Frau mit Rollkoffer als Symbol für Wochenendbeziehung

Wochenendbeziehung – so kann sie auch langfristig funktionieren

von Saskia Balke , 27. April 2018

1,7 Millionen deutsche Paare führen eine Wochenendbeziehung. Alle Erwartungen und Sehnsüchte der ganzen Woche konzentrieren sich auf ein Zeitfenster von nur 48 Stunden. Kann das gutgehen? Unsere Paarberaterin und ElitePartner-Expertin Lisa Fischbach hat einige überraschende Tipps zur Hand, wie du der Liebe auf Distanz eine echte Perspektive geben kannst. Warum du auch dein Alleinsein zelebrieren solltest und weitere inspirierende Tipps für deine Wochenendbeziehung liest du hier.

An fünf Wochentagen unfreiwillig Single

Wohl jede Wochenendbeziehung kennt diesen schmerzhaften Moment: Sonntagabend, wenn der Wind über den Bahnsteig fegt und der Abschied vom Partner naht. Karin lässt Carstens Hand los und greift nach ihrem Trolley. Der Zug nach Berlin steht schon bereit. Sie hat es nicht eilig, schließlich wartet nur ihre kleine anonyme Wohnung auf sie, wo sich die Arbeitswoche zäh vor ihr ausgebreitet. Von Montag bis Freitag leben Karin und Carsten unfreiwillig wie ein Single.

So ähnlich geht es jedem achten Paar in Deutschland. Bei den einen sind die vielen Kilometer erst durch berufliche Veränderungen ins Spiel gekommen, die anderen haben sich bereits in dem Wissen kennengelernt, dass sie eine mehr oder weniger große Entfernung überbrücken müssen.

Wochenendbeziehung: für jeden Dritten keine Option

Eine Wochenendbeziehung – wie lange geht das gut? Das fragen sich viele Partner, die eine räumliche Trennung hinnehmen müssen. Wie sehr sie die Partnerschaft belasten kann, bestätigt auch unsere ElitePartner-Studie-2019. Sie ergab, dass 30 Prozent gar nicht erst offen wären für eine Fernbeziehung.1

„Dieses Beziehungsmodell ist eben ganz und gar kein Selbstläufer. Für Persönlichkeiten mit einem sehr hohen Nähebedürfnis kann Liebe auf Distanz zur Überforderung werden“

Lisa Fischbach, Psychologin und Forschungsleiterin bei ElitePartner

Die Psychologin rät: „Man sollte viel Zeit in die folgenden Punkte investieren, um die Beziehung für die Herausforderungen einer Wochenendbeziehung auf Dauer zu stabilisieren.“

Wie eine Wochenendbeziehung langfristig glücklich wird

1. Vertraue

Nur zwei von sieben Tagen verbringt ihr gemeinsam, an den restlichen fünf macht der Partner, was er will. Da lauern – zumindest in der Vorstellung so mancher Partner – Flirts im Fitnessstudio und Avancen im Afterwork-Club. Was bedeutet es, keinerlei Kontrolle zu haben? „Gelegenheit macht Liebe, heißt es ja so schön“, resümiert Lisa Fischbach die Bedenken vieler Paare. „Studien wie die der Humboldt Universität Berlin geben aber Entwarnung.“ Offenbar neigen Partner in einer Wochenendbeziehung auf Dauer sogar weniger zum Fremdgehen als in einer Partnerschaft am selben Ort oder im selben Haushalt. „Hier zeigt sich einer der Vorteile zwischen Nähe und Distanz«, erklärt Lisa Fischbach. „Die Beziehung und auch der Sex bleiben länger aufregend. Wer trotzdem betrügen will, betrügt – ob in einer Nah- oder Fernbeziehung.» Eine Garantie für Treue gibt es also nicht.

«Vertrauen ist das Fundament, Kontrollversuche und unbegründete Eifersucht sind hingegen Gift für jede Beziehung, für Wochenendbeziehungen besonders.»

Beide Partner sollten unter der Woche soziale Kontakte und Hobbys pflegen und sich beide darin unterstützten statt boykottieren. „Vertrauen ist ein Geschenk, das man freiwillig in die Beziehung investiert. Es ist nicht die Aufgabe des Partners, dafür zu sorgen! Kommen Misstrauensgefühle auf, sollte man diese aber offen ansprechen und seine Sorgen mit dem Partner teilen.“

2. Zieht für eine gelingende Wochenendbeziehung regelmäßig Bilanz

In einer Beziehung, die zwei Partner an einem Standort führen, finden sich viele Gelegenheiten, um Gespräche zu führen, Konflikte auszutragen oder auch Zwischentöne herauszuhören. Das Gespür dafür, ob die gemeinsame Blickrichtung noch stimmt, ob beide Partner sich verstanden und wertgeschätzt fühlen, ist daher besser greifbar als in einer Fernbeziehung. Wenn beide Partner hingegen viel Zeit ohne den anderen verbringen, können nicht nur wichtige Themen unter den Tisch fallen: Auch die Vorstellungen und Zukunftspläne können zunächst unmerklich auseinanderdriften und dazu führen, dass sich die Partner entfremden. Daher rät Lisa Fischbach für eine glückliche Wochenendbeziehung: „Man sollte sich in regelmäßigen Abständen Zeit dafür nehmen Bilanz zu ziehen, um mit den eigenen Bedürfnissen und denen des Partners in Kontakt zu bleiben. Auch sollte man den Partner ermutigen, sich zu öffnen.“

Ein erwünschter Nebeneffekt: Schwelende Konflikte erstickst du auf diese Weise bereits im Keim. Die gewünschte Harmonie muss nicht erzwungen werden, sondern ergibt sich von selbst. Sollte doch mal ein Streit in der Beziehung in der Luft liegen, solltet ihr diesen möglichst in Ruhe klären. Unsere Paarberaterin Fischbach gibt Paaren in einer Wochenendbeziehung Tipps wie die Konfliktthemen nach Möglichkeit lieber zu vertagen und die eigenen Gefühle so gut wie möglich zu regulieren. „Man sollte ausufernde Konflikte kurz vor oder während der Trennung voneinander vermeiden. Wenn im Affekt ein Streit entbrennt, kann es helfen, die Situation zu verlassen und kurz durchzuatmen. So lassen sich die Emotionen ausbremsen. So sollte man vereinbaren, beim nächsten Treffen in Ruhe über das Thema zu sprechen. So kann man sich trotz Konflikt mit gutem Gefühl voneinander verabschieden.“

3. Mach Nägel mit Köpfen

Für die meisten Paare ist die Liebe auf Distanz ein Kompromiss, eine Übergangslösung. Eine Wochenendbeziehung – wie lange geht das gut? „Nur sehr wenige Paare wählen dieses Modell bewusst, um allzu große partnerschaftliche Nähe zu vermeiden“, so Fischbach. „Seine Chancen auf eine langfristige Zukunft liegen besser, je stärker der Zeitraum limitiert ist.“ Dass eine Wochenendbeziehung auf Dauer an Perspektive verliert, zeigt auch die Studie der Humboldt Universität. Nach drei Jahren sinkt die Zufriedenheit.

„Tatsächlich ist das Erfolgsgeheimnis einer glücklichen Beziehung in solch einem begrenzten Zeitfenster, Nägel mit Köpfen zu machen“, bestätigt Lisa Fischbach. „Nicht nur, indem sich beide die gemeinsame Zukunft an einem Ort im Blick behalten und sie immer wieder ansprechen, herbeisehnen und ihre Pläne ausschmücken.“ Auch sonst sei Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit elementar. „Wenn man beispielsweise sagt, dass man abends anrufen, sollte man dies zuverlässig in die Tat umsetzen.“ Auf diese Weise können Rituale entstehen, die an feste Zeiten und Abläufe gebunden sind. „Sie verleihen beiden Partnern in einer Wochenendbeziehung Halt und Sicherheit.“

Fazit: Auch Konflikte stärken die Wochenendbeziehung

Harmonie satt? Ihr solltet einander trotz der wenigen gemeinsamen Zeit nicht mit Samthandschuhen behandeln und den Alltag keinesfalls ausklammern. Findet lieber heraus, ob eure Partnerschaft auch unter realen Bedingungen bestehen kann. Hier die wichtigsten Tipps für eine glückliche Wochenendbeziehung:

  • Unterstütz den anderen vertrauensvoll in seinen Interessen außerhalb der Beziehung
  • Vermeide Eifersuchtsszenen und kontrollier deinen Partner nicht
  • Führt in regelmäßigen Abständen Beziehungsgespräche und findet Lösungen für unerfüllte Bedürfnisse
  • Vermeidet Streitigkeiten kurz vor oder während der Trennung
  • Wenn dennoch ein Konflikt durch die Wochenendbeziehung entbrennt, vereinbart ein ausführliches Gespräch beim nächsten Wiedersehen
  • Sei verbindlich in deinen Worten und deinem Handeln
  • Gebt eurer Beziehung eine Perspektive, indem ihr das Zusammenleben an einem Ort häufig thematisiert und forciert