, diese Kompetenzen nicht frühzeitig und immer wieder zu üben“, fasst Lisa Fischbach zusammen. Trösten können sich wortlos Verlassene immerhin damit, dass dem Ex-Partner diese wichtigen Voraussetzungen für eine stabile Partnerschaft ohnehin fehlen. Und sie können aus dieser Erfahrung möglicherweise lernen, die nächste Beziehung bewusster anzugehen sowie ihre Signale besser zu deuten.

Autorin

Saskia
Balke

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