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Familienplanung: Warum Männer oft kalte Füß kriegen
Familienplanung: Warum Männer oft kalte Füß kriegen (Kategorie: Kennenlernen)
Irgendwann kommt in einer Beziehung der Punkt, an dem sie gern den nächsten Schritt machen möchte. Schließlich läuft alles super. Blöd nur, dass ihn dann oft die nackte Panik ergreift. Männer und Frauen ticken unterschiedlich, wenn es um die Familienplanung geht. Lesen Sie hier, warum das so ist.

Sabrina und Jakob waren bereits seit zwei Jahren ein Paar. Dann wollte Sabrina ein Kind. Sie war damals 33. Jakob, ein Jahr älter, sagt, er sei noch nicht so weit gewesen: "Mir ging das alles zu schnell. Ich hatte mich mit dem Thema überhaupt noch nicht beschäftigt." Wie viele Männer hatte Jakob keine festgelegte Familienplanung und fühlte sich überfahren. Single-Coach Lisa Fischbach sagt: "Männer planen ihren Kinderwunsch anders als Frauen. Er ist meist stärker von der Partnerschaft als solcher abhängig und gehört nicht so stark ins Selbstkonzept wie bei Frauen."

Bitte keine Verantwortung

Jakob konnte sich nicht vorstellen, wie es wäre, Vater zu sein: "Außerdem hatte ich mich gerade mit selbstständig gemacht. Wie hätte ich da eine Familie ernähren können?" Noch immer sind es häufig die Männer, die sich in der Pflicht sehen, als Alleinverdiener für die Familie finanziell aufzukommen. Auch die eigene Karriereplanung zurückzustellen, kommt für viele nicht in Frage. So weit ist unsere Gesellschaft leider trotz allem noch nicht.
Lisa Fischbach: "Die verbreitete familienfeindliche Unternehmenspolitik macht das Ja zum Kind zusätzlich schwer. Männer fürchten nicht nur ihren Freiheitsverlust und die Verantwortung für ein Kind, sondern auch berufliche Nachteile, wenn sie sich für eine Elternzeit entscheiden." In Deutschland bleibt die Emanzipation dank der Unternehmens- und Familienpolitik leider auf der Strecke. Sobald Kinder da sind, etablieren sich daher schnell alt hergebrachte Rollenmuster: Er konzentriert sich auf die Arbeit, sie auf die Kinder. Das belegt unlängst auch eine Allensbach-Studie: 21 Prozent der Männer möchten erst dann ein Kind, wenn sie sicher sein können, dass es ihre beruflichen Chancen nicht gefährdet. Viele beruflich stark eingespannte Väter bedauern übrigens, so wenig Zeit für ihren Nachwuchs zu haben.

Männern sitzt die Zeit nicht im Nacken

Jakob fand es zwar schmeichelhaft, dass Sabrina sich vorstellen konnte, mit ihm eine Familie zu gründen. Aber er musste das erst einmal sacken lassen. Für Sabrina war das okay: "Ich wollte ja nicht sofort damit anfangen", sagt sie. Deshalb ließ sie Jakob die Zeit, die er brauchte, um sich an den Gedanken zu gewöhnen. "Ich habe natürlich schon gehofft, dass dadurch der Stein bei ihm ins Rollen kommt", gibt sie zu. Aber sie fühlte sich mehr und mehr unzufrieden in der Warteschleife.

Tatsächlich konnte Jakob sich nämlich nicht dazu durchringen, auf Sabrinas Wunsch einzugehen. "Der Kinderwunsch ist eine sehr elementare Frage", sagt Lisa Fischbach. "Bei einem so grundsätzlichen Thema gibt es wenig Verhandlungsspielraum." Am ehesten geht das noch beim Zeitpunkt – aber eben auch nicht immer. Frauen haben nicht ewig Zeit, irgendwann tickt die biologische Uhr. Im Gegensatz dazu stehen Männer nicht so sehr unter Zugzwang. Eine unausgeglichene Situation.
Ein tief verwurzelter Kinderwunsch lässt sich nicht wegdiskutieren. Ein Problem für viele Paare: "Wer diese Sehnsucht aus Angst vor dem Verlust der Partnerschaft in den Hintergrund stellt, schadet sich auf Dauer selbst", so Psychologin Lisa Fischbach. Denn das kommt als Bumerang zurück. "Oft kommen die Enttäuschung und der Frust darüber als Aggression gegenüber dem Partner wieder hoch. Besonders, wenn der verdrängte Kinderwunsch nicht vollständig bewältigt und abgehakt ist."

Bedenklicher Trend

Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fand heraus, dass insbesondere hoch qualifizierte und gebildete Männer immer häufiger kinderlos bleiben, bzw. erst in höherem Alter Vater werden. Ein Dilemma für die Frauen, denn von ihnen bleibt inzwischen fast die Hälfte ohne Kind. Diesen Trend bestätigt auch das Institut für Wirtschaftsforschung: Die Zahl der lebenslang Kinderlosen steigt weiter. Doch nicht nur beruflicher Erfolg, auch ein geringes Einkommen hemmt den Kinderwunsch, so die Studie. Eine bedenkliche Entwicklung: Kinder werden von vielen als Hemmnis oder gar als Belastung empfunden. Besonders Frauen leiden darunter, dass sich viele Männer nicht mehr dazu durchringen mögen, eine Familie zu gründen. Jakob und Sabrina sind inzwischen getrennt. Sabrina hatte Glück: Sie fand mit Mitte 30 einen Partner, mit dem sie vor Kurzem eine Familie gegründet hat. Jakob ist Single. Einige kurze Beziehungen sind bereits daran gescheitert, dass er sich nicht auf den Kinderwunsch seiner Partnerin einlassen wollte. Aber auch er kann sich mittlerweile vorstellen, einmal eine Familie zu gründen. Irgendwann. Als Mann, so sagt er, habe er ja die biologische Uhr nicht so im Nacken.

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