Mann hält depressiven Partner im Arm

Depressiver Partner: wie der Umgang mit der Krankheit gelingt

von Luisa Münch , 15. Oktober 2020

Ihr Partner fühlt sich erschöpft und überlastet, es fällt ihm schwer, morgens aus dem Bett zu kommen und seine Lebenslust wurde durch eine innere Leere abgelöst. Solche Gefühle können auf eine Depression hindeuten – eine Krankheit, die Sie unbedingt ernstnehmen sollten. Erfahren Sie, wie der Umgang mit einem depressiven Partner gelingen kann, welche Schritte Sie unternehmen können und wann es für Ihre eigene seelische Gesundheit besser ist, loszulassen.

Inhaltsverzeichnis:

Depression: Kurzportrait und Symptome der psychischen Erkrankung

Die Depression ist eine schwerwiegende psychische Krankheit, an der rund 5 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden1. In jedem Alter können depressive Episoden auftreten. Während der Gipfel der Krankheit meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr liegt, deuten aktuelle Studien darauf hin, dass viele Patienten bereits vor ihrem 30. Lebensjahr an einer Depression erkranken. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer, diagnostiziert wird die Krankheit durch einen Psychologen oder Psychiater. Statt dauerhaft präsent zu sein tritt die Depression eher phasenweise auf. So kann es also sein, dass es Betroffenen viele Monate lang sehr gut geht, bevor eine neue depressive Episode beginnt – die Dauer und Schwere einer solchen Episode hängt von verschiedenen Faktoren ab. Therapien und Medikamente verschaffen Besserung, Suchtmittel wie Alkohol können die depressiven Phasen noch verstärken.

Typische Symptome, die auf einen Partner mit Depression hindeuten

Es gibt unterschiedliche Symptome, die auf eine Depression schließen lassen – im internationalen Klassifikationssystem ICD-102 werden diese aufgeführt. Die Hauptsymptome sind:

  • depressive Stimmungen, nicht zu verwechseln mit Trauer
  • Verlust von Freude und Interessen, dieser wird besonders deutlich bei Tätigkeiten, an denen der Betroffene früher Spaß hatte
  • Antriebslosigkeit, diese kann sich in sämtlichen Bereichen wie dem Job und dem Haushalt, aber auch dem morgendlichen Aufstehen äußern

Hinzu können weitere Symptome wie Konzentrationsstörungen, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, pessimistische Zukunftsvorstellungen, Suizidgedanken, Schlafstörungen und verminderter Appetit kommen. Bei etwa 70 bis 80 Prozent der Patienten geht die Depression außerdem mit Angststörungen einher. Die Schwere einer Depression wird daran eingestuft, wie viele der obigen Symptome ein Betroffener zeigt.

Beziehung mit einem depressiven Partner: Kann das gelingen?

Das Zusammenleben mit einem depressiven Partner kann eine große Belastung darstellen. Nicht selten wird eine Beziehung aufgrund der Depression in Frage gestellt, Beziehungskrisen sind im Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen keine Seltenheit. Doch neben den großen Herausforderungen für beide Seiten kann die Depression auch festigend sein, wenn sie gemeinsam angegangen und überwunden wird. Damit das gelingen kann, lautet die Devise für Angehörige, mitzufühlen, aber nicht mitzuleiden. Leben Sie mit einem depressiven Partner zusammen, sollten Sie sich trotzdem weiterhin an Ihrem Leben erfreuen und sich nicht selbst in ein emotionales Tief ziehen lassen. So sind Sie stark genug, um Ihrem Partner mit Depression unterstützend und verständnisvoll zur Seite zu stehen.

„In welcher Form eine Beziehung mit einem depressiven Partner möglich ist, ist vor allem von der Stärke der Erkrankung abhängig. In akuten Phasen einer schweren depressiven Episode ist kaum ein Miteinander möglich. Wer hingegen medikamentös gut eingestellt ist oder lediglich eine akute depressive Verstimmungen hat, ist in der Lage, eine erfüllende Partnerschaft zu führen“,

erklärt auch unsere Diplom-Psychologin und ElitePartner-Expertin Lisa Fischbach.

Der richtige Umgang mit einem depressiven Partner

Ist die Diagnose Depression einmal gestellt, können Sie Ihrem Partner den Rücken stärken, ihn unterstützen und ernst nehmen. Den Partner zu heilen ist jedoch nicht Ihre Aufgabe, dafür ist dieser selbst verantwortlich. Dessen sollten Sie sich immer bewusst sein. Folgende Tipps helfen Ihnen im Umgang mit Ihrem depressiven Partner:

  • Nehmen Sie die Erkrankung Ihres Partners ernst.
  • Unterstützen Sie in schweren depressiven Episoden bei kleinen Aufgaben wie zum Beispiel dem Organisieren von Arztterminen.
  • Animieren Sie Ihren Partner dazu, Termine einzuhalten und etwaige Medikamente regelmäßig einzunehmen.
  • Schlagen Sie auch weiterhin gemeinsame Aktivitäten vor – seien Sie jedoch nicht enttäuscht, wenn Ihr Partner gerade nicht die Kraft hat, diese mit Ihnen in die Tat umzusetzen.
  • Halten Sie sich mit gut gemeinten Ratschlägen zurück und schlüpfen Sie nicht in die Rolle des Laien-Therapeuten – diese Aufgabe übernimmt ein professioneller Therapeut oder Psychologe.
  • Kennen Sie das Gefühl „Ich kann nicht mehr für meinen depressiven Partner da sein“? Dann suchen Sie sich selbst Unterstützung, beispielsweise in einer Beratungsstelle für Angehörige depressiver Menschen. Denn nur, wenn Sie selbst auf Ihre eigene Gesundheit achten, können Sie Ihrem geliebten Partner zuversichtlich zur Seite stehen.

Lisa Fischbach gibt außerdem folgenden Rat: „Depressionen sind eine Krankheit und Begleitsymptome wie Niedergeschlagenheit, Rückzug und Antriebsarmut kein böser Wille oder Ausdruck fehlender Gefühle, sondern Erscheinungsformen des Störungsbildes. Als Partner sollten Sie sich das immer klar machen und diese Empfindungen nicht persönlich oder gegen sich selbst gerichtet interpretieren. Hilfreich für einen erfolgreichen Umgang mit dem depressiven Partner ist neben einem stabilen und verlässlichen Miteinander, den Partner in Sachen Kommunikation und Gefühlsäußerungen nicht unter Druck zu setzen sowie für gemeinsame Aktivitäten und Beziehungsinhalte zu sorgen.“ 

Wann es besser ist, mit der Beziehung abzuschließen?

Die Depression eines Partners kann sich stark auf die Beziehung auswirken, deshalb sollten Sie besonders achtsam im Umgang mit sich selbst sein. Denn wird die Unterstützung für den Partner mit Depression zu aufopferungsvoll oder macht er sich emotional abhängig von Ihnen, kann es passieren, dass Sie selbst irgendwann keine Kraft mehr haben oder in depressive Phasen abrutschen – dann sollten Sie um Ihrer eigenen Gesundheit Willen den Partner loslassen. Durch die veränderten Gemütszustände und die verringerte Lebenslust des depressiven Partners kann Ihnen auch bewusst, dass er immer weniger der Mensch für Sie ist, in den Sie sich verliebt haben. Stellen Sie also fest, dass Sie keine Gefühle mehr zu Ihrem Partner aufgrund seiner Depression empfinden, ist auch das ein Anzeichen dafür, dass die Beziehung am Ende ist. Sollte der Betroffene aufgrund seiner Depression Aggressionen gegen Sie als Partner zeigen, ziehen Sie rechtzeitig die Reißleine, um sich selbst zu schützen.

Fazit: Mit Geduld und der richtigen Hilfe sind Depressionen heilbar

Depressionen sind eine schwerwiegende psychische Krankheit, die nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Familie und Freunde vor große Herausforderungen stellen. Mit der richtigen Therapie und gegebenenfalls Medikation gibt es heutzutage allerdings sehr gute Heilungschancen für depressive Menschen. Leben Sie mit einem depressiven Partner zusammen, sollten Sie seine Krankheit vor allem ernstnehmen, Geduld mitbringen und Ihren geliebten Menschen bei der Suche nach passender Hilfe unterstützen. Achten Sie gleichzeitig darauf, sich Ihre eigene Lebenslust zu bewahren und schützen Sie Ihre seelische Gesundheit. So kann es gelingen, die Hürde gemeinsam zu bewältigen und gestärkt als Paar aus der Krankheit hervorzugehen.