Mann und Frau Arm in Arm, als Zeichen für Monogamie

Monogamie – Zukunft oder Auslaufmodell?

von: ElitePartner Redaktion

Es ist ein Paradox: Die meisten Menschen in der westlichen Kultur leben in Monogamie oder streben es an. Zugleich wird der implizierte Treueanspruch immer wieder als unrealistisch kritisiert, das Beziehungsmodell monogame Beziehung an sich infrage gestellt. ElitePartner erläutert Bedeutung und Ursprung monogamer Partnerschaften – und warum sie nach wie vor Zukunft haben.

Das Missverständnis über Monogamie und Polygamie

Ist ein monogames Leben möglich oder ist es eine Zumutung, der kaum jemand gewachsen ist? Nahezu kein gesellschaftliches Phänomen wird bis heute derart kontrovers diskutiert wie die Monogamie, deren hohe Anforderungen an sexuelle Treue ihren Kritikern Anlass genug ist, dieses Beziehungsmodell an sich infrage zu stellen. Aber was heißt eigentlich monogame Beziehung? Jakob Pastötter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, erläutert, dass schon bei der Begriffsbestimmung häufig die ersten Missverständnisse entstehen.

„Heute wird Monogamie in Beziehungen sehr häufig verwechselt mit der Aussage, seinem Partner sexuell treu zu sein.“ Tatsächlich bezeichne der Begriff nur die Einehe und sage noch nichts darüber aus, ob oder wie oft die Partner fremdgehen. Zahlreiche Beiträge in der Presse und im Internet beginnen mit der These, dass in 95 Prozent aller menschlichen Gesellschaften Polygamie ohnehin der Normalfall sei. Laut dem Wissenschaftler eine falsche Behauptung: „Polygamie bezeichnet im Gegensatz zur Monogamie ausschließlich die Ehe mit mehreren Partnern. Tatsächlich ist aber in praktisch allen westlichen Gesellschaften Monogamie die vorherrschende Rechtsnorm. Allerdings gibt es zahlreiche Unterstufen.“ In den meisten islamischen Gesellschaften zum Beispiel sei die Polygamie zwar theoretisch zulässig, werde aber de facto meist vermieden, weil sie nicht nur wirtschaftlich, sondern auch organisatorisch und emotional sehr aufwendig sei, so Pastötter. „Bei uns herrscht häufig eine stark idealisierte Pascha-Vorstellung davon, dass man dann als Mann ständig umsorgt wird. Tatsächlich birgt das polygame Leben hohe Anforderungen an den Mann, weil der nicht nur mehrere Frauen und deren Kinder ökonomisch unterhalten, sondern auch an vielen Fronten Streit schlichten und für Frieden sorgen muss.“ Umgekehrt werde Monogamie häufig gleichgesetzt mit einer Art Gefängnis, einem Schauplatz der Triebunterdrückung, an dem früher oder später erotische Langweile vorprogrammiert sei. Auch das hält der Sexualwissenschaftler für ein Vorurteil. „Wie in polygamen Beziehungen geht es auch in Monogamie-Beziehungen nie nur um Sex allein. Wer das annimmt, irrt gewaltig!“

Biologisch verankert: der Wunsch nach einer Paarbeziehung

Was im Hinblick auf die monogamen Partnerschaften dagegen beobachtet werde, so Pastötter, sei die Tatsache, dass die Menschen überall auf der Welt auch außerhalb ihrer Beziehung Sex haben. Daraus aber zu folgern, dass sich die Monogamie als solche als Auslaufmodell erwiesen habe, sei nicht nur ein logischer Fehlschluss. „Einwände dieser Art unterschlagen die zivilisatorische Errungenschaft, die die Monogamie für unser soziales Zusammenleben bedeutet.“ Nicht zuletzt hätten die Menschen auf diese Weise eine Paarbeziehung erschaffen, die Frauen und Kindern eine – seit dem 19. Jahrhundert auch wirtschaftlich und rechtlich – sichere Existenz ermögliche und damit die Familie als Keimzelle der Gesellschaft überhaupt erst möglich mache.

Diese Auffassung teilt auch Thomas Junker, Evolutionsbiologe und Buchautor: „Ich bin überzeugt, dass man Menschen nicht gegen ihre Natur zur Paarbildung zwingen könnte, wenn sie nicht in uns angelegt wäre.“

Und: Auch wenn die romantische Liebe im 19. Jahrhundert durch die Festlegung der Eigentumsverhältnisse in Form der Ehe rechtlich fixiert wurde – die Sehnsucht nach Monogamie, einer stabilen, dauerhaften Zweierbeziehung sei keine Erfindung der Neuzeit:

„Die Paarbindung ist biologisch in uns verankert.“

Das, so Junker, könne man unter anderem daran erkennen, dass der für die Bildung einer monogamen Partnerschaft verantwortliche hormonelle Rausch als emotionaler Ausnahmezustand in fast allen menschlichen Kulturen nachweisbar ist. „Das sind chemische Botenstoffe, die bereits vor Hunderttausenden von Jahren unseren Vorfahren, den Jägern und Sammlern, dabei halfen, Fremdheit zu überwinden, Nähe zu erzeugen, Konkurrenten auszuschalten und nicht zuletzt: eine Familie zu gründen und Nachwuchs zu zeugen.“ In der Evolutionsbiologie geht man davon aus, dass die Kinderaufzucht schon damals so aufwendig war, dass Mütter die zusätzliche Unterstützung der Männer dankbar in Anspruch genommen haben. „Wie bei vielen Tieren waren es auch bei uns die Männer, die damit begonnen haben, die Frauen zu bewachen und sexuell zu kontrollieren. Ein Wunsch, der sich schon immer auch aus Besitzanspruch und Eifersucht genährt hat. Auch deshalb ist die Liebe bis heute oft mit Leid verbunden.“

Monogamie-Beziehung: eine zentrale Grundlage für die Vergemeinschaftung

Forschungen belegen, dass sexuelle Treue in der Paarbeziehung verbreitet war, sagt Junker. „Auch wenn die Partner sich nicht gänzlich treu waren, so waren sie auch nicht immer untreu.“ Darauf deuten körperliche Geschlechtsmerkmale hin: So weist das Geschlecht eines männlichen Schimpansen Borsten auf, mit denen das Sperma eventueller anderer Beischlafpartner eines Weibchens aus ihrem Geschlecht entfernt werden kann. Das ist immer dann sinnvoll, wenn die Weibchen innerhalb kurzer Zeit mit vielen Männchen kopulieren. „Dieses Merkmal ist bei Menschen weggefallen, was bedeutet, dass sie schon damals nicht mehr ständig damit rechnen mussten, dass die Frau, mit der sie Sex hatten, kurz zuvor mit anderen Sex hatte.“ Auch der große Hodenumfang männlicher Schimpansen deutet auf eine große Zahl vieler Kopulationspartnerinnen hin. „Frauen haben also schon damals nicht regelmäßig parallel mit mehreren Männern geschlafen.“ Und das taten sie aus gutem Grund, wie Junker ausführt. Denn ohne Monogamie beziehungsweise stabile monogame Partnerschaften zu den Vätern und Großvätern hätten diese weder ihre Erfahrungen weitergeben noch Unterstützung gewähren können.

„Wir alle sind soziale Wesen, die in eng verflochtenen Gruppen leben und aufeinander angewiesen sind.“

Schon allein also um die Zahl der Unterstützer zu verdoppeln, sei es bis heute für Frauen ratsam, neben dem eigenen Vater immer auch den Erzeuger ihrer Kinder zu kennen. „Die monogame Paarbildung war nicht nur eine wichtige Voraussetzung für den Wissenstransfer und die Entstehung von Kultur, sondern auch für die Vergemeinschaftung.“

Über den Wert monogamer Partnerschaften: „Untreue ist nur eine Sekundärstrategie“

Das Hauptargument der Gegner von Monogamie-Beziehungen lautet: Die menschliche Sexualität ist nun mal von Natur aus promisk. Doch was entgegnen die Forscher? So absolut formuliert sei diese Zuschreibung falsch, lautet die übereinstimmende Antwort der Wissenschaftler. Junkers Argument: „Wir sind weder Schimpansen, bei denen der Sex weitgehend unabhängig von emotionalen Beziehungen abläuft, noch Bonobos, die mit jedem in der Gruppe Sex haben. Für die meisten Menschen trifft das erfahrungsgemäß nicht zu.“ Auch wenn der Mensch zweifellos ein neugieriges, Abwechslung suchendes Wesen sei, für das Fremdgehen trotz des Ideals der Monogamie auch biologisch eine Option sei: „Sexuelle Untreue ist für uns Menschen nur eine ‚Sekundärstrategie‘“, wie Junker betont.

„Unsere Primärstrategie aber zielt ab auf ein Leben zu zweit. Seitdem es Menschen gibt, ist die Welt voll von Liebesliedern, -poesie und anderen Artefakten, die von Leid und Eifersucht, aber eben auch von dem großen Glück künden, das ein Leben zu zweit verspricht“

, meint der Evolutionsbiologe. „Es bleibt eine zutiefst menschliche Ambivalenz, die sich nicht auflösen lässt. Die Biologie stellt uns verschiedene Optionen zur Verfügung, und uns bleibt nur übrig, eigene Wege zu finden.“

Monogamie: Sexueller Verzicht und Aufschub sind Kulturleistungen

Aber nicht nur die Biologie überlasse dem Menschen einen gewissen Gestaltungsspielraum, argumentiert der Sexualwissenschaftler Jakob Pastötter. Gerade weil man als Mensch sowohl Natur- als auch Kulturwesen sei, das stets in einer Art Spannungsverhältnis lebe, unterscheide sich auch die menschliche Sexualität von der des Tieres darin, eine Wahl zwischen Enthaltsamkeit, Monogamie und offenen Beziehungen treffen zu können, statt nur der eigenen Triebstruktur folgen zu müssen.

„Und weil nur der Mensch um seine Endlichkeit weiß, ist auch nur er in der Lage, sich in die Zukunft zu projizieren und auf ein kurzfristiges Vergnügen zugunsten einer langfristigen Stabilität in Form von Monogamie zu verzichten oder es aufzuschieben.“

Diese Fähigkeit müsse man als elementare Kulturleistung begreifen, die in unserer säkularisierten Gesellschaft längst unabhängig von religiösen Dogmen als moralische Option verinnerlicht worden sei. „Aber leider dominiert in unserem Kulturraum eine dualistische Vorstellung des Individuums, das sich aufgrund gesellschaftlicher Zwänge als uneins und abgetrennt von seiner naturwüchsigen Sexualität wähnt“, bedauert Pastötter.

Sexualität ist mehr als Vollzug – sie ist eine Liebeskunst

Solche Befreiungsfantasien seien zwar aufgrund von jahrhundertelangen Repressionserfahrungen verständlich. „Aber zugleich leugnet man damit, dass die menschliche Sexualität niemals frei von allem existiert hat, sondern immer im Rahmen eines sozialen Gefüges geregelt und mit dem Imperativ der Fortpflanzung und der Fürsorge für den Nachwuchs in einer monogamen Partnerschaft verknüpft war.“ Zudem dürfe man die Komplexität des Sex nicht verkennen, so Pastötter: „Bei uns reduziert man Sexualität häufig auf den körperlichen Vollzug, auf die drei E-Wörter Erregung, Erektion und Ejakulation bzw. Orgasmus. Was uns fehlt, ist eine differenzierte Liebeskunst in Monogamie-Beziehungen, eine Ars amatoria, die romanische Kulturen verinnerlicht haben, in denen man sich seit jeher mit diesem Thema auf einem anderen Niveau beschäftigt.“ Als Beispiel nennt der Wissenschaftler die Dramaturgie französischer Liebesfilme: „Da geht es immer um die Frage: Wie gehe ich unter der Bedingung gesellschaftlicher Zwänge innerhalb von Monogamie fantasievoll und einfallsreich mit meiner Lust um? Und da steht nie nur der Sex im Zentrum, sondern immer eine Amour fou, eine komplizierte Liebesgeschichte, die von Verführung, Flirt, Leidenschaft und Schmerz erzählt.“

Monogamie: Je länger man zusammenlebt, desto mehr bedeutet man einander

Beide Wissenschaftler sind sich darin einig: Die Herausforderung einer monogamen Beziehung besteht darin, nie die der Sexualität innewohnenden Abgründe aus den Augen zu verlieren und eine unablässige Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber dem Partner zu kultivieren. Pastötter:

„Es hat einen Grund, dass Sexualität in allen vormodernen Gesellschaften hochreligiös gedeutet wurde, es waren Gottheiten, die damit assoziiert wurden. Man sollte sie deshalb als etwas Kostbares, Fragiles, Gefährliches und unglaublich Raffiniertes wertschätzen, das gehegt und gepflegt werden will, damit die Lust nicht verschwindet.“

Die gute Nachricht, so Pastötter: „Je länger wir mit jemandem in einer monogamen Partnerschaft zusammenleben, desto kostbarer und wertvoller wird dieser Mensch für uns.“ Was beide Partner in die Lage versetze, eine erlahmende Lust durch Monogamie wiederzubeleben, zum Beispiel dadurch, dass man bei aller Nähe immer auch eine gewisse Distanz walten lässt – und sich selbst als Persönlichkeit weiterentwickelt. Diesem Spannungsverhältnis könne man auch durch das Vermeiden monogamer Beziehungen nicht entgehen, ist der Wissenschaftler überzeugt.

„Wer im Umgang mit Sex glaubt, einfach in eine Schublade hineingreifen und sich etwas herausnehmen zu können, verschließt die Augen vor der Tatsache, dass diese Schublade Teil einer Kommode ist. Eine Schublade ohne Kommode ergibt keinen Sinn.“

Fazit: Paarbeziehungen sind naturgegeben

Monogamie oder die romantische Liebe als Single zu suchen, liegt also tatsächlich in der Natur des Menschen. Und weil die Tugend der Geduld weit weniger gleichmäßig unter uns Menschen verteilt ist, vertrauen Sie auch auf unsere Hilfe bei Ihrer Partnersuche und leben Sie Ihren Wunsch nach Monogamie in einer Beziehung auf Augenhöhe aus. Oder, um im Bild zu bleiben, bei der Suche nach der richtigen Kommode an Ihrer Seite.

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