Drei Hände greifen ineinander als Symbol für Dreiecksbeziehung

Dreiecksbeziehung – Fantasie vs. Wirklichkeit

von Helena Papadakis , 16. Februar 2018

„Wenn der Hauskredit abbezahlt ist und die Kinder aus dem Haus sind, verlässt er seine Frau und kommt für immer zu mir.“ Geliebte klammern sich an solche Sätze, weil sie sie in Endlosschleife zu hören bekommen. Soll er ruhig zu ihr gehen und sich austoben, dann ist er zuhause ausgeglichener, mag manch gehörnte Ehefrau über die Dreiecksbeziehung ihres Mannes denken. So simpel funktioniert die Psychologie von Dreiecksbeziehungen aber nicht.

Inhaltsverzeichnis:

Beziehung zu dritt oder: Zwei Beziehungen unter Dreien

Bei einer Ménage à trois stehen drei Personen in einem Liebes- oder einem sexuellen Verhältnis zueinander. Meist ist es so, dass mindestens eine dieser Personen bewusst eine Dreiecksbeziehung führt und die anderen beiden unfreiwillig Teil des Beziehungsmodells werden. Bei einer Langzeitaffäre weiß die Geliebte meist von der Ehefrau oder Partnerin des anderen, häufig weiß die Gehörnte aber nichts davon, vielleicht ahnt sie aber etwas. Daneben gibt es Menschen, die parallel zwei gleichwertige Partnerschaften führen, von denen die anderen beiden Partner nichts wissen. Kennen sich alle Beteiligten oder akzeptieren die Tatsache, dass der eigene Partner auch andere sexuelle Beziehungen führt (vielleicht tut man es selbst auch), handelt es sich um eine offene Beziehung und nicht um eine typische Dreiecksbeziehung. Gehen wir also im Folgenden davon aus, dass sich lediglich einer der drei Beteiligten bewusst für diese Beziehungsform entscheidet. Wie kommt es überhaupt zu einer solchen Dreierkonstellation? Wie wichtig ist Sex dabei? Und kann das gut gehen?

Dreiecksbeziehung: der Reiz des Verbotenen

Das Verbotene nimmt seit jeher einen besonderen Einfluss auf uns Menschen. Alleine der Gedanke daran, bringt die Hormone in Wallung. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: dem Reiz widerstehen oder in das Abenteuer stürzen, obwohl, oder gerade weil, einem bewusst ist, dass es eigentlich verboten ist. Grundsätzlich darf jeder tun und lassen, was er will. Die Entscheidung für eine Dreiecksbeziehung ist aber zumindest moralisch fragwürdig, sobald in Kauf genommen wird, dass mindestens einer der Partner verletzt wird. Der Reiz liegt also zum Großteil in der Verheimlichung und des moralisch nicht ganz korrekten Verhaltens. Psychologisch erklärt sich die Dreiecksbeziehung aus der Kombination emotionaler Liebe, Vertrautheit und Geborgenheit der Langzeitbeziehung auf der einen Seite, und aufregendem, abenteuerlichem Sex mit einem anderen Partner auf der anderen Seite. Zumindest anfänglich sieht für den aktiven Entscheider alles nach einer Win-Win-Situation aus.

Kompensation von Defiziten – Ursachen einer Dreiecksbeziehung

Die Ergebnisse der ElitePartner-Studie 2020 zeigen, dass 29 Prozent schon einmal ihren Partner betrogen haben1. Frauen neigen mit einem Anteil von 31 Prozent sogar häufiger als Männer (27 Prozent) zu einem einmaligen Seitensprung. Dabei stellen Arbeitskollegen scheinbar eine große Versuchung dar: 14 Prozent der liierten Frauen und 17 Prozent der liierten Männer hatten bereits eine Affäre am Arbeitsplatz – so die Ergebnisse unserer ElitePartner-Studie 20172.

„Es ist fast immer so, dass in der Affäre etwas lebendig wird, was in der Ursprungsbeziehung nie lebendig war oder verloren gegangen ist“, so erklärt der auf Paartherapie spezialisierte Psychologe Hans Jellouschek gegenüber welt.de den Hauptgrund für das Zustandekommen einer Dreiecksbeziehung. Man hatte nie, was man braucht, oder man bekommt es mittlerweile nicht mehr. Unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach macht zudem deutlich, dass die Ursachen für dieses Beziehungsmodell nicht immer, wie häufig angenommen, sexueller Natur sein müssen:

„Liierte Partner versuchen mit einer Außenbeziehung häufig die subjektiv empfundenen Defizite in ihrer Ehe oder Hauptbeziehung zu kompensieren. Diese können sowohl sexueller als auch emotionaler Natur sein.“

Es ist also vor allem die lang andauernde Unzufriedenheit unter Paaren, die eine Dreiecksbeziehungen überhaupt erst möglich macht.

Dauerzustand Dreiecksbeziehung: Ist das möglich?

Liaison statt Liebe, gewünscht wird ein Ausbruch aus der Routine. Die meisten Menschen schlittern in eine Affäre hinein. Eine bewusste Entscheidung für eine Dreiecksbeziehung wird selten getroffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dauerhaft funktioniert, ist eher gering. Immerhin sind gleich drei Personen involviert. Es ist kaum anzunehmen, dass alle drei mit der Situation glücklich und zufrieden sind. Sucht er bei der Geliebten nur Sex, wohingegen sie darauf wartet, dass er seine Frau für sie verlässt, ist die Dreiecksbeziehung zum Scheitern verurteilt. Hat er sich zwischen heimeliger Vertrautheit und geheimem Abenteuer gemütlich eingerichtet und die betrogene Ehefrau kommt ihm auf die Schliche und verlässt ihn, verliert er beides. Das gemütliche Zuhause gibt es nicht mehr, das Geheime ist plötzlich nicht mehr geheim und verliert deshalb seinen Reiz. In der Regel wollen wir immer der oder die Einzige für unseren Partner sein – so befinden sich nach der ElitePartner-Studie 2018 nur sechs Prozent der Frauen und Männer in einer offenen Beziehung3. Darin sieht auch die Paartherapeutin und Autorin des Buches Schattenliebe, Gerti Senger, einen Knackpunkt in der Psychologie einer Dreiecksbeziehung: „Nicht die Liebe verlangt nach Ausschließlichkeit. Es ist unser narzisstischer Anspruch, für den anderen wichtiger zu sein als alle anderen.“ Nicht nur derjenige, der sich dafür entscheidet, hat ein Ego. Auch die beiden anderen verfolgen bedingungslos den Anspruch, der oder die Wichtigste für den Partner zu sein. Sind sie das nicht, oder haben sie berechtigte Zweifel an die Beziehung, bekommt das der Partner zu spüren. Das ohnehin nicht sehr stabile Konstrukt Dreiecksbeziehung beginnt zu bröckeln.

Ene, mene, muh und raus bist du – sind drei einer zu viel?

Bei der Entscheidung für eine Dreiecksbeziehung ist dem Hauptakteur anfänglich meist nicht bewusst, wie anstrengend dieses abenteuerliche Unterfangen ist. In organisatorischer, finanzieller und vor allem emotionaler Hinsicht ist die Konstellation von energieraubenden Anstrengungen geprägt. Wer keine Dreiecksbeziehung mehr haben will, steht vor dem nächsten Problem: Wen will ich halten? Den oder die Langzeitpartner/in oder die dritte Person? Wer in der glücklichen Situation ist, überhaupt noch selbst entscheiden zu können, also weder der Langzeitpartner noch der neue Partner das Dreieck bereits verlassen hat, sollte sich zwei Fragen beantworten:

  • Habe ich mich nur deshalb für die Dreiecksbeziehung entschieden, weil meine Langzeitbeziehung ohnehin am Ende ist? In diesem Fall liegt die Antwort klar auf der Hand: Die neue Partnerschaft macht es leicht, die alte zu beenden.
  • Würde ich meinen Langzeitpartner niemals verlassen, weil ich sie oder ihn und die Vertrautheit über alles liebe? Dann ist es sicher befreiend, die Affäre zu beenden und damit auch die Dreiecksbeziehung.

Bei der Überlegung, auf welchen Partner in Zukunft zu verzichten ist, ist es wichtig zu wissen, was man selbst möchte und wie dieses Bedürfnis mit den Erwartungen vereinbar ist, die man an den Partner stellt. Wie die Entscheidung auch ausfällt, eines muss klar sein: Ich bekomme nur wen oder was ich will, wenn das auch dem entspricht, was der andere möchte.

Dreiecksbeziehung richtig beenden: ein Ende ohne Schrecken

Schluss zu machen, fällt oft nicht leicht. Ist vorher klar, dass man einen Fehler begangen oder moralisch verwerflich gehandelt hat, fällt das umso schwerer. Die Geliebte hat immer und immer wieder gehört, er würde bald ganz zu ihr stehen. Parallel wird viel Energie aufgebracht, damit der Ehepartner bloß nichts von der Dreiecksbeziehung erfährt. Um solch ein Verhältnis fair zu beenden, rät unsere Beziehungsexpertin Lisa Fischbach:

„Wie in jedem Trennungsgespräch sollten Sie erklären, warum Sie keine Perspektive mehr sehen.“

Es gibt keinen Grund, das Ende der Beziehung unnötig hinauszuzögern. Im Idealfall beinhaltet das Trennungsgespräch die Gründe für das Verhalten, denn nichts ist schlimmer als betrogen und verlassen zu werden, ohne zu wissen warum. Auch wer versucht, die Dreiecksbeziehung souverän und respektvoll zu beenden, muss damit rechnen, dass ihm möglicherweise nicht der gleiche Respekt entgegengebracht wird.

Fazit: Dreiecksbeziehung – Wirklichkeit sticht Fantasie

So manches Ego fühlt sich gebauchpinselt von gleich zwei Partnern geliebt, begehrt, umsorgt und verwöhnt zu werden. Was der eine Partner nicht mitbringt, ist – im besten Falle – genau das, was den Dritten im Bunde ausmacht. Diese Fantasie ist perfekt. Doch wird die Entscheidung eine Dreiecksbeziehung zu führen zur Realität, werden Gewissensbisse und Stress, vielleicht sogar quälende Verlustängste oder gar Depressionen zu unschönen Begleitern. Auch das Ende ist meist unangenehm und wird in die Länge gezogen, ist man sich seiner moralischen „Schuld“ bewusst. Eine Dreiecksbeziehung hat nichts mit einem einmaligen Seitensprung zu tun. Als Dauerzustand funktioniert sie, wenn überhaupt, nur in Form einer offenen Beziehung. Überlegen Sie daher genau, was Sie wollen und handeln Sie entsprechend. Denn Geheimnisse werden allzu oft gelüftet.