Wenn Kinder die Liebe sabotieren

Wenn Kinder gegen den neuen Partner sind

von: Saskia Balke

Frisch verliebt versus Nervenkrieg: Binden sich Mama oder Papa nach einer Trennung neu, geht so manches Kind auf die Barrikaden. In diesem Fall ist die Verunsicherung bei allen Beteiligten groß. Wie können Alleinerziehende oder der neu hinzukommende Partner am besten mit der neuen Situation umgehen? Wir liefern Beispiele von Betroffenen und fragten die Experten um Rat.

„Hau ab! Du bist nicht mein Papa!“

Patchwork-Familie, das klingt nach einem riesigen Topf Pasta in der Mitte einer riesigen Tafel, an denen eine bunt zusammengewürfelte, glückliche Runde sitzt. Alle wollen von ihrem Tag erzählen, reden durcheinander, es ist laut, lustig, natürlich auch ein bisschen chaotisch, aber das gehört eben dazu. Doch so weichgezeichnet stellt sich das reale Bild der so modernen und populären Familienkonstellation in der Realität häufig nicht dar: Vor dem Hintergrund einer einschneidenden Trennungserfahrung kommt es vor, dass sich Kinder gegen den neuen Partner auflehnen. „Hau ab! Du bist nicht mein Papa!“, schallt es dann stattdessen aus der Küche. Eine schwierige Situation für die ganze Familie und ohne Frage eine große Belastung für die junge Liebe.

„Wir hatten keinen Tag Ruhe.“

Im ElitePartner-Forum diskutieren sowohl alleinerziehende Singles als auch Singles ohne Anhang ihre Erfahrungen über Beziehungen, in denen Kinder auf die Barrikaden gegangen sind. Eine Nutzerin schreibt: „Meine Beziehung ist daran gescheitert. Es waren 3 Kinder vorhanden (9, 12 und 14 J. alt). Als sie merkten, dass Papa sich eine Freundin (mich) zulegte, hatten wir keinen Tag mehr Ruhe. Ständig klingelte sein Handy. Entweder war seine überforderte Ex dran oder eines der Kinder. Kennengelernt habe ich im Grunde nur eines seiner Kinder. Das war sehr nett (zumindest scheinbar – im Nachhinein hing es am Ende nur noch beim Vater in der Wohnung und machte so die Beziehung kaputt).“

Was ist wirklich dran an dieser Vorstellung von eifersüchtigen Kindern, die keinen neuen Menschen an der Seite eines Elternteils dulden? Wie geht man damit um, wenn Kinder gegen den neuen Partner sind?

Von Eifersucht und Sündenböcken

Tatsächlich glaubt auch eine andere Forumsteilnehmerin: „Letztendlich ist jeder Partner der ‚Falsche‘.“ So pessimistisch sieht das nicht jeder. Sigrid Sonnenholzer weiß aus ihrer Praxis als Paar- und Familienberaterin, dass der richtige Umgang mit Konflikten Potenziale schaffen kann. „Was gegen Stress in der Patchworkfamilie hilft“ beschreibt sie in ihrem gleichnamigen Blogartikel bei Focus Online (hier nachzulesen >>). Die Expertin weiß, wie vielschichtig die Ursachen sind: „Wenn der Elternteil, bei dem das Kind aufwächst, lange alleine mit dem Kind war, bildet sich ein festes Gefüge. Der neue Partner wird als Eindringling gesehen, und die Eifersucht steht im Vordergrund.“ Für diesen Fall hat eine Forumsnutzerin einen Tipp aus eigener Erfahrung: „Als Scheidungskind kann ich sagen, man muss den Kindern klar machen, dass man ihnen den Elternteil nicht wegnehmen möchte. […] Man muss das ,,Kinderherz“ erreichen und auch bereit dazu sein. Dann hat man eine Chance.“ Ist eine Trennung noch frisch, sieht das Kind hingegen im neuen Partner womöglich die Ursache für die Trennung, wie es eine heute 30-jährige als Kind empfand: „Kinder fühlen sich durch eine(n) neue(n) Partner(in) bedroht, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. […] Da wird die Ursache für die Trennung dann bei der Neuen gesucht, auch wenn diese erst Jahre später in bereits kaputte Verhältnisse kommt. Als milden Trost kann ich hinzufügen, dass ich nur die erste Frau abgelehnt habe und die zweite Partnerin zunächst kritisch beäugt, aber dann mit offenen Armen empfangen habe. Zwischenzeitlich hatte ich die Beziehung meiner Eltern reflektiert, es war die zweite Frau nach meiner Mutter und ich war bereits einige Jahre älter.“ >> Die ganze Forumsdiskussion lesen Sie hier.

Die Pubertät ist ein kritisches Alter

Wie dieses Beispiel zeigt, spielt auch das Alter der Kinder eine entscheidende Rolle dabei, wie gut sich Kinder auf die veränderte Situation einlassen und die Entscheidungen ihrer Eltern einordnen können. „Kinder bis zu fünf Jahren sind aufgeschlossen und vertrauen sich emotional ohne größere Konflikte einem neuen Partner an. In der Pubertät, in der die Jugendlichen ohnehin schon genug mit sich selbst zu tun haben, ist die Bereitschaft, sich auf jemand Neues einzulassen, nicht sehr groß. Erst später, wenn die fast erwachsenen Kinder schon eigene Beziehungen geführt haben und vielleicht auf schmerzvolle Art erfahren mussten, dass eine Partnerschaft in die Brüche gehen kann, haben sie mehr Verständnis für die veränderte Situation“, konstatiert Sigrid Sonnenholzer.

Loyalitätskonflikte und manipulative Ex-Partner

Doch nicht nur die kritische Sicht des Kindes auf den neuen Partner ist eine Quelle kindlicher Sabotageakte. Wenn Kinder gegen den neuen Partner sind, verweist Sigrid Sonnenholzer auf die Loyalitätskonflikte, mit denen das Kind zu kämpfen hat. „Es glaubt, den Elternteil zu verraten, wenn es sich mit dem anderen Partner gut versteht. Und manchmal nehmen auch die Eltern gehörigen Einfluss, in dem sie das Kind ausfragen, abwertende Bemerkungen machen, so dass das Kind mit seinen Gefühlen hin und her gerissen wird. Dann erscheint es als einzig mögliche Lösung, den neuen Mann oder die neue Frau nicht zu akzeptieren.“

„Ich habe nie eine wirkliche Chance von den Kindern bekommen.“

So erlebt es auch die neue Partnerin eines Alleinerziehenden: „Ich habe nie eine wirkliche Chance von den Kindern bekommen. Vielleicht natürlich auch, weil die Kindsmutter im Hintergrund quer treibt. Egal, was ich mache – ich kann 10 Mal was Gutes tun und einmal was Falsches und schon bin ich wieder auf der Negativliste.“ Ein Nutzer mit dem Pseudonym Vatersuchtfrau weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Macht die (auch unbewussten) Manipulationen des abwesenden Elternteils ausüben können: „Mein Problem ist nicht mein Sohn. Mein Problem ist meine Ex-Frau. Sie findet einfach nicht in ihr eigenes Leben zurück. Sie lässt mich/uns nicht zur Ruhe kommen. Wie soll es da mit einer neuen Partnerin klappen? Ich verstehe es, warum sollte sich eine kinderlose Frau so einen Stress antun? Mein Sohn würde es sehr schön finden, wenn bei uns eine Frau im Haus wäre. Darüber kann man schon mit ihm sprechen!“ >> Zur Forumsdiskussion

Der Wunsch nach einer intakten Familie

Sigrid Sonnenholzer erklärt: „Fast alle Kinder wünschen sich, in einer intakten Familie aufzuwachsen, auch wenn das nicht der leibliche Elternteil, sondern der neue Partner ist.“ Darin besteht die große Chance, als Patchworkfamilie zusammenzufinden – und so darf ein Elternteil auch bei Startschwierigkeiten an seinem Wunsch nach einer Beziehung festhalten. „Wenn die neue Partnerschaft harmonisch ist und man sich gegenseitig Wertschätzung zeigt, ist es oft nur eine Frage der Zeit, bis wieder Ruhe einkehrt. Sie sollten das Kind aber nicht zusätzlich Konflikten und Streitereien in der neuen Partnerschaft aussetzen“, rät Sigrid Sonnenholzer. Denn diese rühren an die schmerzhaften Trennungserfahrungen, wie auch Nutzerin Nairne weiß. Sie lebt in einer Patchworkbeziehung mit einem alleinerziehenden Vater. „Es braucht viel Geduld und Verständnis, um das Kind zu erreichen und ihm zu zeigen, dass man alles tun wird, damit so [eine Trennung] nicht noch einmal passiert. Allerdings spüren die Kinder auch sehr gut, wenn der erziehende Elternteil in der neuen Beziehung wieder in die alten Verhaltensmuster zurückfällt und eine Wiederholung der alten Situation droht. Ich bin charakterlich komplett anders als die erste Frau meines Partners. Das spüren die Kinder und haben daher Vertrauen, dass es funktionieren kann. Natürlich gab es am Anfang Reibereien und Vorbehalte gegen mich. Aber nach einiger Zeit wurde es immer besser.“

So kann Patchwork gelingen, auch wenn zunächst die Kinder gegen den neuen Partner sind

Sigrid Sonnenholzer rät neuen Partnern in der Patchworkkonstellation zu „viel Verständnis und Geduld. Gerade dann, wenn Kinder öfter mit neuen Partnern konfrontiert werden, fällt es ihnen schwer, sich emotional immer wieder einzulassen, da sie ja permanent die Erfahrung machen, kaum habe ich mich an jemanden gewöhnt, ist er auch schon wieder weg.“ Zunächst taucht der neue Partner ja auch in einen bestehenden Mikrokosmos ein und sollte sich zurückhalten mit Kritik und Vorwürfen. Bedenken sollte er eher auf der Erwachsenenebene mit dem jeweiligen Elternteil klären. Denn der Versuch, einen Elternteil zu ersetzen oder eine Erzieherrolle einzunehmen, stößt häufig auf Widerstand. Da hilft es auch nicht, die Botschaften über den alleinerziehenden Elternteil zu transportieren. „Dann ist es für ein Kind schwer, Vertrauen aufzubauen“, warnt Sigrid Sonnenholzer. „Als neuer Partner sollten Sie sich zudem kein Urteil über den Expartner erlauben und ihn nicht abwerten. Wenn die Kinder schon im Jugendalter sind, ist es auch sinnvoll, sich an einen Tisch zu setzen und in aller Offenheit ungeklärte Dinge anzusprechen.“
Auch der alleinerziehende Elternteil sollte viel Einfühlungsvermögen und Geduld aufbringen. „Am allerwichtigsten ist es, dem Kind Zeit zu lassen, sich in die neue Familienstruktur einzufinden. Es sollten Spielregeln festgelegt werden, wie man in Konfliktsituationen miteinander umgeht. Sehr wichtig ist auch, dass der erziehende Elternteil trotz des neuen Partners immer wieder Zeiten einräumt, in denen er mit dem Kind etwas alleine unternimmt“, rät Sigrid Sonnenholzer. Dann kann es klappen – mit dem großen Pastatopf und einer fröhlichen, glücklichen Patchworkfamilie drumherum.

Autorin

Saskia
Balke

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