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Selbstsabotage
Selbstsabotage (Kategorie: Partnersucheblog)
Was steckt hinter Ihrer Angst vor Nähe? Wenn Sie dies wissen, sind Sie schon auf dem besten Wege ...

Große Hoffnungen, viele Gefühle, alles schien diesmal wie füreinander gemacht. Und dann war es doch nicht das Wahre. Wie kann das sein? Mal wieder getäuscht, sich selber geblendet, sich das Ganze schön geredet?

Liegt es wirklich nur daran, sich immer wieder in den Falschen zu verlieben? Doch langsam beschleicht einen das Gefühl, dass sich hier ein Muster wiederholt…
So auch bei Nadine. Letzte Woche suchte sie bei mir in meiner Hamburger Praxis Rat. Sie ist Krankenschwester, 41 und hat zwei Kinder, lebt in Kiel. Vor gut zwei Monaten hat sie über ElitePartner.de Sebastian (45) kennen gelernt. Er ist Winzer in Losheim am See. Obwohl sie weiß, dass 738 km zwischen ihnen liegen, nimmt sie Kontakt zu ihm auf. Eine Woche lang telefonieren sie täglich bis spät in die Nacht. Ohne sich gesehen zu haben, fühlen sich beide bereits verliebt. Nach zwei Wochen reist sie übers Wochenende zu ihm. Sie verbringen eine traumhafte Zeit, liebevoll, romantisch, gleich hat es gefunkt. Sebastian ist ein einfühlsamer Mann, bei dem sich Nadine schnell geborgen fühlt. Sie erzählt daher von ihren gescheiterten Erfahrungen seit der Trennung von ihrem Ex-Mann. Die letzten beiden Versuche waren ebenfalls Fernbeziehungen, aber daran hat es ihrer Meinung nicht gelegen. Es waren einfach nur nicht die Richtigen. Bei Sebastian hat sie ein ganz anderes, ein sicheres Gefühl.

Nach der wunderbaren Zeit kehrt sie glücklich nach Kiel zurück. Zwei Wochen später kommt Sebastian zu ihr in den Norden. Nadine möchte, dass er die Kinder kennenlernt. Die gemeinsamen Stunden verlaufen harmonisch, das Miteinander wird sehr viel näher. Sie sprechen über ihre Zukunft, wie mehr Nähe und Verbindlichkeit geschaffen werden könnte. Einige Varianten werden diskutiert, denn eins steht fest: So kann es auf Dauern nicht weiter gehen. Knapp 750 Kilometer sind definitiv zu viel. Einige Tage nach seiner Abreise beschleichen Nadine jedoch erste Zweifel, ob das alles Sinn macht. Schließlich könne sie wegen der Kinder und des Jobs nicht so schnell aus Kiel weg und auch er könne seine Weinberge nicht einfach in den Koffer packen. Nach einer schlaflosen Nacht schreibt sie ihm eine Email und macht Schluss. Auf seine Versuche, mit ihr zu sprechen, reagierte sie nur noch abweisend.

In unserem Gespräch wird klar, dass Nadine nach der sehr schmerzvollen Trennung von ihrem Ehemann Angst hat, sich zu öffnen und verletzbar zu machen. Sich einen Partner auszuwählen, den man aufgrund beruflicher Umstände oder weil er in einer anderen Stadt wohnt, selten sieht, liegt meist in einen unbewussten Selbstschutzmechanismus begründet. Die "Unerreichbarkeit" dient als Schutz vor zu viel Nähe. Zwei Tendenzen konkurrieren dabei unbewusst in der Seele. Zum einen wird eine Sehnsucht nach einer festen Beziehung empfunden, anderseits existiert die Angst, verletzt zu werden. Wählt man sich eine Konstellation, in der immer etwas zwischen einem steht, muss man die Angst vor zu viel Nähe nicht spüren, weil die Beziehung aufgrund äußerlicher Kriterien faktisch gar nicht möglich ist. Der Grund eines solchen Beziehungsmusters liegt meist in einem "unsicher-vermeidenden" Bindungsstil. Ausschlaggebend für die Entwicklung eines Bindungsstils sind die Erfahrungen des Kleinkinds in den ersten Lebensjahren mit seinen primären Bezugspersonen. Diese prägen in hohem Maße die Grundhaltung in den erwachsenen Liebesbeziehungen.

Zum Glück sind Bindungsstile aber nicht für immer festgelegt. Durch positive Beziehungserfahrungen und therapeutische Arbeit können im Laufe des Lebens alte Muster abgelegt werden und Vertrauen in sichere Beziehungen entwickelt werden. Doch zunächst gilt es, den unbewussten Teufelskreis zu durchbrechen, indem man sich die unbewussten Muster, die zum Scheitern führen, bewusst vor Augen führt. Als erstes gilt es wahrzunehmen, was hinter der Angst vor Nähe steckt. Wer sich selber klarer erkennt und die Ursachen verstehen lernt, ist einen großen Schritt weiter in Richtung Veränderung und ebnet sich den Weg in eine glückliche Partnerschaft.


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3 Antworten zu “Selbstsabotage”

  • Aileen sagt:

    Mich würde interessieren, wie dieser Bindungsstil in der Kindheit zur primären Bezugsperson ausgesehen haben könnte- wenn in der Liebesbeziehung
    Diskrepanzen zwischen Nähe und Distanz vorhanden sind..

  • julia sagt:

    Mir geht es genauso wie Nadine (die Entfernung ist 440km).
    Wir haben uns gestern zum ersten Mal getroffen, es war so wundervoll, dass ich heute, aus voller Angst, schon zweiseitige Gegen-Argumentation geschrieben habe.
    Hilfe! Wenn es so weiter geht, bleibe ich doch für immer allein!

  • Dagmar sagt:

    Julia, nur nicht gleich aufgeben. Lernt Euch doch erst mal richtig kennen, indem Ihr Kontaktstrukturen für Euch aufbaut. Jede Fernbeziehung kann mit den richtigen Strukturen und respektvollem Umgang mit einander gelebt werden. Im Gegenteil, ich finde sogar dass eine Fernbeziehung hilfreich sein kann, bei der Erkenntnis: Wie ernst es die Partner mit einander meinen. Nur Mut versuche es und genieße die Gefühle und das Glück.